Full text : Die Reichsverfassungsurkunde vom 16. April 1871.

136  Gesetz,  betreffend  die  Verfassung  des  deutschen  Reichs.  Art.  53.

schließlich  des  Maschinenpersonals  und  der  Schiffshandwerker,  ist
vom  Dienste  im  Landheere  befreit,  dagegen  zum  Dienste  in  der
Kaiserlichen³)  Marine  verpflichtet.

Die  Vertheilung  des  Ersatzbedarfes  findet  nach  Maßgabe  der
vorhandenen  seemännischen  Bevölkerung  statt⁴).  und  die  hiernach
von  jedem  Staate  gestellte  Quote  kommt  auf  die  Gestellung
zum  Landheere  in  Abrechnung.

1.  Da  die  Kriegsmarine  eine  Reichsanstalt  ist  und  in  verschiedenen
Beziehungen  sowohl  im  Kriege  als  im  Frieden,  namentlich  als  Schutzwehr
  des  deutschen  Handels,  dem  ganzen  Reiche  zu  Gute  kommt,  so
ist  klar,  daß  auch  die  süddeutschen  Staaten  zu  den  Kosten  der  Marine
beitragen.

2.  Die  Verpflichtung  zum  Dienste  in  der  Marine  ist  im  Gesetze,
die  Verpflichtung  zum  Kriegsdienste  betr.  vom  9.  November  1867  und
den  auf  Grund  des  §  19  dieses  Gesetzes  ergangenen  Verordnungen,  in
specie  der  Militärersatzinstruktion  vom  26.  März  1868  näher  geregelt.
Nach  §  3  jenes  Gesetzes  wird  die  Marine  in  die  Flotte  und  die  Seewehr
  eingetheilt.  Die  Flotte  ist,  wie  das  stehende  Heer  (nach  §  3  und
13  des  Ges.)  beständig  zum  Kriege  bereit;  die  Seewehr  ist  zur  Unterstützung
  der  Flotte  bestimmt.  Die  Dienstzeit  in  der  Flotte  ist  im  Wesentlichen
  die  nemliche  wie  im  stehenden  Heere,  nemlich  7  Jahre;  die  Verpflichtung
  zum  Dienste  in  der  Seewehr  ist  von  fünfjähriger  Dauer  (s.  §  6

7  des  Ges.).  Nach  §  13  Ziff.  3  des  Kriegsdienstgesetzes  kann  die
Dienstzeit  in  der  aktiven  Marine  für  Seeleute  von  Beruf  und  für  das
Maschinenpersonal  in  Berücksichtigung  ihrer  technischen  Vorbildung  und
nach  Maaßgabe  ihrer  Ausbildung  für  den  Dienst  auf  der  Kriegsflotte
bis  auf  eine  einjährige  aktive  Dienstzeit  verkürzt  werden.  Zum  Dienste
in  der  Marine  werden  auch  Freiwillige  zugelassen.

3.  Ueber  den  Ausdruck  „Kaiserliche  Marine“  statt  dessen  von  einer
Seite  im  Reichstage  der  Ausdruck  „Reichsmarine“  beantragt  wurde,  bemerkte
  der  bayr.  Bundesrathsbevollmächtigte  Staatsminister  v.  Lutz:  „Eine
sachliche  Aenderung  war  mit  der  Wahl  des  Wortes  „kaiserliche  Marine“
nicht  beabsichtigt.  Wenn  gleichwohl  an  Stelle  des  früheren  Ausdrucks
nicht  der  Ausdruck  „Reichsmarine“  gewählt  ist,  sondern  eine  Fassung
beliebt  wurde,  welche  mehr  persönliche  Beziehungen  zum  Reichsoberhaupte
andeutet,  so  hat  dieß  seinen  Grund  in  den  seemännischen  Traditionen,
welche  ich  des  Näheren  auseinanderzusetzen  wohl  nicht  genügende  Veranlassung
  habe.  "  (Sten.  Ber.  1871  S.  57).

4.  Zur  Gestellung  des  nicht  aus  der  seemännischen  Bevölkerung  zu
entnehmenden  Ersatzes  der  Marine  sind  die  Bezirke  des  1.,  2.,  9.  und
10.  Armeekorps,  eventuell  jedoch  alle  Ergänzungsbezirke  des  Bundes  (mit
            
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