Full text : Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst vom 5. Dezember 1916.

14  Einleitung.

durch  die  Ausführungsbestimmungen  ausgegossen  werden
soll.  Daß  sie  sich  streng  in  den  Grenzen  halten  müssen,
die  das  Gesetz  ihnen  zieht,  und  namentlich  nicht  gegen
seinen  Wortlaut  und  Sinn  verstoßen  dürfen,  ist  selbstverständlich.
  Diese  Schranken  sind  aber  absichtlich  nicht
zu  eng  gefügt  und  lassen  den  Verordnungen  zur  Durchführung
  des  Gesetzes  einen  weiten  Spielraum,  eine  Maßnahme,
  die  wohlbegründet  ist.  Denn  das  Gesetz  wandelt
gänzlich  neue  Bahnen,  und  die  Praxis  muß  erst  seiner
Handhabung  die  richtigen  Wege  weisen.  Deshalb  war
es  notwendig.  den  festen  Normen  die  geschmeidige  Ergänzung
  durch  die  Ausführungsbestimmungen  offen  zu  halten,
  die,  ebenso  schnell  geschaffen  wie  außer  Kraft  gesetzt,
in  ihrer  Wandlungsfähigkeit  den  wechselnden  Bedürfnissen
angepaßt  werden  können.  Ihretwegen  jedes  Mal  die  Gesetzgebungsmaschine
  in  Bewegung  zu  setzen,  war  nicht  angängig,
  weil  gerade  hier  schnelles  Handeln  nottut.

Um  seine  Zwecke  zu  verwirklichen,  das  heißt,  alle
Kräfte  nutzbar  zu  machen  und  richtig  zu  verteilen,  sieht  das
Hilfsdienstgesetz  einen  Zwang  nicht  nur  zur  Beschäftigung
  überhaupt,  sondern  auch  zur  Betätigung  nach  einer
bestimmten  Richtung  vor,  die  §  2  angibt.  Es  wendet  sich
dabei  an  alle  arbeitsfähigen  Männer  (8§  1),  läßt  aber  nach
Möglichkeit  Rücksicht  walten  (5  8).  Die  Frauen  erfaßt  es
nicht.  Zwar  wurden  viele  Stimmen  laut,  die  auch  ihre
Einbeziehung  in  den  Hilfsdienst  forderten,  nicht  zum  wenigsten
  aus  der  Frauenwelt  selbst,  jedoch  sprachen  eine
Reihe  Erwägungen  volksgesundheitlicher  und  sittlicher
Natur  dagegen.  Überdies  fehlte  auch  das  Bedürfnis  zu
einer  solchen  Maßregel.  Nach  den  statistischen  Angaben
des  Staatssekretärs  des  Innerns)  kamen  im  Oktober  1916
am  weiblichen  Arbeitsmarkte  auf  100  offene  Stellen  135
Angebote,  während  bei  den  Männern  die  entsprechenden

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5)  Sitzungsbericht  S.  2158.