Full text : Deutsches Kolonialblatt. XI. Jahrgang, 1900. (11)

hinderten,  und  eine  Anlegebrücke  gebaut,  auf  der  eben
allerhand  Material,  das  unser  Schiff  von  Europa
mitgebracht  hatte,  ausgeladen  wurde:  Kisten  mit
Cement,  Baum=  und  Bandsägen,  Wasserfilter,  Wellblech
  und  dergleichen.  Hundert  Schritte  weiter  erheben
  sich  an  den  Ufern  eines  über  Stock  und  Stein
sprudelnden  Gebirgsbaches  im  Schatten  großer  Urwaldbäume
  einige  Hütten  und  Flugdächer  mit  einem
größeren,  auf  Pfählen  ruhenden  Gebäude,  der  Sitz
der  Mission.  Jeder  Pseiler,  jeder  Ballken  —  und
es  bedurfte  deren  mehrere  Hunderte  —  wurde  an
Ort  und  Stelle  von  den  rastlos  thätigen  Männern
selbst  geschlagen  und  gezimmert.  Ich  kam  aus  dem
Erstaunen  nicht  heraus.  Mit  großem  Geschick  und
Erfindungsgeist  wurden  die  gefällten  Baumstämme
nach  einer  tiesen  Rinne  zwischen  den  Korallenriffen
geschleist,  welche  für  die  Sägearbeit  wie  geschaffen
ist,  und  hier  ist  die  Zimmerwerkstätte  für  die  im  Bau
begriffene  Kirche  und  die  eigentlichen  Missionshäuser,
Schule,  Schlafräume  für  die  Kinder  und  dergleichen.
Mit  uns  war  ein  Bruder  aus  der  Mission  von
Berlinhafen  hierhergekommen,  um  die  Cementböden
für  diese  neuen  Gebäude  zu  legen.

Neben  ihrer  aufreibenden  Bauthätigkeit  widmen
sich  die  Missionare  doch  auch  gewissenhaft  dem
Studium  der  hier  gesprochenen  Papuasprachen,  täglich
  besuchen  sie  ein  anderes  Dorf,  und  sie  haben
sich  durch  ihre  Güte  und  Herzlichkeit,  durch  guten
Nath  und  gute  That  die  wilden  Eingeborenen  so  zu
Freunden  gemacht,  daß  sie  ruhig  schlafen  können.
Ich  war  selbst  Zeuge,  mit  welch  aufrichtiger  Achtung
und  Freundlichkeit  die  schwarzen  nackten  Leutchen
P.  Vormann  begrüßten,  als  er  mich  in  die  Dörfer
begleitete.  Er  hat  ihr  Zutrauen  gewonnen,  und  ist
erst  die  Kirche  gebaut,  dann  wird  es  auch  an  Kirchgängern
  nicht  fehlen.“

RAus  fremden  Kolonien.

Befähigungsnachweis  für  Schisser  und  Steuerleute.

Die  Navigation  Amendment  Act  1899  für
Neu-Süd-Wales  bestimmt  in  Artikel  22,  daß  kein
Schiff  auf  großer  Fahrt  einen  Hafen  von  Neu-Süd-Wales
  verlassen  darf,  wenn  nicht  Schiffer  und
Steuermann  bezügliche  Befähigungszeugnisse  besitzen.

Grenzfestsetzung  zwischen  Frankreich  und  Spanien.

Ein  kürzlich  zwischen  Frankreich  und  Spanien
geschlossener  Vertrag  setzt  Zeitungen  zufolge  in  Gabun
den  9.  Grad  östl.  Länge  und  im  Süden  den  Muni
als  Grenze  zwischen  den  beiderseitigen  Besitzungen
fest.  Im  Saharagebiet  behält  Spanien  die  Küste
zwischen  Kap  Blanc  und  Kap  Bojador  und  Frankreich
  erhält  das  Innere,  insbesondere  die  Oasen  von
Adrar  und  die  Sebkha  d  IJdjil.

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Berggesetz  für  Britisch=  neu  Guinea.

Unter  dem  31.  Oktober  1899  ist  für  Britisch-Neu-Guinea
  ein  Berggesetz  ergangen,  welches  im
Wesentlichen  dem  für  QOucensland  bestehenden  Gesetz
von  1898  entspricht.

Telegraphenlinien  in  Dabomey.

Die  Hauptlinie  geht  von  Porto  Novo  an  der
Küste  nach  Carnotville,  Kuande,  Diapaga,  Fada
Ngurma  und  Wagadugu.  An  diese  etwa  1000  km
lange  Linie  ist  nun  von  Diapaga  aus  eine  Strecke
von  400  km  angeschlossen  worden,  die  über  Botu
nach  Say  führt.  Einc  im  vorigen  Jahre  eröffnete
Zweiglinie  von  ebensalls  rund  400  km  geht  von
Carnotville  über  Paraku,  Nikli  und  Kandi  nach
Madecali:  letzterer  Ort  liegt  etwa  200  km  stromabwärts
  von  Say.

Englisches  Protektorat  über  die  Tongainseln.

Das  englische  Protektorat  über  die  Tongainseln
ist  dort  am  19.  Mai  d.  Is.  proklamirt  worden.

DPerschiedene  Wikkheilungen.

vorlesungen  am  Heminar  für  orientalische  Sprachen.

Im  Sommerhalbjahr  1900  sind  die  Vorlesungen
über  Gegenstände  von  kolonialem  Interesse  folgendermaßen
  besucht.  Es  gehören  20  Personen  der  Klasse
für  Suaheli  an,  20  derjenigen  für  Arabisch,  acht
derjenigen  für  andere  Kolonialsprachen.  Die  Vorlesungen
  über  wissenschaftliche  Beobachtungen  auf
Reisen  werden  von  vier,  die  über  Tropenhygiene  von
vierzehn,  über  tropische  Nutzpflanzen  von  zehn,  über
Landeskunde  von  Deutsch-Ostafrika  von  18  und  über
Landeskunde  der  deutschen  westafrikanischen  Schutzgebiete
  von  vier  besucht.

Deutscher  Frauenverein  für  Rrankenpflege  in  den
Rolonien.

Der  Frauenverein  für  Krankenpflege  in  den  Kolonien
  hat  im  Jahre  1899  Einnahmen  in  Höhe  von
284  306,29  Mark  gehabt.  Die  Summe  der  Einnahmen
  und  des  Vereinsvermögens  belief  sich  auf
385  195,01  Mark.  Die  Ausgaben  betrugen
38  391,20  Mark.  Der  Vermögensbestand  am
31.  Dezember  1899  war  346  805,81  Mark.  Für
1900  rechnet  man  auf  Einnahmen  in  Höhe  von
246  358,50  Mark  und  Ausgaben  von  46  710  Mark,
so  daß  das  Vereinsvermögen  Ende  1900  betragen
würde:  546  422,31  Mark.