Schreiber bei der Arbeit. Ebenso sinnreich sind die Selbstordner
und die Umschaltvorrichtungen an Schreibmaschinen,
die dem Einhänder ein schnelles Arbeiten ermöglichen.
Alle diese Behelfsmittel besitzen außer ihrer unbedingten
Brauchbarkeit die Vorzüge, daß sie sehr einfach sind und
bequem überall aufgestellt, benutzt und ausgewechselt werden
können.
Die vorstehende Besprechung der verschiedensten Berufszweige
erhebt keineswegs den Anspruch, erschöpfend zu
sein. Um nicht ermüdend zu wirken, konnte auf alle Verwendungsmöglichkeiten
der Kriegsbeschädigten nicht eingegangen
werden. Im großen und ganzen wird sich überall
das Wort bewahrheiten: „Wo ein Wille ist, da ist auch
ein Weg!“ Dies gilt besonders für diejenigen, die auf der
Walstatt den Verlust eines Gliedes zu beklagen haben.
Denn sie glauben vielfach zuerst, nichts Brauchbares
mehr leisten zu können. Und doch sind sie meist noch nicht
die Beklagenswertesten unter den Kriegsbeschädigten. „Jede
innere Krankheit ist ein größeres Ubel als Einarmigkeit“
(E. von Künßberg). Sicher gibt es eine große Anzahl von
Kriegsbeschädigten, die beim besten Willen zu keiner anhaltenden
Arbeit zu gebrauchen sind. Hier wird in jedem
einzelnen Falle besonders vorzugehen sein, um den Lebenslauf
des Unglücklichen nach Möglichkeit friedlich und sorgenfrei
zu gestalten. Im übrigen aber können wir zuversichtlich
behaupten, daß nicht nur die Kriegobeschädigten, die
den Verlust von Gliedern zu beklagen haben, wieder in
die Armee der Friedensarbeiter eingereiht werden können,
sondern auch die meisten derer, die an anderen schweren
Störungen des Körpers leiden.
Gehörschädigungen sind im Kriege sehr häufig.
Durch die gewaltigen Erschütterungen, Gewehrschüsse, Granatsplitter,
durch Verschüttungen, auch im Gefolge anderer
Krankheiten treten schwere Störungen der Hörorgane auf.
Wenn auch die ärztliche Kunst gerade auf diesem Gebiete
ganz überraschende Heilerfolge zu verzeichnen hat, so bezieht
sich dies meist nur auf Einflüsse nervöser Art. Verletzungen
des inneren Ohres bedingen aber meist dauernde
Taubheit. Da derartig Betroffene zunächst an der Unterhaltung
ihrer Umgebung nicht teilnehmen können, tritt
leicht Verzagtheit und das Gefühl der Hilflosigkeit ein. In
den zur Hebung oder Milderung dieser Gebrechen geschaffenen
Lehrgängen wird darum vor allem darauf Gewicht gelegt,
daß die Ertaubten lernen die Sprache vom Munde
abzulesen. Je weiter sie in dieser Fertigkeit fortschreiten,
desto zufriedener und glücklicher werden sie. Der Berufe,
die für einen Ertaubten verschlossen sind, gibt es nur wenige.
Meist sind es solche Betriebe, in denen das fehlende Gehör
die Arbeit an und für sich zwar nicht beeinflußt. Die Beobachtung
der Maschinen zwecks Abstellung von Mängeln und
Fehlern, die unter Umständen für die Umgebung gefahrbringend
sein können, erfordert aber ein geübtes Ohr, das
durch nichts ersetzt werden kann.
Das lebhafteste Mitgefühl erwecken die im Felde des
Augenlichtes Beraubten, die Kriegsblinden. Bedauern
wir schon jeden, der nicht sehend zur Welt gekommen
ist, so beklagen wir die noch viel tiefer, die ein herbes Geschick
mit steter Nacht umgab. Da es sich meist um gewaltsame
Zertrümmerung der betreffenden Nerven oder der
äußeren Sehorgane handelt, wird ärztliche Kunst zuschanden.
Es wird demnach fast immer die Aufgabe zu erfüllen sein,
den gesunkenen Lebensmut der erblindeten Kriegsbeschädigten
zu heben und sie einem lohnenden Erwerb zuzuführen.
