735 Mann.
kunft, Aussehen, Charakter u. s. w. bestimmenden Beisätzen:
alte, junge, krüstige, rustige, grosze, starke,
dickc, bejabrte, graue, greise männer; ein armer,
reicher, guter, frommer wann; ein toter, dafür verhüllend
anch ein stiller mann; etliche ebaldeische
menner Dan. 3, 8; jr menner von Israel Ap. Gesch.
2, 22; ein junger mann in heutiger höflicher Spr. auch
der mehr herangewachsene Knabe, z. B. Lehrling eines
Geschäfts; der schwarze mann im Kindermunde, schwarz
gekleideter oder -gefärbter Mann als Schreckgestalt (vgl.
dazu auch unter 8); mann von einsicht, kenntnis, geschmack,
u. s. w.; mann von herz Seume Ged. 173;
in gehobener Spr. mit Gen. der Zugehörigkeit: Mose
der man gottes 5. Mos. 33, 1; ich bin der mann der
bleichen fureht nicht Schiller Räub. 4, 5; ein mann
des volks; dafür in Zusammensetzungen gottes-, volks-,
welt-, friedens., jammermann u. a.; Beruf oder Stand
angebend: handwerks-, kauf-, schul-, sce-mann u. a.;
Partei bezeichnend: fortschritts-, rückschrittsmann; —
in besonderen Wendungen: der rechte mann, der sich
für etwas schickt oder den man eben braucht; auch: das
ist mein mann!; er ists! er ists! wir haben unsern
mann Wieland Ob. 5, 14; auch von dem man eben
redet: ich sche unsern mann dort eben kommen Schiller
Picc. 1,1; in allgemeinster Beziehung auf einen vorher
Genannten: ich glaube, der mann ist ein verschwender
Lessing Minna 2, 1; in der Anrede: unglücklicher
mann, wenn Sie gar nichts lieben! 2, 9; im Sprichworte:
wie der mann, so brät man ihm die wurst;
von Gott, besouders in der Redensart: den licben gott
einen guten mann sein lassen; von Christus: es streit
für uns der rechte man . . Ihesus Christ Luther
8, 364b. 3) mann in hervorragendem Sinne, mit Betonung
seines Mutes, seiner Tapferkeit, Stärke: ein
mann scin; sei getrost und sei ein man 1. Kön. 2, 2;
das kann ich ench sagen: er ist ein mann Wildenbruch
Generalfeldob. 3, 2; ein wabrer, rechter, ganzer
mann; herausz, bist mans werd! Garg. 177; auch
manns genug: ein christen ist allcin ein solcher man,
der auch dem teufel und alle seinen engeln mans gnug
ist Luther 6, 241b; bin ich nicht manns genug, ihr
einmal alles zu ersctzen? Lessing Minna 5, 3; formelhaft
auch von mehreren: die sind manns genug, mit
ihnen fertig zu wercken Freytag Handschr. 1, 63; selbst
von einem tapfern Mädchen: zu sehn, ob diese mädchenseele
manns genug wohl ist, den entschlusz zu
fassen Lessing Nath. 5, 5; mann wozu, wofür sein;
du bist noch nicht der mann, den teufel fostzuhalten
Goethe Fanst I; ich bin mann dafür, dasz man ihn
(den Frieden) halte Schiller Demetr. 1, 158; du bist
nicht der mann darnach Stieler 1232; auch: das:
er der mann nicht war, mit dem man ganz gerade
handeln konnte Goethe W. Meister 6; — sich als
mann zeigen, als mann dastchen u. a.; er hält sich
als ein mann Stieler; sparte or kein geld, die alleredelste
ingenia an sich zu ziehen, und die action, die
atlaire machten sic zu männern Schuppius 34;
die künftigen zeiten brauchen anch mönner Gocthe
Götz 1; er soll an mir seinen mann sinden, den Stand
halteuden Gegner; seinen mann stehen, seinen mann
gefunden haben, der einem gewachsen ist; sprichwörtlich:
selbst ist der mann; mit Betonung der Zuverlässigkeit:
ein mann, ein wort; bei Bürgschaft: ich will mann
davor sein Stieler. 4) mann, mit Hervorhebung
seiner Streitbarkeit, auch streitbarer mann (Jos. 1, 14);
daher Einzelner einer Kriegerschar oder eines Heeres,
der Sing. zusammenfassend bei Zahlbestimmungen: das
regiment zu dreitausend mann, ein heer von fünfeigtausend
mann; der Plur. bei Hervorhebung der Einzelnen,
namentlich nach ihrem Wert: da macht sich
David auf sampt seinen mennern, der bei sechs hundert
Waren 1. Sam. 23, 5; in Formelu: wie cin mann aus-736
zichen (1. Sam. 11, 7), streiten, kämpfen; für éinen
mann stehen; mann gegen mann streiten Maaler;
wir folgten alle, mann vor mann Gleim 4, 19; bis
auf den letzten mann streiten, auch den letzten mann
nicht schonen; wunden an seinem leib, alle vor dem
man, keine zü ruck (vorn, nicht hinten) Eppendorff
Plin. 20; ross und mann, der berittene Krieger und sein
Pferd; man und ross hat er ins meer gestürzt 2. Mos.
