Full text : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

Tatsachen  schüttete  er  rückhaltlos  vor  mir  aus,  wiederholte
  manches  von  dem,  was  mir  mein  Chef  soeben  kurz
berichtet  hatte,  ergänzte  es  mit  anderem,  ließ  mich,  der
ich  von  meiner  Heeresgruppe  und  aus  der  Abgeschiedenheit
  der  Front  hierhergekommen  war  und  das  von
Schulenburg  Gehörte  eben  noch  in  mir  zu  ordnen  und
zu  überschauen  suchte,  noch  tiefer  in  das  Bild  einer  aus
Haltlosigkeit  und  Aufsplitterung  des  Willens  und  der
Kräfte  drohenden  Katastrophe  blicken.  So  erfuhr  ich  jetzt,
daß  schon  am  Abend  vorher  —  gestern,  ehe  er  mich  tele—
phonisch  nach  Spa  beschied  —  eine  eingehende  Bespre—
chung  der  Lage  hier  stattgefunden  hatte,  in  der  General
Gröner  dem  Kaiser  dringend  abgeraten  habe,  nach  der
Heimat  zurückzukehren,  den  „Durchbruch  nach  Innen“
zu  versuchen.  Aufrührerische  Massen  seien  unterwegs
nach  Verviers  und  Spa,  und  zuverlässige  Truppen  gebe
es  überhaupt  nicht  mehr!  Auch  an  die  Front  —  um  etwa
da  zu  kämpfen  und  zu  sterben  —  dürfe  mein  Vater  nicht,
da  dieser  Schritt  die  Entente  angesichts  des  bevorstehen—
den  Waffenstillstandes  möglicherweise  zu  falschen  Fol—
gerungen  veranlassen  könnte,  die  dann  nur  größeres
Unheil  und  Blutvergießen  zur  Folge  haben  würden.
Mein  Vater  erzählte  mir  weiter,  daß  nach  den  Mittei—
lungen  der  Herren  auch  in  den  Städten  Köln,  Hanno—
ver,  Braunschweig  und  München  die  Arbeiter-  und  Soldatenräte
  die  Gewalt  an  sich  gerissen  haben  —  daß  in
Kiel  und  Wilhelmshaven  die  Revolution  ausgebrochen
sei  —  daß  er  im  Hinblick  auf  die  scheinbar  notwendige
Abdankung  als  Kaiser  den  Oberbefehl  über  das  deutsche
Heer  dem  Generalfeldmarschall  übertragen  werde.

In  all  meiner  tiefen  Erschütterung  versuchte  ich  sofort

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