Volltext : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

910  Schwaben  u.  Neuburg.

festen  Bestandtheile  ein  unfruchtbarer  Boden  zurückbleibt,  da  für  Erhaltung
der  Bodenkraft  —  durch  Düngung  und  Zufuhr  mineralischer  Bestandtheile
so  gut  wie  nichts  geschieht.

Das  Vieh  gehört  auch  hier  der  rothen  Race  an,  ist  klein  und  schwächlich,
  und  zeigt  magere  und  spitze  Formen.  Die  herrschende  Gewohnheit,
dasselbe  auf  die  unfruchtbaren  Haiden  während  der  besseren  Jahreszeit  zu
treiben,  wo  es  Hunger  leidet  und  von  Ungeziefer  geplagt  wird,  hindert  jede
Verbesserung  in  der  Züchtung,  und  der  Nutzen,  der  daraus  gezogen  wird,
bleibt  ein  kleiner.

Prittes  Kapitel.
Das  Donanthal.

Wo  die  Donau  Bayern  betritt  und  mit  der  Iller  einen  Winkel  bildet
ist  ihr  rechtes  Ufer  sehr  nieder  und  flach.  Es  ist  das  Ulmer  Ried.

Auf  Kies=  und  Sandlagen  hat  es  geringe  Wiesen  und  Weiden,  und
hie  und  da  finden  sich  Torfstiche.  Die  wenigen  Aecker  sind  schlecht  und  leiden
  an  Nässe,  da  im  durchlassenden  Untergrund  das  Wasser  der  Flüsse  sich
aufstaut.  Seine  5000  Tagwerk  sollen  jetzt  entwässert  werden.  Die  gleichen
Geschiebe  wie  in  diesem  Ried  bilden  die  Unterlage  des  linken  Donauufers
  bei  Gundelfingen,  nur  kommen  hier  größere  Torfstiche  im  sogenaunten
  Donaumoos  bei  Günzburg  vor.  Wie  das  Ulmer  Ried  auf  dem  rechten
Ufer  im  Osten  von  den  Hügeln  der  Molasse  begrenzt  ist,  welche  gute  Gerstenbören
  tragen,  so  treten  auf  dem  linken  mit  der  Brenz  die  Ausläufer
der  schwäbischen  Alb  an  die  Donau  heran  und  bilden  die  nördliche  und  nordöstliche
  Grenze  der  Niederung.  Die  Jurakalkhügel  begleiten  von  nun  an  die
Donau  im  Norden  auf  ihrem  weiten  Wege  im  Kreise  bald  näher  an  den
Fluß  herantretend,  bald  sich  weiter  entfernend.  Von  Gundelfingen  über
Höchstädt  hinab  liegt  auf  ihnen  der  tiefgründigste,  kalkhaltige  Lehmboden,
dem  Löß  gleich  die  ausgezeichnetsten  Bodenarten  bildend,  welche  sich  in  vielen
  Stücken  dem  Dungaboden  bei  Straubing  würdig  an  die  Seite  stellen
können.

Intensiver  wie  sonst  wird  hier  der  Feldbau  betrieben.  Dinkel  und
Gerste  sind  die  Hauptfrüchte  und  geben  das  10.—12.  Korn.  Die  Brache
ist  vielfach  eingebaut,  und  die  schönsten  Kleefelder  erfreuen  das  Auge.  Hier
sind  noch  die  größten  Schätze  im  Boden  verborgen,  welche  nur  des  Fleißes
und  der  Intelligenz  harren,  um  gehoben  zu  werden.  Das  rothe  Landvieh
ist  groß  und  gut  genährt,  hat  zum  Theil  schon  seine  eckigen  Formen  verloren
und  gewährt  guten  Ertrag  an  Milch  und  Fleisch.  Es  bedarf  nur  geringer
Nachhülfe  durch  Einführung  von  rothem  Schweizervieh,  um  gleich  dem  Viehschlag
  auf  dem  würtembergischen  Theil  der  rauhen  Alb  einen  der  zweckentsprechendsten
  Schläge  unseres  Landviehs  zu  bilden.

Gute  Bastardschafe  werden  gehalten;  die  Hämmel  sind  von  französischen