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Auch ist Pilluitz noch dadurch in der neuesten Geschichte Sachsens
bekannt geworden, daß König Anton, nachdem er am 2. Mai
1836 das Hoflager daselbst eröffnet hatte, am 4. Juni früh 7 Uhr
hier erkrankte und am 6. früh ½ 7 Uhr nach kurzem Krankenlager
das Zeitliche segnete. Am 8. Juni wurde des Königs Leiche mit
der Fähre von Pillnitz auf der Elbe nach Dresden gebracht, und am
9. Juni in der Gruft der Väter beigesetzt.
Die Umgebungen von Pillnitz sind eines Theils an und für sich
schon reizend genug durch die hier sich ausbreitende Thalfläche des
schönen Elbstroms, der, oberhalb Pillnitz durch eine ziemlich grosse
Insel in zwei Arme getrennt, sich vor dem Schlosse Pillnitz wieder
in einem erweiterten Bette ausbreitet, andern Theils durch die nach
Sddost sich längs der Höhen bis zum Borsberge hinziehenden, durch
ihren vorzüglichen Wein bekannten Weinberge, an deren Fuß freundliche
Lust= und Winzerhäuser sich anschmiegen. Doch diese schon von
der Natur allein so wahrhaft schön ausgestattete Gegend, mit der
anmuthigen Sitnuation ihrer Berge, Thäler und Anuen ist durch den
Verschönerungssinn der Regenten Sachsens, die hier seit 120 Jahren
ihren Sommergenuß suchten, für die genügsamen und reinen Freuden
der Natur noch unendlich mehr verschönt und genießbarer gemacht
worden, wiewohl die Elemente oft wieder störend auf die Verschönerungen
und Bequemlichkeits-Vorkehrungen eingewirkt haben,
und daher von Zeit zu Zeit wieder bedeutend nachgeholfen werden
mußte. — Dicht hinter dem eigentlichen Dorfe Pillnitz öffnet sich der
fogenannte pillnitzer Grund, in welchem der Friedrichsweg
(daher auch oft der Friedrichsgrund) nach dem allbekannten und
weit und breit beliebten Borsberg leitet, der gegen 500 Ellen über
der Elbe sich erhebt, und eigentlich als Anfangspunkt der sächsischen
Schweiz betrachtet wird. — Am Eingange zu diesem romantischen
Grunde ist die Eisgrube in gothischem Geschmacke, auch ein, seit 1796,
freilich mit grossen Kosten, verschönerter Weinberg angelegt, der so
beträchtlich ist, daß ihn gewöhnlich 16 Winzer bearbeiteten 78). Vor
der Eisgrube vorüber führt ein sich schlängelnder Bergpfad auf den
steilen sogenannten Haus= 7°) oder Schloßberg, auch oft das
pillnitzer Vorgebirge genannt, auf dem die im Munde des Volks
gewöhnlich das „Raubschloß"“ genannte Burgruine sich erhebt,
welche jedoch ketneswegs als ein Ueberbleibsel der alten Burg
Pillnitz anzusehen ist, sondern erst im Jahre 1788 vom Hofcon-78)
Von Pillnitz bis nach Oberpoyritz hin verbreiten sich die Domanial=Weinberge,
die unter dem hiesigen Bergverwalter und einem Bergvoigte stehen,
auch einen sehr guten Wein erzeugen, indem ihn selbst Kenner schon öfter für einen
französischen Wein tranken. Diese Weinberge sind 1791 mit Burgunder, zum
Theil aber auch mit ungarischen Reben bepflanzt worden, und ihre Ausdehnung war
Ihone den 30. Jahren dieses Jahrhunderts bis zu 28 Acker bei 500 Pfahlhaufen
gediehen.
i9 Hausberg wahrscheinlich deshalb genannt, weil er jedenfalls die alte
Burg Pillnitz trug, die auch keinen passendern Platz gehabt haben kann.