Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1913. (40)

Es  haben  nicht  nur  in  den  Privatkontoren  der  großen  ndustriewerke
  oder  in  den  Ecken  der  Schieberkaffees  die  Kriegsgewinn--ler
  gesessen.  Man  braucht  nur  in  den  Rauchwarengeschäften
nachzufragen,  welche  Menge  teuerer  Pelze  an  Arbeiterfrauen
in  dieser  Zeit  geliefert  worden  ist;  oder  die  Statistik  der  Sparkassen
  nachzulesen;  oder  sich  der  jungen  Lausbuben  zu  erinnern,
die  in  Weinstuben  den  Prokuristen  spielten.  Zammervoll  stand
es  nur  um  alle  diejenigen,  die  nichts  unter  Preissteigerung
an  den  Mann  bringen  konnten,  sondern  vertraglich  zu  den
festen  Bezügen  der  Friedensarbeit  weiterarbeiteten:  um  die
Beamten.  Hann  ebenso  oder  noch  schlimmer  um  die  leinen
Rentiers,  die  Invaliden,  die  Witwen  mit  Ruhegehalt.

Der  Deutschen  Nationalversammlung,  die  beute  nach  Weiterberatung
  der  am  Sonnabend  angeschnittenen  Wahlprüfungen
  sich  mit  der  Erhöhung  aller  Renten,  namentlich  für
Kriegsbeschädigte  und  Kriegebinterbliebene,  befaßt,  liest  der
Präsident  Febrenbach  gebörig  den  Tert.  Etwa  nach  dem,
irren  wir  nicht,  Goetheschen  Rezept:  „Bilde,  Künstler,  rede
nicht!“  Die  Herren  möchten  sich  etwas  kürzer  fassen  und  dafür
etwas  schneller  abstimmen,  sonst  werde  man  mit  dem  Stoff
überhaupt  nicht  mehr  fertig.  Die  Mahnung  verdallt.  Es
beginnt  sogar  alsbald  ein  Wettreden  aller  Fraktionen  anläßlich
einer  sozialdemokratischen  Interpellation,  die  den  Schrei  nach
erhöhter  Rente  zum  Ausdruck  bringt.  Es  ist  niemand  im
Hause  und  außer  dem  Hause,  der  nicht  wüßte,  daß  die  Renten
unter  den  heutigen  Lebensbedingungen  völlig  unzureichend
sind,  nicht  nur  für  Kriegsbeschädigte  und  für  Hinterbliebene
von  Gefallenen,  sondern  auch  für  Invaliditäts-  und  Altersrentner
  und  sonstige  Pensionäre  vom  Schlachtfelde  der  Friedensarbeit.
  Aber  ebensowenig  weih  semand  von  peute  auf
morgen  zu  sagen,  woher  man  die  etwa  erhöhten  Bezüge
nehmen  soll.  Selbst  wenn  wir  an  Stelle  des  Zauberlehrlings
Erzberger,  dem  die  Wasser  bald  bie  an  den  Hals  geben  werden,

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