Full text : Ereignisse und Gestalten 1878-1918

der  Eindruck  so  günstig  gewesen,  daß  dort  an  dem  befriedigenden
Verlauf  und  Abschluß  des  Abkommens  nicht  mehr  gezweifelt  wurde.
Es  habe  sich  nunmehr  zwischen  den  Ministern,  zumal  zwischen  Churchill
und  Grey,  ein  edler  Wettstreit  darüber  entsponnen,  wer  nach  Berlin
solle,  um  seinen  Namen  unter  dieses  große  historische  Dokument  zu
setzen  —  wenn  es  nämlich  gelungen  wäre,  Deutschland  zur  vollständigen
  Preisgabe  der  weiteren  Ausgestaltung  seiner  Flotte  zu  bestimmen.
  Churchill  habe  gemeint,  er  sei  der  gegebene  Mann,  da  er  die
Marine  habe.  Aber  Grey  und  Asquith  gönnten  dem  Kollegen  den
Ruhm  nicht.  Daher  stand  eine  Zeitlang  Grey  im  Vordergrunde  —
wieder  ein  Beweis,  daß  die  Politik  und  nicht  so  sehr  die  Zahl  der
Schiffe  dabei  die  Hauptrolle  spielen  sollte.  Nach  einiger  Zeit  aber
beschloß  man,  daß  es  Grey's  ganzer  Person  und  Stellung  doch
würdiger  sei,  erst  zum  Schluß  der  Verhandlungen  zu  erscheinen  und
seinen  Namen  unter  das  Abkommen  zu  setzen  und  —  wie  es  in
Ballins  englischen  Informationen  lautete  —  „to  get  his  dinner  from
the  Emperor  and  to  come  in  for  his  part  of  festivitles  and  fireworks“*),
  auf  gut  Deutsch:  die  „bengalische  Beleuchtung“  einzuheimsen.
  Da  nun  Churchill  diese  keinesfalls  bekommen  sollte,  so
mußte  für  die  Verhandlungen  eine  Persönlichkeit  gewählt  werden,
die  Asquith  und  Grey  nahestand  und,  deren  volles  Vertrauen  besitzend,
  bereit  war,  die  Verhandlungsarbeit  bis  zum  Beginnn  der
„bengalischen  Beleuchtung“  auf  sich  zu  nehmen,  und  die  außerdem  in
Berlin  schon  bekannt  und  in  Deutschland  nicht  fremd  war.  Churchill
war  das  freilich  auch  nicht,  denn  er  war  einige  Male  bei  den  Kaisermanövern
  in  Schlesien  und  Württemberg  als  Kaiserlicher  Gast  zugegen
  gewesen.  Ballin  verbürgte  sich  für  die  Zuverlässtgkeit  seiner
Londoner  Quelle.

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*)  „sein  Festessen  vom  Kaiser  zu  bekommen  und  bei  den  Festlichkeiten  und
Feuerwerken  auf  seine  Rechnung  zu  kommen“

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