15, 21; 2ogen ross und mann Schiller 1, 345; —
mann, Stellvertreter eines Kriegspflichtigen: einen mann
stellen, wann man selbst nicht in den krieg kan Frisch.
5) in der alten Spr. man — Lehnsmann, Vasall: do
jach Sifrit, er wore des küneges man Nib. 764; in der
neueren Spr. wieder aufgefrischt, in dem weiteren Sinne
des ritterlichen Dienstmanns: wo hat mit seinem herrn
ein mann es je gemeint wie dieser mann? Wieland
Ob. 7,7; hier mit dem Plur. mannen: schickt zu seinen
mannen allen in dem lande Schweiz Schiller Ritter
Toggenburg; da brannten ritter und mannen von hohem
muth Uhland 351. 6) mann im Rechts= und politischen
Leben; in der älteren Spr. Bürger einer Gemeinde,
dem Gebietsherrn gegenüber: die menner und
gemeindt Weist. 3, 894; beim Prozeß — Partei: eines
mannes rede ist keine rede: man soll sie billig hören
beecke Simrock 364. 7) mann, mit Betonung des
Geschlechtslebens: töchter, die haben noch kecinen man
erkennet 1. Mos. 19, 8; — besonders — Ehemann: man
des weibs, mariti#s Voc. 15. Ih.; der starke Sifrit was
ir (der Kriemhilt) man Nib. 1084; mann und fran (weid,
ehefrau, eheweib); mein mann, im Munde der Frau,
titelhaft mein scliger mann (mein mann selig); einen
mann (einen zum manne) nehmen, haben; gebt ewrn
töchtern menner Jer. 29, 6; wenn sich ein man von
seinem woibe scheiden lesset 3, 1; als Gebieter im
Hauswesen: ja, wen mein fraw zu bad ist aus, so
bin ich die weil herr und man H Sachs Fastn. Sp.
1, 150. 8) in besonderen Anwendungen; zur Bezeichnung
geisterartiger Gestalten: die kleinen mänuer,
Zwerge; wilde männer zauberhafte Waldwesen, bildlich
als Wappenhalter verwendet; der schwarze mann, spukhafte
Schreckgestalt; der mann im monde; in dichterischer
Rede von Tieren: der mann der herde (vom Widder)
Hagedorn Od.ö, 10; streitend mit dem widerball
sang der mann der nachtigall Gleim 3, 398; im Bergbau
alter mann, abgebaute, mit Gesteinsmassen ansgesetzte
oder eingestürzte Räume in der Grube, im alten
mann bauen, solche Bergwerke bearbeiten; mann an
mann stellen, bei der Thürstockzimmerung die Thürstöcke
dicht an einander setzen; bei den Jägern voller mann.
Fährte des Hirsches, die da anzeigt, daß er vollkommen
ausgewachsen ist; in der Wirtschaft armer mann, Essen
aus altbackenem, in Butter geröstctem Brot, bei den
Müllern aber Nebenloch im Laufe des Bodensteins, wodurch
den Mahlgästen heimlich Mehl entzogen wird.
9) Diminutiv in älterer und jetzt noch in altertümelnder
oder feierlicher Rede münnlein, soust männchen, mit
dem Plur. die münnchen, anch männerchen: kleine,
artige, geputzte münnerchen Weiße kom. Op. 1, 62;
in eigentlicher Bed., hier oft mit spöttelndem oder verächtlichem
Beisinne: ein altes, magers, buckelts männel
Simpl. 4, 23; ein kl. ines, durres münnchen mit spitzigem
gesicht Hauff 6, 11; von einer Schnitzfigur: ein hölzern
münnlein Uhland 137; schmeichelnd vom Ehemann:
will mein münnchen noch thee? Voß Idyll. 13, 26;
in einer Redensart der älteren Spr.: güt männlin
sein, schlemmen, eongraecari Maaler; ich will mit
im zechen und guts männlin sein Galmy 65; von
geisterhaften Wesen: die kleinen männchen, erdmänn--ehen,
Kobolde, Zwerge; kleine männlein bewahren die
schütge Grimm deutsche Sagen 1, Nr. 271 — vom
Menschen, nur nach seinem Geschlechte: (Gott) schuf sie
(die Menschen) ein menlin und ein frewlin 1. Mos. 1, 27;
Mann.