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Ein altes Sprichwort sagt: „Der Ungar wird zu Pferde geboren.“
Vier Jahre alt wird der Kleine auf ein Pferd gesetzt, klammert sich an die
Mähne fest, übt sich täglich im Reiten und an dem Tage, an welchem er
galoppieren kann, ohne herunter zu fallen, spricht der Vater mit ernster
Wichtigkeit zu ihm: „Du bist ein Mann.“ Der Ungar ist gern Soldat und
kämpft am liebsten zu Pferde.
Der ungarische Bauer hat in seinem oft sehr geräumigen Gehöfte
keine Scheuern, weil er sich nicht die Mühe nimmt sein Getreide einzufahren,
sondern es gleich im Freien in Haufen setzt. Hier läßt er es von
seinen Pferden austreten. Wieviel dabei oft verwüstet wird, läßt sich leicht
ermessen. Nach Grube: „Geographische Charakterbilder".
56. Die Schweiz.
das höchste Land Europas, besteht aus Alpen, Juragebirgsland
und Hochebene. Auf die Alpen treffen 58%, auf die
Hochebene 30% und auf den Jura 12 % der Oberfläche des Landes.
Die Schweiz ist das an Naturschönheiten reichste Land Europas.
Die Gewässer der Alpen sind: Rhein, Inn, Po, Etsch,
Rhone; die des Juras gehören zum Rhein- und Rhonegebiet;
die, welche die Hochebene durchschneiden, gehören gröftenteils
zum Gebiete des Rheins und nur im Süd-Westen zum Rhonegebiet.
ç as Klima ist wegen der Gebirge sehr ungleichmäßig und
Viel kälter als in anderen Gegenden unter demselben Breitengrad.
Es ist auf der Hochfläche zwar gemäßigt, jedoch von starken
inden vielfach beherrscht, so daß es im ganzen rauher erscheint
als dasjenige von Mitteldeutschland. Bei 1200 m Höhe
beginnt die Alpenregion, welche sich nur noch für die Alpen-
wirtschaft eignet; über 2600 m hinaus herrscht ewiger Winter.
Der Flächeninhalt beträgt 41 390 qkm mit 3.7 Millionen Be-Wohnern,
90 auf 1 qkm.
Der Landbau, beschränkt durch Gebirge und Klima, ist
von untergeordneter Bedeutung und erzeugt nicht einmal in der
Hochebene genug Getreide (etwa die Hälfte des Bedarfs mutfz
Elngeführt werden); dagegen wird viel Obst und Wein gebaut;
TIenes wird entweder roh genossen oder zu Obstwein, Kirschund
Zwetschenwasser verarbeitet; Wein gedeiht besonders in
den Kantonen Waadt und Zurich. Der Bergbau fördert allein
Salz in erheblicher Menge. Vorzugliche Hellquellen und zahlreiche
klimatische- Kurorte sind vorhanden. Die Rindvieh-Zucht
steht infolge der herrlichen Wiesen und Weiden in
höchster Blute, reicht jedoch für den Bedarf an Fleisch (massenhafte
Einfuhr von Mastvieh) und Butter nicht aus; nur Käse
und kondensierte Milch gelangen in bedeutenden Mengen zur
Ausfuhr. Küserei wird nicht nur in der Lennereiwirtschaft
sondern auch von den Talbewohnern in den auf genossenschaftliche
Weise eingerichteten Dorfkäsereien betrieben.