142
auch die erste Anlage von Eisenbahnen durch gewinnierige
Ausländer hier sehr bestimmend mitgewirkt.
azu kommt noch das Bestreben, die landwirtschaftlichen
Eczeugrife der Moldau möglichst rasch dem
Wasserwege der Donau, d. h. den Häfen Galatz und
Braila, zuzuführen. Für den Aufmarsch der Truppen
an der wichugen Verteidigungslinie am Sereth steht
so auf der 128 km langen Strecke von Roman-Marasesti
nicht eine einzige Bahn von Osten her zur Verfügung,
und selbst an guten Landstraßen gibt es dort
nur die eine von Vasluin nach Bacau, die überdies
so starke Krümmungen aufweist, daß sie statt der Luftlinie
von 62 km in Wirklichkeit 84 km (+ 35 v. H.)
lang ist. Die Ursachen sind vor allem die in dem an
sich meist schwachwelligen Lande tief eingeschnittenen
Flußtäler, deren Ufer nicht selten bis zu 100 m höher
liegen. Reichliche Regengüsse im Sommer zerreißen
diese Lößwände und legen öfter zähen Tonschlick bloß,
so daß der Vormarsch quer zur Richtung der zahlreichen
parallelen Flüsse und Bäche außerordentlich mühsam
und sehr vom Wetter abhängig ist. Bei Trockenheit
entwickelt sich ein atemraubender Staub, und im Winter
bringen russische Winde grimme Kälte. Der Sereth
schuf sich ein breites Gerölltal und legt darin von der
Grenze bis zur Donau statt 313 km in zahllosen
Windungen 488 km (+ 42 v. H.) zurück. Ebenso
weisen sein Nebenfluß Barlad und der Pruth verkehrshinderliche
Krüimmungen auf. Trotzdem bietet die
Moldau der Landwirtschaft durch fruchtbaren Boden
ünstige Bedingungen, wenn auch der kleinbauerliche
etrieb noch arg rückständig ist. Der Ausfuhrhafen
für den vornetiich angebauten Mais und Weizen
ist die Donaustadt Galatz (75000 Einw.) am sehr
fischreichen Brateschsee, dem westlichsten der durch die
Donauanschwemmungen vom Meere abgeschnittenen
Limane. Jenseits des nahen Sereth beginnt
die Walachei, die östlich vom Alt Große (Muntenia)
und westlich davon Kleine Walachei (Oltenia)
genannt wird, obwohl beide die gleiche Bodenbeschaffenheit
besitzen. Besser trennt eine Linie etwa
von der Timokmündung über Craiova, Buzeu nach
Fokschani, die großenteils mit Haupteisenbahnlinien
zusammenfällt, das Gebighspor and mit über 200 m
Seehöhe von der weiten Niederung, gleichzeitig aber
auch die Gebiete mit mehr und weniger als 500 mm
jährlicher Niederschläge; nur die Gegend um Bukarest
erhält noch über 600 mm. Ahnlich, nur ein wenig
nach Südost parallel verschoben verläuft auch die
Grenze der Wald= und Steppenzone. Bis zu der
obigen Linie reicht auch ungefähr vom Gebtrgefaß
ab jungtertiärer Boden, während donauwärts Lehm
und Lößstarke diluviale Geröllschichten hoch Überdecken.
Infolge sehr tief liegenden Grundwassers, das für den
Gebrauch mühsam heraufgehoben werden muß, entsteht
bei Trockenheit knietiefer Staub, der stellen weise
Dünen bildet und durch deren Wanderung das Nutzland
gefährdet und entwertet. Bei Regen dagegen bietet
zäher Kot den Truppen wie den Heerestransporten die
schwersten Hindernisse. Dazu kommt noch die ungebändigte
Kraft der bei Regen mit großer Gewalt von
den Gebirgen herabströmenden Flüsse, die sich dabei
ein zwei- und mehrfach breiteres Bett gerissen haben,
als zu gewöhnlichen Zeiten erforderlich ist, und das
von bis zu 50 m und darüber hohen Steilrändern einefaßt
ist. Eisenbahn und Straßen erfordern kostpielige
Brücken; so ist die Eisenbahnbrücke über den
Alt bei Slatina nicht weniger als 375 m lang. Hierdurch
wie auch durch die sehr dünne Besiedlung und
II. Kriegsgeographie und Kriegsgeschichte
die Verkehrsarmut des donaunahen Geländes ist der
für eine Verteidigung der Donaugrenze sehr ungüntige
Zustand geschaffen worden, daß alle Zufahrtstrecken
zur Donau von der einen, noch dazu bis zu
180 km (Costesci- Zimniza) entfernten Hauptlinie-Orsova-Bukarest
abzweigen. Deshalb mußte unser
Vorstoß längs des Jin bis zu dieser Strecke die rumänische
Armee bei Orsova rettungslos abschneiden
Jedes Vorrücken aber längs der Hauptlinie bis zueiner
Anschlußbahn brachte die feindliche Truppe an deren
Donauendstation in schwere Transportnöte, denn ein
Marsch längs der Donau ist wegen der ausgedehnten
Sümpfe und Altwasser sowie etwas weiter landeinwärts
wegen der tiefen Flußtäler sehr mühsam und
bei dem bequemen Einsehen der Niederung von dem
bis zu 225 m hohen bulgarischen Donauufer nicht un.
