Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXVIX. Jahrgang, 1918. (29)

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Beilage

zum  Amtsblatt  Stück  52  der  Königlichen  Regierung  zu  Stettin.

 

Rundschreiben

an  die  Städte  Preußens,  betreffend  die  Verwertung  der  Küchenabfälle  zur  Herstellung
von  Futter  für  die  Viehbestände  und  eine  zweckmäßigere  Müllbeseitigung.

Die  Einfuhr  von  Kraftfuttermitteln  ist  durch  den  Krieg  beträchtlich  eingeschränkt  worden.  Rund
6  Millionen  Tonnen  Gerste,  Mais,  Kleie,  Reisabfälle,  Olkuchen  und  andere  Kraftfutterstoffe  sind  in  den
letzten  Jahren  durchschnittlich  in  das  Deutsche  Reich  eingeführt  worden.  Wenn  auch  die  Einfuhr  aus
den  neutralen  Staaten  nicht  ganz  unterbunden  ist,  so  wird  sie  doch  nur  einen  Bruchteil  der  früheren
Einfuhr  ausmachen.  Ersatz  wird  geschaffen  durch  Einschränkung  der  Spiritusbrennerei  und  Verarbeitung
der  dadurch  frei  werdenden  Kartoffeln  zu  dauerhaften  Trockenprodukten,  die  zum  Teil  der  menschlichen
Ernährung  (Beimischung  des  Kartoffelmehls  zum  Brot),  zum  Teil  als  Viehfutter  dienen  sollen.  Auch
die  Zuckerrübe  und  ihre  Produkte  müssen  durch  Herstellung  von  Trockenschnitzeln  aus  den  frischen  und
den  halb  auf  Zucker  verarbeiteten  Rüben  und  durch  umfangreiche  Verfütterung  der  Melasse  zum  Ersatz
der  fehlenden  Futtereinfuhr  herangezogen  werden.  Daneben  muß  jedes  Mittel  in  Anspruch  genommen
werden,  das  zu  einer  wenn  auch  nur  kleinen  Vermehrung  des  Futterbestandes  führen  kann.  Hierzu
mahnt  gebieterisch  die  möglicherweise  zu  erwartende  lange  Kriegsdauer,  die  dazu  zwingt,  auch  aus  der
wirtschaftlichen  Kraftprobe  siegreich  hervorzugehen,  die  deutsche  Volkswirtschaft  noch  mehr  auf  eigene  Füße
zu  stellen  und  unter  allen  Umständen  durchzuhalten,  so  lange  der  Kriegszustand  auch  dauern  möge.

Eine  solche  Vermehrung  wird  sich  erzielen  lassen  durch  Verwertung  der  Küchenabfälle.  In  ländlichen
  Haushaltungen  kommen  diese  Reste  von  jeher  als  Futter  für  Vieh  und  Schweine  zur  Verwendung,
in  den  städtischen  Haushaltungen  begegnen  dieser  naturgemäßen  Verwendung  um  so  größere  Schwierigkeiten,
  je  größer  der  Umfang  der  in  Betracht  kommenden  Städte  ist.  Wenn  man  annimmt,  daß  schon
in  Städten  mit  einer  Einwohnerzahl  von  mehr  als  25.000  Seelen  die  Abfälle  nicht  oder  nicht  voll  der
tierischen  Ernährung  zugeführt  werden,  so  berechnet  sich  für  das  Reich  eine  Kopfzahl  von  rund  20,5
Millionen  Menschen,  für  die  dies  zutrifft.  Nach  den  bisherigen  Erfahrungen  kann  man  annehmen,  daß
die  als  Futter  brauchbaren  Abfälle  auf  Trockenfutter  umgerechnet  12  kg  in  einem  Jahr  für  den  Kopf
betragen.  Daraus  ergeben  sich  rund  2,5  Millionen  Doppelzentner  oder  250  000  Tonnen  Trockenfutter,
also  etwa  4  pCt.  des  Fehlbetrages  mit  einem  Wert  von  27,5  Millionen  Mark.  Wenn  auch  diese  Ziffer
noch  etwas  eingeschränkt  werden  muß,  weil  ein  Teil  der  Abfälle  (große  Restaurants,  Krankenhäuser  und
sonstige  Anstalten)  schon  jetzt  Verwendung  findet  und  weil  einzelne  Städte  auf  diesem  Gebiet  schon  bisher
höchst  Anerkennenswertes  geleistet  haben,  so  bleibt  doch  sowohl  im  Verhältnis  zu  dem  Fehlbetrag,  als
auch  absolut  genommen,  ein  so  gewaltiger  Wert  und  eine  so  wirksame  Unterstützung  für  die  Erhaltung
der  Viehbestände  und  damit  für  die  Volksernährung  während  der  Kriegszeit  übrig,  daß  es,  abgesehen
von  der  Unwirtschaftlichkeit  des  bisherigen  Berfahrens,  an  sich  unverantwortlich  wäre,  von  der  Möglichkeit,
diese  Werte  auszunutzen,  keinen  Gebrauch  zu  machen.

Bei  der  Beurteilung  der  Frage,  auf  welchem  Wege  diese  Aufgabe  am  besten  zu  lösen  sei,  muß
der  Grundsatz  in  den  Vordergrund  gestellt  werden,  daß  es  von  vornherein  einer  Ausscheidung  der  Küchenabfälle
  bedarf,  also  des  Teils  des  Hausmülls,  der  für  die  Verwertung  als  Viehfutter  in  Betracht  kommt.
Wenn  man  in  dem  Haushalt  alles,  was  abfällt,  Kartoffel=  und  Gemüsereste,  übrig  gebliebene  Speisen,
Knochen,  Eingeweide  von  Geflügel  und  andere  rohe  Fleischreste,  Federn,  Metallteile,  Konservenbüchsen,
Scherben  aller  Art,  alte  Schuhe,  Pappe  und  Papier  mit  den  Schlacken,  der  Asche  und  dem  eigentlichen
Müll,  dem  sogenannten  Kehricht,  zusammenbringt,  so  werden  die  zu  Futter  brauchbaren  Stoffe  derart
verunreinigt,  daß  ihr  Futterwert  außerordentlich  herabgedrückt  und  die  Verarbeitung  auf  Futter  auf  das
äußerste  erschwert  werden.  »  »»

Grundsatz  wird  es  daher  unter  allen  Umständen  bleiben  müssen,  daß  das  zur  Viehfütterung
bestimmte  Material  schon  in  den  Haushaltungen  in  verschiedenen  Gefäßen  streng  von  allem  übrigen
getrennt  wird.