Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Zweiter Teil. (2)

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auch  die  erste  Anlage  von  Eisenbahnen  durch  gewinnierige
  Ausländer  hier  sehr  bestimmend  mitgewirkt.
azu  kommt  noch  das  Bestreben,  die  landwirtschaftlichen
  Eczeugrife  der  Moldau  möglichst  rasch  dem
Wasserwege  der  Donau,  d.  h.  den  Häfen  Galatz  und
Braila,  zuzuführen.  Für  den  Aufmarsch  der  Truppen
an  der  wichugen  Verteidigungslinie  am  Sereth  steht
so  auf  der  128  km  langen  Strecke  von  Roman-Marasesti
  nicht  eine  einzige  Bahn  von  Osten  her  zur  Verfügung,
  und  selbst  an  guten  Landstraßen  gibt  es  dort
nur  die  eine  von  Vasluin  nach  Bacau,  die  überdies
so  starke  Krümmungen  aufweist,  daß  sie  statt  der  Luftlinie
  von  62  km  in  Wirklichkeit  84  km  (+  35  v.  H.)
lang  ist.  Die  Ursachen  sind  vor  allem  die  in  dem  an
sich  meist  schwachwelligen  Lande  tief  eingeschnittenen
Flußtäler,  deren  Ufer  nicht  selten  bis  zu  100  m  höher
liegen.  Reichliche  Regengüsse  im  Sommer  zerreißen
diese  Lößwände  und  legen  öfter  zähen  Tonschlick  bloß,
so  daß  der  Vormarsch  quer  zur  Richtung  der  zahlreichen
parallelen  Flüsse  und  Bäche  außerordentlich  mühsam
und  sehr  vom  Wetter  abhängig  ist.  Bei  Trockenheit
entwickelt  sich  ein  atemraubender  Staub,  und  im  Winter
  bringen  russische  Winde  grimme  Kälte.  Der  Sereth
schuf  sich  ein  breites  Gerölltal  und  legt  darin  von  der
Grenze  bis  zur  Donau  statt  313  km  in  zahllosen
Windungen  488  km  (+  42  v.  H.)  zurück.  Ebenso
weisen  sein  Nebenfluß  Barlad  und  der  Pruth  verkehrshinderliche
  Krüimmungen  auf.  Trotzdem  bietet  die
Moldau  der  Landwirtschaft  durch  fruchtbaren  Boden
ünstige  Bedingungen,  wenn  auch  der  kleinbauerliche
etrieb  noch  arg  rückständig  ist.  Der  Ausfuhrhafen
für  den  vornetiich  angebauten  Mais  und  Weizen
ist  die  Donaustadt  Galatz  (75000  Einw.)  am  sehr
fischreichen  Brateschsee,  dem  westlichsten  der  durch  die
Donauanschwemmungen  vom  Meere  abgeschnittenen
Limane.  Jenseits  des  nahen  Sereth  beginnt
die  Walachei,  die  östlich  vom  Alt  Große  (Muntenia)
  und  westlich  davon  Kleine  Walachei  (Oltenia)
  genannt  wird,  obwohl  beide  die  gleiche  Bodenbeschaffenheit
  besitzen.  Besser  trennt  eine  Linie  etwa
von  der  Timokmündung  über  Craiova,  Buzeu  nach
Fokschani,  die  großenteils  mit  Haupteisenbahnlinien
zusammenfällt,  das  Gebighspor  and  mit  über  200  m
Seehöhe  von  der  weiten  Niederung,  gleichzeitig  aber
auch  die  Gebiete  mit  mehr  und  weniger  als  500  mm
jährlicher  Niederschläge;  nur  die  Gegend  um  Bukarest
erhält  noch  über  600  mm.  Ahnlich,  nur  ein  wenig
nach  Südost  parallel  verschoben  verläuft  auch  die
Grenze  der  Wald=  und  Steppenzone.  Bis  zu  der
obigen  Linie  reicht  auch  ungefähr  vom  Gebtrgefaß
ab  jungtertiärer  Boden,  während  donauwärts  Lehm
und  Lößstarke  diluviale  Geröllschichten  hoch  Überdecken.
Infolge  sehr  tief  liegenden  Grundwassers,  das  für  den
Gebrauch  mühsam  heraufgehoben  werden  muß,  entsteht
  bei  Trockenheit  knietiefer  Staub,  der  stellen  weise
Dünen  bildet  und  durch  deren  Wanderung  das  Nutzland
  gefährdet  und  entwertet.  Bei  Regen  dagegen  bietet
zäher  Kot  den  Truppen  wie  den  Heerestransporten  die
schwersten  Hindernisse.  Dazu  kommt  noch  die  ungebändigte
  Kraft  der  bei  Regen  mit  großer  Gewalt  von
den  Gebirgen  herabströmenden  Flüsse,  die  sich  dabei
ein  zwei-  und  mehrfach  breiteres  Bett  gerissen  haben,
als  zu  gewöhnlichen  Zeiten  erforderlich  ist,  und  das
von  bis  zu  50  m  und  darüber  hohen  Steilrändern  einefaßt
  ist.  Eisenbahn  und  Straßen  erfordern  kostpielige
  Brücken;  so  ist  die  Eisenbahnbrücke  über  den
Alt  bei  Slatina  nicht  weniger  als  375  m  lang.  Hierdurch
  wie  auch  durch  die  sehr  dünne  Besiedlung  und

