sehr lange, bis ich endlich die große Marschkolonne zu sehen
bekam. Ich ließ das husarenregiment unter dem Oberstleutnant
von Stössel der ganzen langen Kolonne vorbeitraben.
um sie von vorn anzugreifen, die Sachsen aber ließ ich halten
und langsam der Kolonne folgen. Da nur einzelne Kommandierte
rechts und links neben der Eefangenenkolonne marschierten,
so waren diese sogleich überwältigt, und das ganze
Held mit den befreiten Gefangenen übersäet.
Uie in meinem Leben bin ich mehr geküßt worden als
an diesem Tage; denn jeder wollte mir seine Dankbarkeit
bezeugen. Man riß mich beinahe vom Öferde herunter.
Ich hatte 200 Offiziere von den verschiedenen Krmeen und
4000 Eefangene befreit, dem größten Teil nach Esterreicher;
die befreiten Soldaten nahmen die Waffen der Gefangenen
und übernahmen den Transport derselben mit. Einer Marketenderin,
die wohl sehr geprellt haben mochte, ging es sehr
schlecht; denn in wenigen Minuten ward sie völlig in den
Stand der Unschuld gesetzt, so daß ich ihr einen Mantel reichen
lassen mußte.
Meine Kavallerie ließ ich langsam nachkommen, ich aber
setzte mich nun in rasche Bewegung, um zu meinen übrigen
Truppen zu gelangen. Unterwegs begegnete ich dem General
von Dorck mit seiner ganzen Suite, welcher in der Ungeduld
mir entgegen geeilt war, nun aber ganz vergnügt, da
der Hauptmann von Tützow ihm schon die Meldung gemacht
hatte, die Mütze abnahm und sagte: „Meine herren, lassen
Sie uns dem Erafen henckel ein Divat bringen!“
(Graf Henckel von Donnersmarck, Erinnerungen.)
GEneisenau an die DPrinzessin Luise von Dreußen
nach der Dölkerschlacht bei Ceipzig.
Freiburg a. d. Unstrut, 22. Oktober 1813.
Wie glücklich ich jetzt atme, lebe und webe, können Ew.
K. H. ermessen. Das höchste Glück des Lebens ist Befriedigung
der Rache an einem übermütigen gFeinde. Wir haben sie
genommen, diese Rache, auf eine Weise, wie die Geschichte
kein Beispiel kennt.
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