Full text : Die Befreiung 1813.1814.1815.

Erzherzog  Johann  von  Osterreich  über  die  TLage.
15.  November  1815.

Was  will  man  nun  unternehmen,  und  was  ist  zu  unternehmen;
  was  ich  täte,  schreibe  ich  her:  zuerst  Deutschland
ausfegen!  (Tagebuch  des  Erzherzogs  Johann.)

Der  Friedenskongreß
in  Frankfurt  am  Moain.

Am  4.  Uovember  erreichten  die  Derbündeten  Frankfurt  a.  M.
Sar  Klexander  l.  hatte  dem  Kaiser  Sranz  l.  den  Vorsprung  abgewonnen
  und  zog  am  4.  November  in  Srankfurt  ein.  Kaiser
Franz  folgte  am  6.,  König  Friedrich  Wilhelm  III.  erst  am  23.  November.
  Schon  am  9.  Uovember  knüpfte  der  österreichische  Minister
Graf  Metternich  Friedensverhandlungen  mit  Napoleon  an.  Seit
dem  Beitritt  osterreichs  zur  Koalition  war  die  Unterbrechung  des
Kriegs  durch  Friedenskongresse  übung  geworden.  Diese  Hemmungen
der  Waffenentscheidung  kamen  stets  Uapoleon  zugute.  ZKuch  jetzt
wieder  gewann  er  Seit.  Am  Knfang  des  Januar  1814  hatte
er  wieder  eine  Krmee  von  150000  Mann,  von  denen  etwa  80000
schlagsertig  in  Frankreich  standen.  Der  Rest  siechte  in  den  TLazaretten
  dahin.  —  In  Frankfurt  wollten  Gneisenau,  Blücher,  Stein,
Zar  Klexander  und  die  Engländer  sofort  über  den  Rhein  und  auf
Daris  gehen.  Die  russischen  Heerführer  wollten  davon  nichts
wissen,  die  österreichischen  schwankten.  Metternich,  eine  Großmacht
für  sich,  wollte  um  jeden  Hreis  verhindern,  daß  nach  dem  Sturze
Uapoleons,  den  er  wollte  und  voraussah,  Dreußen  und  Rußland
auf  dem  zertrümmerten  SFrankreich  ihre  Dorherrschaft  in  Europa
gründeten.  Kaiser  Franz  hatte  „politische  Eingeweide“.  Über
das  Schicksal  seiner  Tochter,  der  Gattin  Naopoleons,  machte  er  sich
keine  Gedanken.  Er  hielt  mit  seinem  Minister  Metternich  an  dem
Grundsatz  fest,  daß  Frankreich  nicht  niedergeworfen  werden  dürfe.
Das  „Gleichgewicht  Europas“,  von  Uapoleon  ¾r  eempfindlich  gestört,
war  das  leitende  Schlagwort.  Die  Derhandlungen  mit  Napoleon
verliefen,  wie  vorauszusehen  war:  der  Kaiser  ließ  am  25.  November
  sagen,  daß  der  Friede  auch  sein  Wunsch  sei,  —  in  Mannheim
  möge  man  verhandeln.  Don  der  Knnahme  der  Friedensbedingungen:
  Beschränkung  Srankreichs  auf  seine  „natürlichen
Erenzen“  mit  dem  linken  Rheinufer,  verlautete  kein  Wort.  Napoleon
  wollte  nicht  die  „konstitutionellen  Grenzen  des  Kaisertums“
  aufgeben,  ohne  noch  einmal  das  Waffenglück  zu  versuchen.
  Man  mußte  also  weiterkämpfen.  Km  1.  Dezember  1813,
vor  dem  Betreten  Frankreichs,  erließen  die  Derbündeten  ein  Manifest,
  in  dem  man  den  Sranzosen  unter  vielen  Schmeicheleien  aus-335