Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Einen  Frieden  unterzelchne  er  nicht.  Aber  Rußland  gebe  den  Krieg  auf
und  benachrichtige  hlervon  alle  Bölker  und  lhre  Reglserungen.  Die  russischen
Armeen  würden  demobilislert.  Der  Krieg  sel  aue.

8.

Und  wiederum  die  Frage:  Was  nun?  „Die  Verblöffung,“  berichtet
Nowak,  „war  allgemein.  Die  Diplomaten  berieten  unterelnonder.  Schließlich
war  ihre  Auffassung,  sich  auch  mit  solchem  Abschluß  abzufinden.“

Dlesmal  beurteilten  dle  Soldaten  die  Lage  richtiger.  Für  sie  gab  es  nur
Krieg  oder  Frleden.  Ein  Zwischenzustand,  eine  unklare  Lage  mußte  füc  sie  unerträglich
  sein.  Die  O.  .  L.  veranlaßte  eine  Aussprache  in  Homburg,  die  am
13.  Februar  stattfand.  Zu  ihr  waren  der  Kaiser,  der  Reichekanzler  Graf  Hertling,
  der  Vizekanzler  v.  Payer  und  der  Staatesekretär  v.  Kühlmann  beschieden.

Mit  durchschlagenden  Gründen  verlangte  Ludendorff  die  sofortige  Kündigung
  des  Waffenstillstandes  und  die  Wiederaufnahme  der  Felndseligkeiten.

Den  Bolschewisten  war  nicht  zu  trauen.  Und  die  Entente,  die  den  Zaren
geopfert,  die  russische  Revolution  gemacht  und  Kerenstie  Offensloe  veranlaßt
und  gestützt  hatte,  würde  Mittel  und  Vorwände  finden,  auch  die  Lenln  und  Crotzki
für  sich  anzuspannen.  Für  den  Augenbllck  war  die  russische  Armee  wenig  schlagfertig,
  aber  bis  zum  Frühsahr  war  noch  lange  Zeit.

Rumanien  würde  ohne  Rußlands  Vorangehen  ebenfalls  den  Friedensschluß
weigern.  Was  dann?  Der  Dreifrontenkrieg  wäre  noch  immer  nicht  zu  Ende.
Die  Verteidlgungelinle  im  Osten  müßte  besetzt  bleiben  —  dem  Angriff  im
Westen  würde  die  Stoßkraft  mangeln.  Es  mußte  endlich  Schluß  werden  im  Osten.

Dazu  gab  es  nur  einen  Weg:  das  bolschewistische  Rußland  mußte  durch
Waffengewalt  zu  der  Erkenninls  gezwungen  werden,  daß  die  Nittelmächte
oder  daß  mindestens  Deutschland  nicht  gesonnen  sel,  sich  durch  Trotzkische  Zweideutigkeiten
  an  der  Nase  herumführen  zu  lassen.  Hazu  war  ein  Dormarsch  der
ganzen  Ostfront  der  Verbündeten  erforderlich.  Wie  weit  war  er  auszudehnen?

Die  milltärischen  Gesichtepunkte  verstrickten  sich  hier  mit  polttischen.  Zunachst
  war  es  undedingt  notwendig,  die  Ukraine  gegen  den  Bolcchewiemus  zu
stützen  —  mit  dem  willkommenen  Nebenergebnis,  daß  sle  dabei  unter  deutsche
Kontrolle  geriete,  so  daß  man  milltärisch  würde  nachhelfen  können,  wenn  es
mit  den  Getreldelieferungen  nicht  recht  vorwärte  wollte.

Gegenüber  dem  bolschewistischen  Rußland  —  wie  west  würde  man  geben
müssen?  Peteresburg  war  der  Hauptsitz  dee  Bolschewiemie.  Ee  mußte  entweder
genommen  —  oder  doch  wenigstens  von  der  Entente  lsollert  werden.  Zwar
die  Ostsee  war  endgültig  ln  deutscher  Hand,  der  Weg  über  Japan  und  Sibirien
durch  die  jähe  Zersetzung  des  Russsschen  Relchee  so  gut  wle  unpassierdar  geworden,
die  Dardanellen  vor  wle  nach  in  der  Hut  der  Türkel.

Aber  im  Norden,  vom  Weißen  Meere  her,  hatte  sich  Rußland  im  Krieg
einen  neuen  Verbindungsweg  mit  der  Außenwelt,  will  sogen  mit  der  Entente
erschlossen.  Die  Murmanbahn  war  fertig.  England  würde  zweilfellos  von
dort  aue  Anschluß  an  den  Bolschewlemue  suchen.  Es  galt,  diese  letzte  Derdindung
  für  die  Entente  zu  sperren.

142