bemerkt auszuführen. Wie niedrig das rumänische,
den Donauwasserspiegel kaum überhöhende Ufer überhaupt
ist, ersieht man daraus, daß dieser Wasserspiegel
selbst bei Orsova nur 56 m und schon bei Widdin
nur noch 30 m über dem Meeresspiegel liegt. Der
größere Teil der Waloachei ist außerordentlich fruchtar
und führt den Donauschiffen alljährlich große
Mengen Getreide zu; dagegen ist das Gebiet zwischen
Bularest, Braila und Calarasi, das nur von der Jalomiza
und dem Calmatui 10—20 m tief eingekerbt
wurde, sehr wenig ertragreich, vielfach sogar Steppe
und daher ganz swach besiedelt. Ein 10—20 km
breiter Sumpsstreifen, in dem sich die Donau wiederholt
verzweigt, trennt die Große Walachei von der
Dobrudscha. Ihre bisherige politische Abgrenzung
egen Bulgarien war ganz willkürlich gezogen, ohne
7ucksicht auf natürliche oder wirtschefelsche Grenzen.
An das 300—500#hohe bulgarische Waldland Deli-Orman
zwischen Warna und Rustschuk schließt sich
mit 150—300 m Höhe nördlich zunächst ein durch
Löß sehr ertragreiches Getreideland mit der Hauptstadt
Dobritsch an. Unter dem Löß trifft man bald
auf wasserdurchlässigen Kalk, so daß die Bäche meist
nach kurzem Lauf um etwa 100 m tief versickern und
an küsten -- und donaunahen Einschnitten in mächtigen
Karstauellen (z. B. in Dewna bei Warna) zutage
treten. Da das Wasser 100 m und mehr heraufeholt
werden muß, ist das Land nicht sehr dicht be-Redelt
und dem Durchug rößerer Heeresmassen
nicht besonders günstig. Auch hier wie jenseits der
Donau wechseln oft unerträglicher Staub und grundloser
Klei, große Hitze und eisiger Nordoststurm. Dann
senkt sich das Land bis etwas nördlich von der Bahn
Tschernawoda-Konstanza auf 100— 130 m Höhe;
auch die von der Bahn benutzte Karasufurche von
nur 56 m Höhe bildet keine geologische Grenze. Erst
der nördliche, wieder etwas breiter werdende Teil der
Dobrudscha zeigt anderes Gepräge, nämlich ein der
Höhe von 456 m nach zwar unbedeutendes, aber durch
seinen inneren Bau (tsteil gefaltete paläozoische Schichten
mit Granit (bei Matschin)], überdeckt von horizontalen
Kreide- und Juraschichten) noch etwas rätselhaftes
und bei der flachen Umgebun ganz stattliches
Gebirge. Diese Gegend hat im egenseh zu dem ganz
baumarmen Süden noch ausgedehnte Buchen- und
Eichenwälder. Landstraßen durchkreuzen vielfach das
Land, während zwei Eisenbahnlinien einerseits die
Stadt Tultscha (20000 Einwohner) am Anfang des
Donaudeltas, anderseits Warna—-Dobritsch mit der
Hauptbahn Tschernawoda-Konstanza und dadurchmit
dem eigentlichen Rumänien verbinden; beide Linien
treffen sich aber, wohl wegen eines geringen Höhen-