Full text : Wilhelm Heinzes Quellen-Lesebuch zur vaterländischen Geschichte für Lehrerbildungsanstalten und höhere Schulen. Zweiter Teil. Deutsche, vornehmlich brandenburgisch-preußische Geschichte bis 1815. (2)

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hören:  und  endlich  liegt  mir  an  der  Unsterblichkeit  wenig,  wenn  ich  nur  genützet
habe.  —  Der  König:  Weiß  Er  keine  von  seinen  Fabeln  auswendig?  —  Ich:
Nein.  —  Der  König:  Besinne  Er  sich.  Ich  will  etlichemale  im  Zimmer  auf=  und
abgehen.  —  Ich:  Nunmehr  kann  ich  Ihrer  Majestät  eine  sagen.  —  (Ich  sagte  ihm
die  Fabel  vom  Maler  in  Athen.  Als  ich  bis  auf  die  Moral  war,  sagte  er:  Nun
die  Moral?  Ich  sagte  die  Moral.)  Der  König:  Das  ist  gut;  das  ist  sehr  gut!
Ich  muß  Ihn  loben.  Das  habe  ich  nicht  gedacht;  nein,  das  ist  sehr  schön,  natürlich,
gut  und  kurz.  Wo  hat  Er  so  schreiben  lernen?  Es  klingt  fein;  sonst  hasse  ich  die
deutsche  Sprache.  —  Ich:  Das  ist  ein  Unglück  für  uns,  wenn  Sie  die  deutschen
Schriften  hassen.  —  Der  König:  Nein,  Ihn  lobe  ich.  —  Ich:  Das  Lob  eines
Kenners  und  Königs  ist  eine  große  Belohnung.  —  Der  König:  Der  König  wird
nicht  viel  dazu  beitragen.  —  Ich:  Ja,  wenn  der  König  ein  Kenner  ist,  so  wird
das  Lob  vollwichtig.  —  Der  König:  Wenn  ich  hier  bleibe,  so  besuche  Er  mich
wieder,  und  stecke  Er  Seine  Fabeln  zu  sich,  und  lese  Er  mir  welche  vor.  —

Dieses,  gnädiges  Fräulein,  ist  der  kurze  Auszug  eines  Gesprächs,  das  beinahe
zwei  Stunden  gedauert  hat.  So  lange  ich  auf  meiner  Stube  war,  zitterte  ich.
Sobald  ich  auf  die  Gasse  kam,  fassete  ich  mich  und  ward  beherzt.  Und  eben  weil
ich  unbesorgt  war,  Beifall  zu  erlangen,  habe  ich  ihn  erhalten.  Gott  sei  Dank,  daß
ich's  überstanden  habe!  Läßt  er  mich  wieder  rufen,  so  bin  ich  vor  nichts  bange
als  vor  der  Religion.  Aber  Gott  wird  mir  Mut  und  Klugheit  geben,  wenn  es
die  Pflicht  befiehlt,  die  Ehre  der  christlichen  Religion  auch  gegen  alle  Könige  zu
bekennen,  und,  wo  ich  kann,  zu  retten.  Er  mag  wohl  schon  wissen,  daß  ich  geistliche
  Lieder  gemacht  habe,  und  das  ist  mir  sehr  lieb.  Wenn  er  spotten  will,  so
werde  ich  ihm  sagen:  Sire,  diese  Lieder  werden  bei  Ihren  Armeen  gesungen  und
gebetet,  und  die  christlichen  Gedichte  machen  gute  Bürger  und  treue  Soldaten.
Wenn  er  mich  fragt,  ob  ich  seine  medizinischen  Regeln  in  acht  genommen  hätte,  so
werde  ich  ihm  antworten,  daß  mich  seine  Mittel  nicht  gesund  machen  würden,  so
lange  ich  vier  Lazarette  um  und  neben  mir  hätte.  Beten  Sic,  daß  er  ein  Christ  wird.

Eine  Nachricht  muß  ich  Ihnen  noch  melden,  die  mich  ungemein  erfreut  hat.
Meine  Schwester  in  Hainichen  hat  mir  folgendes  geschrieben:  Unser  Städtchen  ist
mit  ganz  leichter  Einquartierung  belegt  worden,  und  der  General  Hülsen  hat  dem
Rate  sagen  lassen,  dieses  geschähe  aus  Wohlwollen  gegen  den  Herrn  Professor
Gellert  und  seine  Schriften.  Ich  bin  usw.

Gellert.
68.

„Endlich  ist  der  Friede  wirklich  da.“

15.  Februar  1763.

Quelle:  Bestimmungen  des  Friedensschlusses  von  Hubertusburg
(Französisch).

Übersetzung  aus  dem  Abdruck  des  französischen  Textes  bei  1  W.  Ghilland,  Diplomatisches  Handbuch.
Nördlingen  1855—68.  -d.  S.

Da  Ihre  Apostolische  Majestät  die  gafferin  und  Königin  von  Ungarn  und
Böhmen  und  S.  M.  der  König  von  Preußen  von  gleichem  Wunsche  beseelt  sind,
dem  Unglück  des  Krieges  ein  Ende  zu  machen,  der  zu  ihrem  großen  Leid  seit
mehreren  Jahren  anhält  und  zu  diesem  Ende,  durch  eine  rasche  und  aufrichtige
Versöhnung  ihren  beiderseitigen  Untertanen  und  Staaten,  wie  denen  ihrer  Freunde
und  Verbündeten,  die  Ruhe  und  Sicherheit  wieder  zurückgeben  wollen,  haben