Full text : Die Befreiung 1813.1814.1815.

sehr  lange,  bis  ich  endlich  die  große  Marschkolonne  zu  sehen
bekam.  Ich  ließ  das  husarenregiment  unter  dem  Oberstleutnant
  von  Stössel  der  ganzen  langen  Kolonne  vorbeitraben.
um  sie  von  vorn  anzugreifen,  die  Sachsen  aber  ließ  ich  halten
und  langsam  der  Kolonne  folgen.  Da  nur  einzelne  Kommandierte
  rechts  und  links  neben  der  Eefangenenkolonne  marschierten,
  so  waren  diese  sogleich  überwältigt,  und  das  ganze
Held  mit  den  befreiten  Gefangenen  übersäet.

Uie  in  meinem  Leben  bin  ich  mehr  geküßt  worden  als
an  diesem  Tage;  denn  jeder  wollte  mir  seine  Dankbarkeit
bezeugen.  Man  riß  mich  beinahe  vom  Öferde  herunter.
Ich  hatte  200  Offiziere  von  den  verschiedenen  Krmeen  und
4000  Eefangene  befreit,  dem  größten  Teil  nach  Esterreicher;
die  befreiten  Soldaten  nahmen  die  Waffen  der  Gefangenen
und  übernahmen  den  Transport  derselben  mit.  Einer  Marketenderin,
  die  wohl  sehr  geprellt  haben  mochte,  ging  es  sehr
schlecht;  denn  in  wenigen  Minuten  ward  sie  völlig  in  den
Stand  der  Unschuld  gesetzt,  so  daß  ich  ihr  einen  Mantel  reichen
lassen  mußte.

Meine  Kavallerie  ließ  ich  langsam  nachkommen,  ich  aber
setzte  mich  nun  in  rasche  Bewegung,  um  zu  meinen  übrigen
Truppen  zu  gelangen.  Unterwegs  begegnete  ich  dem  General
von  Dorck  mit  seiner  ganzen  Suite,  welcher  in  der  Ungeduld
mir  entgegen  geeilt  war,  nun  aber  ganz  vergnügt,  da
der  Hauptmann  von  Tützow  ihm  schon  die  Meldung  gemacht
hatte,  die  Mütze  abnahm  und  sagte:  „Meine  herren,  lassen
Sie  uns  dem  Erafen  henckel  ein  Divat  bringen!“

(Graf  Henckel  von  Donnersmarck,  Erinnerungen.)

GEneisenau  an  die  DPrinzessin  Luise  von  Dreußen
nach  der  Dölkerschlacht  bei  Ceipzig.
Freiburg  a.  d.  Unstrut,  22.  Oktober  1813.

Wie  glücklich  ich  jetzt  atme,  lebe  und  webe,  können  Ew.
K.  H.  ermessen.  Das  höchste  Glück  des  Lebens  ist  Befriedigung
der  Rache  an  einem  übermütigen  gFeinde.  Wir  haben  sie
genommen,  diese  Rache,  auf  eine  Weise,  wie  die  Geschichte
kein  Beispiel  kennt.

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