Full text : Das Civil-Medizinal-Wesen im Königreiche Bayern. 3. Band. Die Medizinalpolizei (Fortsetzung). (3)

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Behandlung  der  Ertrunkenen.

Ein  Ertrunkener  kann  oft  noch  gerettet  werden,  wenn  er
auch  schon  einige  Stunden  im  Wasser  gelegen  hat.

Nachdem  er  möglich  schnell,  aber  vorsichtig  mit  nach  oben
gehaltenem  Kopfe  aus  dem  Wasser  gezogen  ist,  wobei  alles
Rütteln,  Rollen,  Stürzen  auf  den  Kopf  unterbleiben  muß,
werden  Nasenlöcher  und  Mund  sorgfältig  von  Schlamm  und  Wasser
gereinigt.  Hierauf  wird  er  in  ein  möglichst  nahes  Haus  getragen,
  nicht  gefahren,  und  wenn  nicht  warme  Jahreszeit  die
ersten  Rettungsversuche  unter  freiem  Himmel  im  warmen  Sonnenschein
  gestattet,  in  eine  mäßig  erwärmte  Stube  getragen
und  auf  einen  freistehenden  Tisch  oder  auf  ein  Strohlager  auf
den  Rücken  oder  auf  die  rechte  Seite  hingelegt,  doch  so,  daß
der  Kopf  und  obere  Theil  des  Körpers  höher  als  der  Leib
liegt.  —  Die  Füße  müssen  abwärts  hängen.  Nun  wird  er  sogleich
  entkleidet,  indem  man  die  Kleider  abschneidet  und  den
Körper  genau  wegen  vielleicht  erhaltener  Verletzungen  untersucht
  und  mit  erwärmten,  trockenen,  wollenen  Lappen  abgetrocknet,
  ohne  zu  reiben.

Nebstdem  reinigt  man  nochmals  genauer  Nase,  Mund  und
Rachen  von  dem  darin  liegenden  Schlamme  mit  dem  Finger,
mit  einem  Federbart,  vermittelst  eines  in  lauwarmes  Wasser
getauchten  Schwammes.  Ist  es  möglich,  ihn  in  ein  Bad  zu
bringen  und  dieß  durch  Zugießen  von  warmem  Wasser  in  gleicher
  Temperatur  zu  erhalten,  so  ist  dieß  noch  vortheilhafter.
Nach  demselben,  oder  wenn  ein  Bad  nicht  angewendet  werden
könnte,  wickelt  man  den  ganzen  Körper  in  erwärmte  wollene
Decken  oder  Betten,  legt  ihn  auf  die  rechte  Seite,  umgibt  ihn
rings  mit  eingewickelten  Wärmflaschen,  wobei  jedoch  die  Brust
nicht  beschwert  werden  darf  und  setzt  das  Reiben  an  Händen
und  Füßen  in  der  Richtung  zum  Herzen,  an  der  Herzgrube
und  dem  Rückgrade  fort.  Auch  kann  man  die  Herzgrube  durch
eine  darübergehaltene  in  Flanell  eingehüllte  Wärmpfanne,  sowie
  das  Rückgrad  dadurch  erwärmen,  daß  solch'  eine  Pfanne
ebenso  eingehüllt  über  dasselbe  hin=  und  herbewegt  wird.  Bei
kleinen  Kindern  nützt  die  animalische  Wärme  am  Besten,  indem
  man  sie  neben  einer  erwachsenen  Person  ins  Bett  bringt.
Nun  bläst  ihm  ein  Gehilfe  Luft  ein,  entweder  mittelst  des
Blasebalges,  dessen  Spitze  mit  einem  nassen  Lappen  umwickelt,
in  den  Mund  gebracht  ist,  der  ringsum  zugehalten  wird,  oder