116 Die deutsche Gewerbenoth in der Bismarck’schen Ära.
und wurde die Aussicht eröffnet, dass man in 25 Jahren die
jetzt abgefassten Schrifistücke im Zustande der Verwesung aus
den Archiven mit dem Besen wird Iinausfegen können.
Es wird Einem weich und weh ums Herz, weım man eine
der „National- Zeitung“ vom 3. December 1877 zugegangene
Reclame der königlichen Porcellanmanufactur liest. Dieses
süssliche, nichts als kleinliche Spielereien aufzählende Schriftstück
hoffte wahrscheinlich die Angriffe des Abgeordnetenhauses auf
ihren Etat zu entwaffnen, indem es auf den Tisch alle die
Neuigkeiten aufbante, mit denen die Manufactur die bevorstehende
Weihnachtsmesse überraschen wollte. Da wimmelt es von Eierbecherehen,
Winzigkeiten, „an denen auch das kleinste Beiwerk
nicht vergessen ist,“ Salz- und Pfeffergefässchen, Männlein und
Fräulein durch einander, „die im Sitzen je einen Senfbehälter
im Schoosse halten.“
Das in winzigen Nippessachen sich verlierende Schriftstück
rückt dann mit der grossen That hervor, dass die Manufactur
im „Souterrain die alten Schätze und die Hinterlassenschaft
‚der Vergangenheit wieder aufzusuchen anfängt.“ Wie geht
Eineın aber das Herz wieder auf, wenn man in den schönen
Briefen Julius Lessing’s über die Pariser Weltausstellung, z. B.
in der Nummer der „National-Zeitung“ vom 10. August 1878
liest, wie diese leichtsinnigen Franzosen die künstlerische
IHinterlassenschaftihrer Vorzeit bearbeiten und die damalige
Ausstellung mit Meisterwerken der Fortbildung ihrer früheren
nationalen Fayence-Malerci ausgeschmückt haben.
Julius Lessing erinnert bei dieser Gelegenheit daran, wie
man sich vor zelın Jahren eben dort im Nassauischen, wo vor
Jahrhunderten die Fabrikation von buntfarbigen Steingutkrügen
blühte, in der Nachbildung derselben versuchte und sein Glück
machte, aber statt das Alte zu neuen Formen umzubilden,
selbst die Nachbildung nach modern-deutscher Sitte bald wieder
zu einem werthlosen Fabrikat herabsinken liess.
Jene überaus lehrreiche Reclame für eine königliche Anstalt
in Berlin erinnert daran, wie während der Blüthe der Poreellanmanufaktur
im vorigen Jahrhundert die neu errichteten deutschen
Werkstätten „die ersten Künstler, Modelleure und Maler“ beschäftigten,
deutet also damit an, dass dergleichen jetzt nicht
geschieht, oline die Aussicht zu eröffnen, dass dem Lieblingsgegenstand
der parlamentarischen Plänkler durch eine solche