Friede von Hubertusburg. Wiederherstellung der Provinzen. 381
Provinzen unentgeltlich verteilt, die zerstörten Häuser wurden mit staatlicher
Unterstützung wieder aufgebaut. Sechs Millionen Taler sind im Laufe des
ersten Jahres auf solche Unterstützungen verwendet worden. Es erfüllte den
König mit hoher Befriedigung, daß bei dieser rechtzeitig und energisch ein—
greifenden Fürsorge die Provinzen sich sehr schnell wieder erholten und die
Nachwehen des Krieges bald überwunden waren. Bei alledem hatte er noch
Geld genug, um sofort nach dem Friedensschluß den Bau eines großen Schlosses
bei Potsdam in Angriff zu nehmen: es ist das sogenannte Neue Palais, das
2½ Millionen Taler kostete und dessen Bau und Ausstattung Arbeitsgelegenheit
für Hunderte von müßigen Händen und lohnenden Absatz für die Manufakturen
der Hauptstadt schaffte. Die Münzverwirrung, die während des Krieges ein—
getreten war, wurde schnell beseitigt, indem das schlechte Geld nach festen Um—
rechnungssätzen eingezogen und seit 1764 nur noch gutes Geld nach dem alten
Fuß von 1750 geduldet wurde. Natürlich hatten die Geldbesitzer unter solchen
kaßregeln zu leiden; und mit dieser Schädigung des Geschäftslebens verband
sich eine große und allgemeine Geld= und Handelskrisis, die bald nach dem
Friedeusschluß von Amsterdam und Hamburg ausging und auch Berlin stark
in Mitleidenschaft zog. Unter anderen ist ihr auch der Berliner Kaufmann
Gotzkowsky zum Opfer gefallen, Besitzer einer Porzellan= und einer Seiden-
stoffabrik, ein unternehmender und patriotischer Mann, der bei der russisch-
österreichischen Invasion von 1761 die der Stadt Berlin auferlegte Kontribution
zum großen Teil aus seinen Mitteln und unter Ausnutzung seines Kredits im
Auslande vorgeschossen hatte. Der König hat versucht, ihn zu retten. Er kaufte
ihm die Porzellanfabrik für einen guten Preis ab: es ist die heute noch bestehende
königliche Manufaktur, deren Erzeugnisse sich bald neben denen der sächsischen
Fabrik in Meißen einen Weltruf verschafft haben. Auch sonst wurde Gotzkowsky
mehrfach unterstützt; aber seine Verhältuisse waren durch die verwickelten Geld-
geschäfte, die er gemacht hatte, so zerrüttet, daß ihm nicht mehr zu helfen war.
Er brach bald darauf noch einmal zusammen und kam nicht wieder in die Höhe;
er ist in Dürftigkeit gestorben.
Eben in dieser kritischen Zeit nach dem Kriege ging der König mit großen
Pläuen um, die hinausliefen auf eine großartige Konzentration der Kapitalien
und des Geldverkehrs, auf eine einheitliche und planmäßige Einrichtung von
Handel und Fabrikation unter Leitung und Aufsicht des Staates. Es sind
Pläne, die an die Idee einer staatssozialistischen Organisation des gesamten
Wirtschaftslebens streifen; sie sind nur zum kleinsten Teil verwirklicht worden,
und die ÜUberlieferung davon ist unsicher und lückenhaft. Der König war
dabei hauptsächlich beraten von einem Italiener, Calzabigi aus Livorno, der
von den Behörden wie von den Kaufleuten mit Abneigung und Mißtrauen
betrachtet wurde. Im Mittelpunkt dieser Pläne stand die Begründung einer
Bank nach dem Muster der englischen, an die aller Geldverkehr gebunden sein
sollte; sie sollte einerseits mit der Münze, andererseits mit einer Anzahl großer
monopolistischer Handelskompanien in Zusammenhang gebracht werden, so daß
das gesamte geschäftliche Leben von hier aus übersehen und geleitet werden
konnte; insonderheit auch die industrielle Produktion sollte auf Grund ciner
Bedarfsstatistik planmäßig geregelt und auf die einzelnen Fabrikunternehmun=
gen verteilt werden. Die ganze Volkswirtschaft sollte gewissermaßen wie ein