Full text: Deutsches Kolonialblatt. XVII. Jahrgang, 1906. (17)

schen Lehrexin, Fräulein Hanna Blumhardt, steht, 
neben der eine chinesische Lehrerin sowie Frau Pfarrer 
Schũler Unterricht erteilen. Das Lehrziel umschließt 
elne Ausbildung im chinesischen Schreiben und Lesen, 
soweit sie für den Hausgebrauch nötig ist, auch sollen 
die Schũlerinnen eine genũgende Kenntnis der chine- 
sischen Literatur erlangen. Daneben tritt Unterricht 
in der deutschen Sprache, Rechnen, Geographie und 
den übrigen Fächern, die an einer deutschen Mädchen- 
schule gelehrt werden, auch Musik und Zeichnen. 
Neben dem theoretischen Unterricht soll eine Ein- 
führung in den Haushalt gegeben werden, ebenso 
Anweisung zum Nähen, Sticken und anderen Hand- 
fertigkeiten. Christlich-religiöse Unterwelsung wird 
in täglichen Morgenandachten und Sonntagsgottes- 
diensten sowie in besonderen Religionsstunden ertellt. 
Das junge Unternehmen ist recht vielversprechend, 
da gerade gegenwärtig, dem Beispiel der Kaiserin 
folgend, sehr viele Frauen sich für eine höhere 
Bildung interessieren. 
Die amerikanische Presbyterianer-Mis- 
sion, deren Wirksamkeit in Schantung schon weiter 
zurückreicht als die der beiden genannten Missions- 
gesellschaften, hat Tsingtau und Umgegend nur schwach 
besetzt. Immerhin verfügt sie in diesem Teil ihres 
Arbeitsfeldes über 28 Knabenschulen mit 240 Schü- 
lern und sechs Mädchenschulen mit 96 Schülerinnen. 
Ihr Internat in Ta Hsin Tan wird jährlich leistungs- 
fähiger. Das Missionspersonal besteht aus Missionar 
Davies, Fräulein Louise Vaughan und 831 chine- 
sischen Lehrern. 
  
Aus fremden Rolonien und 
Produhktionsgebieken. 
Bericht des Rolonialbeirats in Tondon über das 
materielle Eingebovenenstrafrecht in englischen Rolonien 
in Afrika und der Südsee. 
Das materielle Eingeborenenstrafrecht in den 
englischen Kolonien in Afrila und der Südsee ist 
verschieden geregelt. In manchen Kolonien, wie 
z. B. in Gambia, hat überhaupt keine Kodifikation 
des Strafrechts stattgefunden. Es gilt dort für 
Weiße und Eingeborene das englische Strafrecht — 
Common Law und statutarisches Recht — und da- 
neben für die Eingeborenen die in einzelnen Ver- 
ordnungen enthaltenen, auf sie bezüglichen Sonder- 
bestimmungen sowie in beschränktem Umfange das 
Eingeborenen-Gewohnheitsrecht. In anderen Ko- 
lonien, wie in der Goldküsten-Kolonie, ist eine Kodi- 
fizierung des Strafrechts in einem für Europüer wie 
für Farbige geltenden Strafgesetzbuch (Criminal 
Code) erfolgt, daneben gelten einzelne Sondervor- 
schriften für die Eingeborenen und in beschränktem 
Umfange die Rechtsgewohnhelten der letzteren. In 
anderen Gebieten sind die Strafgesetzbücher älterer 
englischer Besitzungen adoptiert. So gelten in den 
ostafrikanischen Protektoraten der indische „Penal 
  
165 — 
Code“ und. die in einigen anderen indischen Gesetzen 
enthaltenen Strafvorschriften für Weiße und Ein- 
geborene, in Britisch-Neu-Guinen der „Criminal 
Code“ von Queensland. Endlich gibt es für ein- 
zelne Gebiete, und zwar für einen Tell der Kap- 
kolonie und für Natal, mit Ausnahme des Zulu- 
landes, umfassendere Kodifikationen des Eingeborenen- 
strafrechts. Auch in den zuletzt aufgeführten 
Kolonialgebieten gibt es außer den Bestimmungen 
der „Codes“ Strafvorschriften für die Eingeborenen 
in sonstigen Gesetzen bzw. Verordnungen und ist die 
subsidiäre Geltung des Eingeborenen-Gewohnheits- 
rechts in beschränktem Umfang zugelassen. 
In den Kolonien, welche kein Strafgesetzbuch be- 
sitzen, sind bisweilen strafgesetzliche Bestimmungen 
über einzelne Materien des Strafrechts erlassen. So 
ist z. B. in Fijl durch eine Verordnung vom Jahre 
1889 eine erschöpfende Regelung der Bestrafung von 
Sittlichkeitsvergehen erfolgt. Auch sind in den in 
manchen Kolonien von einem besonderen Komitee für 
Eingeborenenangelegenheiten erlassenen Elngeborenen- 
vorschristen (Native Regulations) vielfach Bestim- 
mungen strafrechtlicher Natur enthalten. 
Dem Strafrecht angehörige Sondervorschriften 
finden sich vielfach für einzelne Klassen von Ein- 
geborenen. So enthalten die auf die farbigen Mi- 
litär= und Polizeltruppen bezüglichen Verordnungen 
regelmäßig mehr oder minder ausführliche Straf- 
bestimmungen, besonders über Verbrechen und Ver- 
gehen militärischer Natur, wie Meuterel, Insub- 
ordination u. dgl. Ferner sind die im Gouvernements- 
dienst stehenden Eingeborenen bisweilen von der 
Aburteilung durch die Eingeborenengerichte und 
damit in den Kolonien mit kodifiziertem Strafrecht 
auch von der Bestrafung nach Eingeborenenrecht 
ausgenommen. S. z. B. Nr. 4 der „Criminal Code 
Proclamation, 1904“ und Nr. 6 der „Native Courts 
Proclamation, 1900“ des Proteltorats Nord-Nigeria. 
Nachstehend sei ein Überblick über das in 
einigen Kolonien und Protektoraten für die 
Eingeborenen geltende Strafrecht gegeben. 
Westafrika 
Gambla, Lagos und Süd-Nigeria besitzen 
kein Strafgesetzbuch. Es gibt einzelne auf die Ein- 
geborenen bezügliche Vorschriften. Z. B. find durch 
die „Supreme Court Ordinance 1889“ von Gambia 
Mohammedaner von der Anwendung gewisser Be- 
stimmungen des englischen Strafrechts ausgenommen. 
Die in Gambia gültige „Criminal Law Ordinance 
1855“, in Sierra Leone erlassen, stellt betrügerische 
Handlungen farbiger Unterhändler unter Strafe. 
Das Eingeborenenstrafrecht, d. h. das Gewohnheits- 
recht der Eingeborenen, ist in diesen Kolonien ähn- 
lich wie in den weiter unten ausführlicher erörterten 
westafrikanischen Kolonlalgebieten anwendbar. 
Das Protektorat Nord-Nigeria besitzt eln ganz 
modernes Strafgesetzbuch, den durch die „Criminal 
Code Proclamation, 1904“ zum Gesetz erklärten 
 
	        
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