Für das erstere kann vor allem der Spruch als Richtschnur
gelten, der am Eingang einer Blinden-Arbeitsstätte
zu lesen war: „Die Blinden wollen nicht bemitleidet sein!“
Gilt dieser Satz, wie eingangs bemerkt, schon für Kriegsbeschädigte
im allgemeinen, so ist seine Befolgung hier im
besonderen Maße anzustreben. Wenn wir den Blinden
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helfen wollen, so müssen wir vor allem billige Redensarten
vermeiden. Es muß versucht werden, die Bedauernswerten
mit ihrer Lage auszusöhnen, indem man ihnen zu der Überzeugung
verhilft, „daß für die Möglichkeit einer künftigen
beruflichen Selbständigkeit besteht, daß sie durch das
Glück der Arbeit ihre wirtschaftlichen Verhältnisse wesentlich
z verbessern vermögen und daß beim pflichttreuen
Streben und Schaffen Jufriedenheit und wahre Lebensfreude
ihnen treue Führer auf ihrem Lebenspfade sein
werden.“
Die Fürsorge für die Erblindeten wird darum schon während
der Heilbehandlung in den Lazaretten eingeleitet. Da
gerade bei diesen Kriegsbeschädigten der seelische Zustand
vor allem gehoben und gefestigt werden muß, tritt das
werktätige Schaffen zunächst zurück. Ganz allmählich findet
eine Überleitung in den künftigen Beruf statt. Dieselbe
findet zweckmäßigerweise unmittelbar in einer Blindenanstalt
statt. Die Zahl der sog. Blindenberufe hat sich ja
in neuerer Zeit erheblich vergrößert. Ju der Korbmacherei,
Seilerei, Stuhlflechterei und dem Klavierstimmen sind
noch zahlreiche lohnende Beschäftigungen getreten, deren
Ausübung Blinden keinerlei besondere Schwierigkeiten bietet.
Das gilt namentlich von den Arbeiten in der Industrie.
Abgesehen davon, daß in jedem größeren Betrieb Gelegenheit
vorhanden ist, einen oder mehrere Blinde nicht bloß
„unterzubringen“, sondern nutzbringend zu verwenden, eignen
sie sich für außerordentlich viele Handwerke, namentlich
dort, wo es sich um industriellen Großbetrieb handelt.
Zahlenmäßig entstammt mehr als die Hälfte der Kriegsblinden
der Industrie und dem Handwerk. Die
Ankmipfungspunkte sind demnach fast immer vorhanden.
Mit ihrem feinen Tastgefühl und der durch
den Wegfall vieler Ablenkungen erhöhten Gründlichkeit
im Arbeiten verdienen die Blinden sogar in vielen Fällen
den Vorzug vor normalen Arbeitern. Daß die Leistungen
durchaus zufriedenstellend sein müssen, beweist z. B. der
Umstand, daß Munitionsfabriken Blinde nicht nur zum
Zusammenstellen von Geschoßteilen, Einbringen und Verpacken
von Patronen u. a. m. verwendeten, sondern ihnen auch
Revisionsarbeiten, das Prüfen von Schrauben und Zünderteilen
auf richtiges Maß mittels der sog. Lehren oder
Toleranzkaliber übertrugen. Auch bei der Herstelung elektrischer
Installationsmaterialien lassen sich viele Arbeitsvorgänge
ohne weiteres von Blinden erledigen. Da der
Blinde viel besser auf Geräusche und den Unterschied der
Töne achtet, hat man ihn schon seit langem im Klavierbau,
namentlich als Stimmer, verwendet. Diese auf das
feine Gehör sich stützende Tätigkeit läßt noch viele Möglichkeiten
zu, z. B. bei der Herstellung neuzeitlicher Musikinstrumente.
Ferner gibt es Arbeiten, bei denen das sehende
Auge oft Gefahr läuft, geschädigt zu werden, z. B. bei bestimmten
Vorgängen in der Glühlicht-, Metallfaden-, chemischen
und Glasindustrie. Hier sind sicher noch zahlreiche
Arten der Betätigung für erblindete Krieger vorhanden.
Der blinde Maschinenschreiber ist in Verbindung mit dem
Sprechapparat (Parlographen) ebenso leistungsfähig wie
ein Sehender, und die Bedienung einer kleinen Fernsprechzentrale
kann ohne umfängliche Abänderungen einem Blinden
übertragen werden.
Ist demnach im Handwerk, in der Indusirie und im
Handel die Aussicht einer ersprießlichen Tätigkeit für
Blinde in den verschiedensten Betrieben vorhanden, so ist
die Verwendungemöglichkeit auch auf anderen Gebieten
nicht ausgeschlossen. Die Brauchbarkeit der Blinden zu
landwirtschaftlichen Arbeiten hat sich bei vielen praktischen
Versuchen erwiesen. Aber auch geistig Arbeitende können
eine ihrem Bildungsstande entsprechende Beschäftigung finden,
soforn ihre Umgebung ihnen Unterstützung und Handreichung
zuteil werden läßt.