4. Erhebung Preußens zur Großmacht durch Friedrich den Großen. 139
Friedrich konnte jetzt seine ganze Kraft gegen die sterreicher und Reichstruppen
wenden. Er ließ seinen Bruder Heinrich in Sachsen, während er selber
nach Schlesien ging, um vor allem Schweidnitz wieder zu erobern. Aber die
Festung hatte eine starke Besatzung; dazu deckte Daun sie mit einem dem
preußischen überlegenen Heere, das er auf den Bergen bei Reichenbach hinter
starken Verschanzungen aufgestellt hatte. Alle Versuche, ihn hervorzulocken,
blieben erfolglos; da entschloß sich der König zum Angriff. Schon war alles
zur Schlacht vorbereitet, als Tschernitschew die Nachricht erhielt, Peter III.
sei von seiner Gemahlin Katharina entthront, und diese befehle ihm, sofort
das preußische Heer zu verlassen. Friedrich wußte den russischen Feldherrn
indes zu überreden, den Befehl noch drei Tage zu verheimlichen und mit
seinem Heere der bevorstehenden Schlacht, wenn auch nur als Zuschauer, beizuwohnen,
um dadurch einen Teil des österreichischen Heeres in Schach zu
halten. Dann befahl er den sofortigen Angriff. Den Schlüssel der feindlichen
Stellung bildeten die Höhen von Burkersdorf. „Heute muß es biegen oder
brechen!“ rief der König, und so ging es auch. Weder die steilen Abhänge,
noch die Verschanzungen, noch auch die feindlichen Kanonen vermochten die
Preußen zurückzuhalten. In vier Stunden war der Kampf entschieden; Daun
rückte ab und verlor damit seine Verbindung mit Schweidnitz. Die Russen
verließen Schlesien und zogen sich völlig vom Kriege zurück. Friedrich belagerte
Schweidnitz; doch gewann er die tapfer verteidigte Festung erst im Oktober.
Damit hatte er Schlesien bis auf die Grafschaft Glatz und einen Teil Oberschlesiens
wieder in seiner Gewalt. In demselben Monate gewann Prinz Heinrich
1762 über die Österreicher und Reichstruppen bei Freiberg in Sachsen den
letzten Sieg in diesem Kriege. Bald nachher kam Friedrich selber nach Sachsen,
das nun bis auf Dresden vom Feinde gesäubert ward. Dann sandte er, um
die kleinen deutschen Fürsten zu zwingen, vom Kriege zurückzutreten, 10 000
Mann ins Reich. Sie brachen verheerend in Franken ein und erhoben überall.
schwere Kriegssteuern, besetzten sogar Bamberg und Nürnberg und jagten dem
Regensburger Reichstag einen gewaltigen Schrecken ein. Im Westen hatte
Ferdinand von Braunschweig gleichfalls glücklich gefochten und die Franzosen
aus Hessen verdrängt.
Da die Franzosen den Seekrieg gegen England ebenfalls unglücklich geführt
hatten, schlossen sie (3. November 1762) mit England den Vertrag
zu Fontainebleau; beide Staaten gaben damit den Krieg in Deutschland auf.
Getrosten Mutes sah Friedrich nun in die Zukunft: hatte er es jetzt doch mit
Osterreich allein zu thun. Er rüstete eifrig, nahm einen Teil der aufgelösten
Armee Ferdinands in Dienst und stand so Maria Theresia furchtbarer gegenüber
denn je. Deshalb entschloß diese sich zum Frieden. Nach kurzer Verhandlung
zwischen den Bevollmächtigten Preußens, Osterreichs und Sachsens auf dem
sächsischen Jagdschlosse Hubertusburg (zwischen Meißen und Leipzig) wurde am
15. Februar 1763 der Hubertusburger Friede unterzeichnet. Man ging
einfach auf den Zustand vor dem Kriege zurück; ferner versprach Friedrich,
bei der nächsten Kaiserwahl dem Sohne Maria Theresias, Erzherzog Joseph,
seine Stimme zu geben.
Vor seiner Rückkehr nach Berlin schrieb der König: „Jeder gute Bürger