Full text : Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Stettin. 1914. (104)

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„Die  Müllverbrennung  kann  nach  zwei  Modifikationen  geschehen,  nämlich  kontinuierlich  oder  in
Chargen.  Auf  letztere  Art  verarbeitet  der  von  England  übernommene  und  in  Hamburg  und  Zürich
verwendete  Horsfallofen.  Aber  während  dieser  Ofen  nur  8—10  t  Müll  pro  Tag  und  Zelle  verarbeitet,
leistet  ein  neuerdings  von  Bauinspektor  Caspersohn  in  Hamburg  konstruierter  Ofentyp  fast  das  Dreifache.
Auch  der  Ofen  der  Müllverbrennungsgesellschaft  m.  b.  H.  System  Herbertz  in  Cöln  a.  Rh.,  der  das  Müll
ebenfalls  in  Chargen  verbrennt,  übertrifft  die  englischen  Ofen  an  Leistungsfähigkeit  bei  weiiee
Ebenso  ist  einem  Vortrage  des  Baudirektors  Bescocca  zu  entnehmen,  daß  sich  ein  unlängst  in  Fiume  in
Betrieb  genommener  Ofen  der  Firma  Alfons  Custodis  in  Düsseldorf  den  englischen  Ofen  in  vieler
Beziehung  überlegen  zeigt.“

Diese  Verfahren  sind  in  neuester  Zeit  wesentlich  vervollkommnet  worden;  die  „Landesanstalt  für
Wasserhygiene“  in  Berlin-Dahlem  ist  bereit,  hierüber  auf  Antrag  Auskunft  zu  erteilen.  Müllverbrennungsversuche
  kamen  insbesondere  in  Berlin,  Hamburg,  Zürich,  Frankfurt  a.  M.,  Fürth,  Aachen  und  Barmen“)
zur  Ausführung.

Daß  bei  einer  solchen  totalen  Verbrennung  des  Mülls  beträchtliche  wirtschaftliche  Werte  zerstört
werden,  geht  aus  den  obigen  Ausführungen  ohne  weiteres  hervor.  Sie  beweisen  auch,  daß  die  mit  der
Gewinnung  der  im  Müll  enthaltenen  wirtschaftlichen  Werte  verbundenen  Verfahren  bei  zweckmäßiger
Durchführung  in  gesundheitlicher  Beziehung  zu  einem  mindestens  ebenso  einwandfreien  Ergebnis  führen
wie  die  totale  Verbrennung.  Sie  verdienen  darum  zweifellos  den  Vorzug,  ganz  abgesehen  davon,  daß
bei  der  in  heutiger  Zeit  im  Vordergrund  stehenden  Notwendigkeit  der  Gewinnung  der  Futterstoffe  sie
allein  in  Betracht  kommen.

*)  Val.  Röhrecke,  Müllabfuhr  und  Müllbeseitigung,  Berlin  1901.

 

Schriftleitung  im  Bureau  der  Königlichen  Regierung  in  Stettin.  Druck  von  F.  Hessenland  G.  m.  b.  H.  in  Stettin.