Volltext : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

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“n  Himmi  sei'  Blau

is  a'  gar  schön's  G'schau
und  voraus  g'fallt  m'a  halt,
daß  er  boarisch  is  g'malt.“

Auf  einer  andern  Höhe  aber,  weit  von  ihm,  wo  seine  Lust  nicht  hindringt,
  sitzt  vielleicht  in  der  totenstillen  Einsamkeit  nackter  Felsen,  wo  keine
Blumen  blühen,  eine  Sennerin,  die  in  Wind  und  Wetter  ihr  Lied  in  das
Tal  hinabsingt;  der  Hirtenbube  der  nächsten  Alpe  hört  es;  er  singt  es  weiter
und  bald  erschallt  es  von  Mund  zu  Mund,  die  Täler  auf  und  ab.

Je  höher  wir  aber  in  dem  Hochgebirge  hinansteigen,  um  so  finsterer,
wilder,  menschenfeindlicher  wird  die  im  Eishauche  der  Gletscher  erstarrende
und  ersterbende  Natur;  hier  in  der  stummen  Ode,

„wo  gar  koa  Baam,

koa  Latschn  nimmer  steht,

in  lauter  Fels,  lauter  G'wändk,

wo's  grausi  aba  geht,“
braucht  es  allerdings  „a  Schneid“,  wenn  der  Mensch  nicht  gleich  der  Natur
in  Trübsinn  vertrauern  und  erstarren  will.

Aber  auch  hier  schreitet  längs  der  kalten,  übereisten  Felswände  frischen
Mutes  ein  Jäger  singend  daher:

„Wenn  der  Spielhahn  falzt  und  gurgelt  auf'n  Schnee,
is  a  frischer  Jäger  bei  der  Höh.“

So  ist  das  Volk,  das  in  diesen  Bergen  und  draußen  auf  der  Hochebene
wohnt,  ein  abgehärtetes.  Nicht  nur  vom  Norden,  sondern  auch  vom  Süden
wird  es  über  die  hohen  Eisberge  von  kalten  Winden  angeweht;  es  bedarf
einer  tüchtigen,  nachhaltigen  Nahrung  und  diese  gewähren  ihm  Bier  und
Knödel,  die  sein  Mark  und  Bein  kräftigen,  so  daß  es,  starken  Knochenbaues,
den  Mühseligkeiten  und  Stürmen  des  Lebens  mit  Heiterkeit  Trotz  bietet.

Nach  Guido  Görres.

 

37.  Die  Wünsch“.

 

Es  sitz'n  bei'nander  beim  Bier  So  viel  Geld,  dass  Enk  abkaafa  kunnt
Kamerad'’n  a  Stuck’  a  vier;  Den  Wald  und  dees  ganzi  G'schloss,
Die  hab'n  von  Wünschen  g'redt  So  weitschichti  und  so  gross.“

Und  weller  dees  mehreri  hätt.  Und  der  viert’sagt:  „I’  wünschet  mirschier
Der  oa’  sagt:  „Dees  wusst  i’  bald,  Dif  anders  als  no’  a’'  Mass  Bier.“"  —
wünschet  mir  grad  an’'  Wald,  Da  hab'n  die  andern  g’lacht,

Mit  dem  ma'’  z  Kalch  brenna  kunnt  Dass  der'’s  a'’  d0  dalket  macht.

Den  ganzen  Matzmann  von  Erund.“  Und  drüben  a'’  fremder  Her,

Der  ander  sagt:  „Und  i’  a'  Gschloss,  Der  winkt  der  kellnerin  her

S  weitschichti  und  so  gross,  Und  zahlt  ihm  no  zwoa  Mass  Bier,
Dass  der  Kalch  vom  Watzmann  nit  langt,  Dem  viert'n  da  vo'’  die  vier;

Bis  ma'  “s  Dach  zun  bau'’n  ankangt“.  Die  andern  studiert’n  Füchs'

Und  der  dritt’sagt:  „I  wollt’,  dass  i#’  fund'  Mit  ihneri  Wünsch’  krieg'n  nix.

Franz  v.  Kobell.