Volltext : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

eine  Umgestalkung  der  Lage  vielleicht  bewirkt  hätte  —
daß  sie  aber  nach  seiner  Ansicht  jetzt  zu  späl  komme,  um
gegenüber  dem  in  ganz  Deutschland  entzündeten  Auf—
ruhr,  der  in  jedem  Augenblicke  weiter  um  sich  greife,
noch  von  Belang  zu  sein.

Was  sich  dann  weiter  Schlag  auf  Schlag  abgespielt
hatte,  war  nur  geeignet  erschienen,  um  dieser  Auffassung
des  Generals  Gröner  Recht  zu  geben  —  wenn  man  es
als  die  objektive  Wahrheit  über  die  Zustände  und
Stimmung  in  der  Heimat  gelten  lassen  konnte.  Die
Antwort  des  Chefs  des  Generalstabes  beim  Gouverne—
ment  Berlin,  Oberst  von  Berge,  war  eingetroffen  und
hatte  eine  allerdings  einschränkende  Bestätigung  der
vom  Reichskanzleramt  gegebenen  Darstellung  gebracht:
Blutige  Straßenkämpfe  —  Überläufe  der  Truppen  zu
den  Revolutionären  —  keinerlei  Machtmittel  zur  Be—
kämpfung  der  Bewegung  in  den  Händen  der  Regie—
rung.  —  Dazu  weiter  ein  Anruf  des  Prinzen  Max  von
Baden,  daß  der  Bürgerkrieg  unvermeidlich  wäre,  wenn
Seine  Majestät  die  Abdankung  nicht  in  den  nächsten
Minuten  bekannkgäbe.

Mit  diesen  Botschaften  waren  der  Generalfeldmar—
schall,  General  Gröner  und  Exzellenz  von  Hintze  in
den  Garken  zum  Kaiser  geeilt  —  und  hierüber  hielten
sie  ihm  nun,  während  Graf  von  der  Schulenburg  mich
über  den  Skand  der  Dinge  informierkte,  Vorkrag.  —

Mit  meinem  Chef  begab  auch  ich  mich  jetzk  zum
Kaiser.

In  einer  Gruppe  von  Herren  stand  er  im  Garten.

Unvergeßlich  für  alle  Zeiten  ist  mir  das  Bild  dieses
Halbdutzends  9Menschen  in  ihren  grauen  Uniformen  vor

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