Contents : Gesetzsammlung für das Fürstenthum Reuß Älterer Linie. 1867. (16)

Rückkehr  des  Großherzogs  Leopold  von  Baden.  75

Gewissen  auf  die  vergangenen  zwanzig  Jahre  seiner  Regierung  zurückblicken  zu
können;  er  berief  sich  darauf,  wie  sehr  gerade  er  bestrebt  gewesen  sei,  Freiheit,
Einheit  und  Macht  des  gesamten  Vaterlandes,  freilich  anders  als  auf  dem  Wege
des  Umsturzes  und  der  Anarchie,  begründen  zu  helfen.  Dann  wies  er  darauf
hin,  zu  welchem  Unheil  die  Herrschaft  des  Pöbels  führe,  und  versprach,  nach
Wiederherstellung  gesicherter  Zustände  keine  der  zur  gedeihlichen  Entwickelung  des
Landes  unentbehrlichen  Freiheiten  und  Rechte  seinen  Unterthanen  vorenthalten
zu  wollen.  Er  betonte  die  Notwendigkeit  der  Aufrechterhaltung  der  Herrschaft
des  Gesetzes,  der  Stärkung  der  Berufstreue  der  Beamten  und  der  Wiederherstellung
  der  Waffenehre  des  badischen  Heeres,  welche  durch  die  Meuterei  so
sehr  gelitten  habe.  Schließlich  sprach  er  die  Hoffnung  aus,  daß  die  Befestigung
der  gesetzlichen  Ordnung  auch  die  Wiederbelebung  der  Gewerbthätigkeit,  des
Verkehrs,  die  Hebung  der  Industrie  und  des  Handels  bewirken  werde.

Daß  die  Hoffnungen,  welche  der  Großherzog  Leopold  an  die  Wiederkehr
besserer  Zustände  und  die  Pflege  echten  Bürgersinnes  knüpfte,  weit  rascher,  als
sich  vorher  annehmen  ließ,  in  Erfüllung  gegangen  sind,  ist  das  Verdienst  der
volkstümlichen  Regierung  dieses  edlen  Monarchen  und  seines  gleich  trefflichen
Nachfolgers  Friedrich.

Der  Prinz  von  Preußen  nahm  den  Dank  der  großherzoglichen  Familie
mit  der  ihm  eignen  Bescheidenheit  entgegen.  Die  ihm  gewidmeten  Auszeichnungen
  erklärte  er  nicht  als  Anerkennung  der  persönlich  als  Heerführer  er—
worbenen  Verdienste,  sondern  nur  in  dem  Sinne  anlegen  und  tragen  zu  wollen,
daß  damit  die  Leistungen  seiner  tapferen  Truppen  anerkannt  würden,  denn  er
selbst  habe  nur  seinen  Posten  redlich  ansgefüllt,  und  ihm  genüge  es,  sich  glücklich
preisen  zu  dürfen,  an  der  Spitze  einer  so  braven  Armee  gestanden  zu  haben.
Im  Oktober  1849  nach  Potsdam  zurückgekehrt,  stellte  der  Prinz  bei  einem
Empfange  der  Offiziere  der  Potsdamer  Garnison  seinen  Neffen  Friedrich  Karl,
den  späteren  Generalfeldmarschall,  der  noch  den  Arm  in  der  Binde  trug,  den
versammelten  Kameraden  als  einen  braven  Soldaten  vor,  „welcher  in  Baden
überall  seine  Pflicht  und  Schuldigkeit  gethan  habe.“

Aus  jener  Zeit  des  Aufenthaltes  des  Prinzen  Wilhelm  auf  Schloß  Favorite
bei  Rastatt  liegt  eine  anziehende  Schilderung  vor,  welche  der  bekannte  und  beliebte
Schriftsteller  Hackländer,  der  früher  selber  dem  preußischen  Heere  angehörte,
über  die  bei  dem  Prinzen  gefundene  freundliche  Aufnahme  in  seinen  „Bildern
aus  dem  Soldatenleben“  veröffentlicht  hat.

„Der  Prinz  von  Preußen",  sagte  dieser  alte  Soldatenfreund,  „ist  eine
schöne,  hochgewachsene  Gestalt,  hat  einen  friedlichen,  heiteren,  außerordentlich  gewinnenden
  Gesichtsausdruck,  lebhafte  Augen  und  spricht  mit  tiefer  klangvoller
Stimme.  Gekleidet  war  er  in  einfache  Generalsuniform,  an  derselben  den
Orden  pour  le  mérite  und  im  Knopfloch  das  in  den  Befreiungskriegen  erworbene
Eiserne  Kreuz.  Der  Prinz  ist  ein  vollkommener  Soldat,  umsichtig,  unerschrocken,
von  festem  Charakter,  für  seine  Untergebenen  in  jeder  Hinsicht  sorgend,  und  er
besitzt  durch  diese  Vorzüge  die  Anhänglichkeit  und  Zuneigung  der  Armee.“