II. Persönliche Vorstellung.
Mancher macht durch sein persönliches Auftreten oder durch seine
schriftlichen Gesuche unbewußt einen Eindruck, welcher ihn nicht
empfiehlt und mit seinem inneren Werte nicht im Einklange steht:
er selbst aber erfährt nicht, warum und wie er angestoßen hat. Auch
ists ja nicht so leicht, den Kern von der Schale zu sondern, und
oft fehlt auch dazu die Zeit. — Du schreibst ein Gesuch und verfehlst
es schon in der Adresse. Da ist z. B. ein höherer Beamter,
welcher nach seiner Stellung das Prädikat „Hochwohlgeboren“ beansprucht.
Du läßt aber auf der Adresse dieses Prädikat weg. Das
ist bedenklich, aber der Beamte kann alsdann annehmen, du wollest
einen alten Zopf abschneiden, obgleich er sich immer fragt, ob es
gerade deines Amtes sei, alte Zöpfe zu beseitigen. Bedenklicher ist
es, wenn du ihm statt des „Hochwohlgeboren“ ein bloßes „Wohlgeboren“"
widmest. Dann können zwei Fälle eintreten. Entweder
kann Adressat denken, du sündigst aus Unwissenheit, und das ist
schlimm; aber noch schlimmer ist es, wenn er etwa glaubt, du hättest
ihn absichtlich herabgesetzt, und dein Dünkel habe dich bewogen,
dich ihm gleichzustellen. Ebenso ist'7s mit „Hochwürden“ und mit
„Hochehrwürden“. Also Vorsicht! — Du mußt deinen Vorgesetzten
selbst sprechen, du mußt ihm dein Anliegen persönlich vortragen.
Gut! Weißt du auch, daß du dich alsdann kurz zu fassen hast, da
des Mannes Zeit kostbar ist und vielseitig beansprucht wird? Daß
du es nicht allein bist, mit dem er es zu thun hat? Du denkst,
in der frühen Morgenstunde, zur Kaffeezeit oder später zur Mittagszeit,
da ist er am sichersten zu Hause zu treffen, und somit störst du
ihn im letzteren Falle beim lieben Essen. Du hast nicht bedacht, daß
der Mann auch froh ist, wenn er nach gethaner Arbeit ruhig mit
seiner Familie zu Tische sitzen kann, daß er auch ein Mensch ist und
dich deshalb in dieser Zeit höchst ungern empfängt, dich am schnellsten
auch wieder entlassen möchte. Man erkundige sich also genau
vorher, wann die Person, der man seine Aufwartung machen will,
am besten und ungestörtesten zu sprechen ist, das ist eine unerläßliche
Bedingung, wenn man Erfolg haben will.