II.
Die Mark Brandenburg vor den Hohenzollern.
Askanier — Wittelsbacher — Luxemburger.
ie Mark Brandenburg ist aus einem jener zu Schutz und Trutz gerüsteten
Grenzgebiete des Reiches hervorgewachsen, die seit der Zeit Karls des
Großen an der Elbe und Saale gegen die benachbarten slawischen Völker ein-
gerichtet worden waren. Im Zeitalter der sächsischen Kaiser unterschied man elb-
aufwärts die Billungische Mark, die Nordmark des Markgrafen Gero, die Ost-
mark, die man später Mark Lausitz nannte, die Marken Meißen, Zeitz, Merseburg.
Die Nordmark deckt sich in der Hauptsache mit der späteren Mark Brandenburg.
Ihre Basis waren die linkselbischen altdeutschen Gaue, auf die im 11. und
12. Jahrhundert der Name der Nordmark eingeschränkt war und die man später
Altmark naunte. Von diesem Gebiet hatte frühe schon Krieg, Handel und
Mission in die wendischen Nachbarlande hinübergegriffen. Unter Otto dem
Großen waren schon in Havelberg und Brandenburg Bistümer ceingerichtet
worden, die unter dem 968 gegründeten Erzbistum Magdeburg standen; aber der
große Wendenaufstand von 983 hatte die Anfänge christlicher und deutscher Kultur
in dem ostelbischen Gebiete wieder vernichtet; eine dauerhafte staatliche Gründung
ist hier erst im 12. Jahrhundert entstanden, zu der Zeit, wo die große koloniale
Bewegung in Gang kam, die ein neues Deutschland jenseit der Elbe geschaffen hat,
und der nicht nur die Mark Brandenburg selbst, sondern auch alle übrigen Ost-
provinzen des späteren preußischen Staates ihren deutschen Charakter und die
Grundlagen ihres wirtschaftlichen und staatlichen Lebens verdanken.
Diese umfassende Besiedlung flawischer Gebiete im Osten der Elbe ist viel-
leicht die stärkste und gesundeste Leistung der deutschen Volkskraft im Mittelalter,
dauerhafter jedenfalls in ihren Resultaten und ersprießlicher für die Zukunft der
Nation, als die gleichzeitigen Weltherrschaftsbestrebungen der Kaiserpolitik. Die
auf Ausdehnung an der Grenze gerichteten fürstlichen Gewalten haben bei diesem
großen Werke die Führung übernommen; es kam ihnen auf die Nutzbarmachung
neuerworbener kulturloser Gebiete an. Die Bekehrung der Heiden zum Christen-
tum geht selbstverständlich Hand in Hand mit der Kolonisation und begleitet
Schritt für Schritt die Erweiterung des Machtbereichs der politischen Gewalten,
geht ihnen auch wohl voraus und bricht die Bahn. Aber zugrunde liegt doch in
der Hauptsache der gesunde natürliche Ausdehnungstrieb einer kräftigen Rasse, für
die der Nahrungsspielraum im alten Mutterlande zu eng geworden war. Die