16
„Die Müllverbrennung kann nach zwei Modifikationen geschehen, nämlich kontinuierlich oder in
Chargen. Auf letztere Art verarbeitet der von England übernommene und in Hamburg und Zürich
verwendete Horsfallofen. Aber während dieser Ofen nur 8—10 t Müll pro Tag und Zelle verarbeitet,
leistet ein neuerdings von Bauinspektor Caspersohn in Hamburg konstruierter Ofentyp fast das Dreifache.
Auch der Ofen der Müllverbrennungsgesellschaft m. b. H. System Herbertz in Cöln a. Rh., der das Müll
ebenfalls in Chargen verbrennt, übertrifft die englischen Ofen an Leistungsfähigkeit bei weiiee
Ebenso ist einem Vortrage des Baudirektors Bescocca zu entnehmen, daß sich ein unlängst in Fiume in
Betrieb genommener Ofen der Firma Alfons Custodis in Düsseldorf den englischen Ofen in vieler
Beziehung überlegen zeigt.“
Diese Verfahren sind in neuester Zeit wesentlich vervollkommnet worden; die „Landesanstalt für
Wasserhygiene“ in Berlin-Dahlem ist bereit, hierüber auf Antrag Auskunft zu erteilen. Müllverbrennungsversuche
kamen insbesondere in Berlin, Hamburg, Zürich, Frankfurt a. M., Fürth, Aachen und Barmen“)
zur Ausführung.
Daß bei einer solchen totalen Verbrennung des Mülls beträchtliche wirtschaftliche Werte zerstört
werden, geht aus den obigen Ausführungen ohne weiteres hervor. Sie beweisen auch, daß die mit der
Gewinnung der im Müll enthaltenen wirtschaftlichen Werte verbundenen Verfahren bei zweckmäßiger
Durchführung in gesundheitlicher Beziehung zu einem mindestens ebenso einwandfreien Ergebnis führen
wie die totale Verbrennung. Sie verdienen darum zweifellos den Vorzug, ganz abgesehen davon, daß
bei der in heutiger Zeit im Vordergrund stehenden Notwendigkeit der Gewinnung der Futterstoffe sie
allein in Betracht kommen.
*) Val. Röhrecke, Müllabfuhr und Müllbeseitigung, Berlin 1901.
Schriftleitung im Bureau der Königlichen Regierung in Stettin. Druck von F. Hessenland G. m. b. H. in Stettin.