Full text : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

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rung  der  Landwirtschaft  zu  denken;  denn  niemand  hatte  Lust  mit  Opfern
Verbesserungen  einzuführen,  da  ihr  Erfolg  ihm  immer  nur  zum  kleinsten
Teile  zugute  gekommen  sein  würde,  und  wollte  jemand  wirklich  Verbesserungen
  einführen,  so  stieß  er  auf  den  heftigsten  Widerspruch  von  seiten  seiner
Nachbarn,  weil  der  Stillstand  zu  allen  Zeiten  immer  mehr  Freunde  gefunden
hat  als  der  Fortschritt.  Erst  als  der  gemeinschaftliche  Besitz  aufgeteilt  wurde
und  jeder  davon  seinen  Anteil  als  alleiniges  Eigentum  erhielt,  da  konnte  der
Bauer  sein  Feld  bewirtschaften,  wie  es  ihm  beliebte.  Er  bearbeitete  es
nun  sorgfältiger,  schaffte  die  stehende  Weide  ab  und  nahm  andere  Verbesserungen
  in  der  Landwirtschaft  vor.  Der  größere  Fruchtertrag  reizte  die
Nachbarn,  welche  bisher  für  den  Stillstand  gewesen  waren,  bald  zur  Nachahmung
  und  zum  Fortschritt.

Zur  Zeit  der  Leibeigenschaft  und  auch  noch  nach  Abschaffung  derselben
  mußte  der  Bauer  auf  den  großen  Gütern  seiner  Herrschaft  täglich
oder  doch  mehrere  Tage  in  der  Woche  mit  Leuten  und  Gespann  Frondienste
  tun.  Dabei  konnte  er  seine  eigenen  Ländereien  nicht  gehörig  und
zur  rechten  Zeit  bearbeiten;  er  mußte  viele  Pferde  haben  und  konnte  daher  nur
wenig  anderes  Vieh  halten;  seine  Pferde  waren  selten  im  Stalle;  darum
gewann  er  auch  nur  wenig  Dünger  für  die  Verbesserung  seines  Ackers  und
ein  schlechtgedüngter  Acker  gibt  nur  einen  geringen  Ertrag.  Alle  diese  Nachteile
  verschwanden,  als  die  Frondienste  aufgehoben  und  mit  einer  jährlichen
Abgabe  abgelöst  wurden.  Jetzt  wurden  aber  auch  die  bisher  bei  dem  Frondienste
  beteiligten  Güter  besser  bewirtschaftet;  denn  der  Frondienstleistende
arbeitet  unwillig  und  darum  immer  sorglos  und  schlecht.

Durch  Hinwegräumung  der  eben  erwähnten  Hindernisse  der  Landwirtschaft
  war  derselben  wohl  Raum  zur  Hebung  gegeben;  aber  es  fehlte
noch  die  gehörige  Erzeugung  des  Düngers,  ein  ausgiebiger  Futterbau  und
ein  reicher  Viehstand.  Da  lernte  man  die  Anwendung  des  Mergels  und
dessen  günstige  Wirkung  auf  den  Ertrag  der  Kulturpflanzen  kennen.  Mergel
enthält  neben  Ton  und  Sand  15—50  0)  kohlensauren  Kalk;  wird  der  Mergel
mit  der  Ackerkrume  vermischt,  so  gibt  das  Feld  den  Ertrag  eines  reich  gedüngten
  Bodens.  Durch  die  Mergelung,  welche  schnell  allgemein  wurde,
gewann  der  Landmann  Uberfluß  an  Stroh  und  an  Futter;  daher  konnte
der  Viehstand  vermehrt  werden.  Da  durch  denselben  wiederum  die  Düngerelheugung
  größer  wurde,  so  kam  die  Landwirtschaft  immer  mehr  in  Aufwung.



Der  vermehrte  Viehstand  wurde  insbesondere  begünstigt  durch  Einführung
  des  Kleebaues  in  Deutschland  und  durch  Aufhebung  der  beständigen
  Weiden.  Um  beides  hat  sich  das  meiste  Verdienst  erworben
der  ehemalige  Leinweber  Christian  Schubart,  welcher  deswegen  vom
deutschen  Kaiser  im  Jahre  1784  unter  dem  Namen  „von  Kleefeld“  in
den  Adelstand  erhoben  wurde.  Auch  das  Gipsen  führte  Schubart  ein.

Den  größten  Aufschwung  erhielt  die  deutsche  Landwirtschaft  aber
zu  Ende  des  18.  Jahrhunderts  durch  die  Versuche  und  Schriften  Albrecht
von  Thaers.  Er  wird  mit  Recht  der  Vater  der  neuen  oder  rationellen
Landwirtschaft  genannt,  d.  h.  einer  Landwirtschaft,  welche  nicht  mehr