Full text : Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation. Band 36. Sechste Abtheilung: Die kleinen deutschen Höfe. Zweiter Theil. (36_6_2)

278

bestand  ihrer  alten  „glücklichsten“  Verfassung.  Diese
Unterlassungssünde  einer  rechtzeitigen  Reform  ist  Mecklenburg
  bis  auf  den  heutigen  Tag  sehr  schwer  zu  stehen
  gekommen.  Man  kann  gar  nicht  sagen,  daß
Friedrich  Franz  diese  Reform  zu  des  Landes  Nutzen
unterlassen  habe,  er  unterließ  sie  nur  aus  Eigennutz:
er  brauchte  viel  Geld,  die  Stände  bewilligten  viel
Geld,  er  ließ  die  Dinge  gehen,  wie  sie  gingen.  Es
wird  eine  charakteristische  Anecdote  erzählt:  Der  Herzog
haite  einst  in  Doberan  sein  Janzes  Geld  bei  der  Spielbank
  verloren,  er  sprach  einen  reichen  Töpfer  aus  Rostock
um  einen  Vorschuß  an.  Der  Töpfer  entschuldigte  sich,
daß  er  in  ganz  gleichem  Falle  sei,  wie  der  Herzog,  auch
er  habe  sein  ganzes  Geld  verloren.  „Was  sollen  wir
anfangen?"  fragte  treuherzig  der  Herzeg.  „Was  sollen
wir  anfangen“,  erwiederte  noch  treuherziger  der  Töpfer,
„ich  gebe  nach  Rostock  und  mache  neue  Töpfe  und  Sie
machen  eine  neue  Steuer.“

Ungerner,  als  Friedrich  Franz  hatte  schwerlich
einer  der  Rheinbundfürsten  dem  großen  Imperator  sein
Contingent  gegen  Rußland  gestellt*").  Mit  Freuden

*.)  Die  höchst  komische  Anerdote,  wie  die  treuherzigen
Mecklenburger  den  großen  Imperator  salutirten,  die  im  Jahrbuche
  für  Mecklenburg  für  1816  sieht,  muß  ich  doch  auch  in
einer  Note  beiläufig  erwähnen.  .  Der  Commandirende,  Genecral
  Fallois  war  in  größter  Verlegenheit,  wie  er  das  machen
  solle,  bei  der  Revuc  die  Leute:  vive  l'empereur!  rufen
zu  machen.  Der  damalige  Lieutenant,  spätere  Major  Tarnow
  half  aus  der  Noth.  „Kinder“,  sagte  er  zu  semen  Leuten
  in  plattdeutschem  Idiome,  „ihr  kennt  doch  ein  altes