II.  Kriegsgeographie  und  Kriegsgeschichte

die  Verkehrsarmut  des  donaunahen  Geländes  ist  der
für  eine  Verteidigung  der  Donaugrenze  sehr  ungüntige
  Zustand  geschaffen  worden,  daß  alle  Zufahrtstrecken
  zur  Donau  von  der  einen,  noch  dazu  bis  zu
180  km  (Costesci-  Zimniza)  entfernten  Hauptlinie-Orsova-Bukarest
  abzweigen.  Deshalb  mußte  unser
Vorstoß  längs  des  Jin  bis  zu  dieser  Strecke  die  rumänische
  Armee  bei  Orsova  rettungslos  abschneiden
Jedes  Vorrücken  aber  längs  der  Hauptlinie  bis  zueiner
Anschlußbahn  brachte  die  feindliche  Truppe  an  deren
Donauendstation  in  schwere  Transportnöte,  denn  ein
Marsch  längs  der  Donau  ist  wegen  der  ausgedehnten
Sümpfe  und  Altwasser  sowie  etwas  weiter  landeinwärts
  wegen  der  tiefen  Flußtäler  sehr  mühsam  und
bei  dem  bequemen  Einsehen  der  Niederung  von  dem
bis  zu  225  m  hohen  bulgarischen  Donauufer  nicht  un.
bemerkt  auszuführen.  Wie  niedrig  das  rumänische,
den  Donauwasserspiegel  kaum  überhöhende  Ufer  überhaupt
  ist,  ersieht  man  daraus,  daß  dieser  Wasserspiegel
  selbst  bei  Orsova  nur  56  m  und  schon  bei  Widdin
nur  noch  30  m  über  dem  Meeresspiegel  liegt.  Der
größere  Teil  der  Waloachei  ist  außerordentlich  fruchtar
  und  führt  den  Donauschiffen  alljährlich  große
Mengen  Getreide  zu;  dagegen  ist  das  Gebiet  zwischen
Bularest,  Braila  und  Calarasi,  das  nur  von  der  Jalomiza
  und  dem  Calmatui  10—20  m  tief  eingekerbt
wurde,  sehr  wenig  ertragreich,  vielfach  sogar  Steppe
und  daher  ganz  swach  besiedelt.  Ein  10—20  km
breiter  Sumpsstreifen,  in  dem  sich  die  Donau  wiederholt
  verzweigt,  trennt  die  Große  Walachei  von  der
Dobrudscha.  Ihre  bisherige  politische  Abgrenzung
egen  Bulgarien  war  ganz  willkürlich  gezogen,  ohne
7ucksicht  auf  natürliche  oder  wirtschefelsche  Grenzen.
An  das  300—500#hohe  bulgarische  Waldland  Deli-Orman
  zwischen  Warna  und  Rustschuk  schließt  sich
mit  150—300  m  Höhe  nördlich  zunächst  ein  durch
Löß  sehr  ertragreiches  Getreideland  mit  der  Hauptstadt
  Dobritsch  an.  Unter  dem  Löß  trifft  man  bald
auf  wasserdurchlässigen  Kalk,  so  daß  die  Bäche  meist
nach  kurzem  Lauf  um  etwa  100  m  tief  versickern  und
an  küsten  --  und  donaunahen  Einschnitten  in  mächtigen
  Karstauellen  (z.  B.  in  Dewna  bei  Warna)  zutage
  treten.  Da  das  Wasser  100  m  und  mehr  heraufeholt
  werden  muß,  ist  das  Land  nicht  sehr  dicht  be-Redelt
  und  dem  Durchug  rößerer  Heeresmassen
nicht  besonders  günstig.  Auch  hier  wie  jenseits  der
Donau  wechseln  oft  unerträglicher  Staub  und  grundloser
  Klei,  große  Hitze  und  eisiger  Nordoststurm.  Dann
senkt  sich  das  Land  bis  etwas  nördlich  von  der  Bahn
Tschernawoda-Konstanza  auf  100—  130  m  Höhe;
auch  die  von  der  Bahn  benutzte  Karasufurche  von
nur  56  m  Höhe  bildet  keine  geologische  Grenze.  Erst
der  nördliche,  wieder  etwas  breiter  werdende  Teil  der
Dobrudscha  zeigt  anderes  Gepräge,  nämlich  ein  der
Höhe  von  456  m  nach  zwar  unbedeutendes,  aber  durch
seinen  inneren  Bau  (tsteil  gefaltete  paläozoische  Schichten
  mit  Granit  (bei  Matschin)],  überdeckt  von  horizontalen
  Kreide-  und  Juraschichten)  noch  etwas  rätselhaftes
  und  bei  der  flachen  Umgebun  ganz  stattliches
Gebirge.  Diese  Gegend  hat  im  egenseh  zu  dem  ganz
baumarmen  Süden  noch  ausgedehnte  Buchen-  und
Eichenwälder.  Landstraßen  durchkreuzen  vielfach  das
Land,  während  zwei  Eisenbahnlinien  einerseits  die
Stadt  Tultscha  (20000  Einwohner)  am  Anfang  des
Donaudeltas,  anderseits  Warna—-Dobritsch  mit  der
Hauptbahn  Tschernawoda-Konstanza  und  dadurchmit
dem  eigentlichen  Rumänien  verbinden;  beide  Linien
treffen  sich  aber,  wohl  wegen  eines  geringen  Höhen-