Volltext : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1913. (40)

976

Bestimmungen  über  die  Beurlaubung  der  Militäranwärter  des  Heeres.
Vom  1.  Januar  1914.

A.  Allgemeines.

1.  Die  Militäranwärter:)  können  sowohl  zur  Vorbereitung  auf  die  Ziovilversorgung
  als  auch  zur  Beschäftigung  im  Zivildienst  oder  im  Privatdienst
beurlaubt  werden.)  Ein  Rechtsanspruch  auf  diesen  Urlaub  besteht  nicht.

2.  Ob  unter  Würdigung  der  dienstlichen  Interessen  und  der  sonst  etwa  in  Betracht
kommenden  Verhältnisse  dem  Urlaubsgesuch  entsprochen  werden  kann,  unterliegt  lediglich  der
Beurteilung  des  für  die  Urlaubserteilung  zuständigen  Vorgesetzten.  Hierbei  wird  allerdings
auch  den  für  die  Versorgung  der  Militäranwärter  allgemein  bestehenden  wohlwollenden
Absichten  genügend  Rechnung  zu  tragen  sein.

3.  Wird  der  Urlaub  durch  Krankheit  unterbrochen,  so  darf  er  um  diese  Zeit  verlängert
  werden.

4.  Während  einer  Beurlaubung  nach  Ziffer  1  werden  die  Militäranwärter  mit  Gebührnissen
  nach  den  §§  36  und  58  der  Friedensbesoldungsvorschrift  (D.  V.  Nr.  454)
abgefunden.

5.  Beim  Eintritt  einer  Mobilmachung  muß  der  Militäranwärter  unverzüglich  zu
seinem  Truppenteil  zurückkehren,  sofern  er  nicht  infolge  sofortiger  Ubernahme  in  den  Zivildienst
  aus  dem  aktiven  Militärdienst  ausscheidet.

6.  Die  Befugnis  zur  Beurlaubung  der  Kapitulanten  mit  Gehalt  oder  Löhnung
(§  36  Ziffer  11  und  §  56  Ziffer  1  der  Friedensbesoldungsvorschrift)  wird  durch  die
nachstehenden  Bestimmungen  nicht  berührt.

B.  Vorbereitung  anf  die  Zivilversorgung.

7.  Den  Militäranwärtern  mit  Ausnahme  der  Unterinspektoren  kann  zur  Vorbereitung
auf  die  Zivilversorgung  ein  Urlaub  bis  zu  3  Monaten  gewährt  werden.  Eine  wiederholte
Beurlaubung  zu  diesem  Zweck  ist  nur  insoweit  zulässig,  als  die  Gesamtdauer  der  Beurlaubungen
  den  Zeitraum  von  3  Monaten  nicht  übersteigt.

8.  Dieser  Urlaub  darf  ohne  Nachweis  beliebig  verwendet  werden,  z.  B.  zum  Besuch
von  Unterrichtsanstalten  oder  zu  irgend  einer  zivildienstlichen  Beschäftigung,  für  die  eine

 

1)  Auf  Unteroffiziere,  die  den  Zivilversorgungsschein  noch  nicht  besitzen,  finden  diese  Bestimmungen  keine
Auwendung.

2)  Die  Befugnis  zur  Erteilung  von  Urlaub  an  Militäranwärter  im  Interesse  ihrer  Zivilversorgung  nach
den  vorstehenden  Bestimmungen  ist  den  Regimentskommandeuren  und  Kommandeuren  selbständiger  Batatllone
übertragen.  Nur  Anträge,  die  abzulehnen  sind  oder  eine  Ausnahme  von  den  Bestimmungen  betreffen,  werden
mit  Begründung  dem  Generalkommando  zur  Entscheidung  oder  zur  Weitergabe  an  das  Kriegsministerium  vor
gelegt.  (V.  Bl.  d.  K  M.  1913  S.  314  Ziff.  4  Abs.  2.)