40
v. Kluck den Kampf mit dem linken Flügel des feindlichen
Heeres aus, das erste Zusammentreffen mit
großen englischen Verbänden unter General French.
Am 22. August hatten die Engländer nordöstlich und
östlich von Maubeuge eine Stellung inne, die von
Ath über Mons bis Binche reichte. Am Abend des
23. zog sich French auf eine Stellung in dem Raume
Valenciennes — Maubeuge zurück, wobei er am 24. in
Rückzugsgefechte mit den vorgehenden Deutschen verwickelt
wurde; am 25. gelang es diesen, die englischen
Truppen auf die Linie Cambral-Landrecies - Cateau
zurückzudrücken. Obgleich French dort vorbereitete
Stellungen beziehen konnte, ging er doch fluchtartig
auf Vermand-St. Quentin-Ribemont zurück und zog
zur Verstärkung drei französische Territorialdivisionen
an sich. Aber die deutsche Kavallerie war schneller; es
gelang ihr, die zurückflutenden Engländer so lange
bufzuhallen. bis die in der Verfolgung begriffenen
Armeekorps auch herankommen und am 27. bei St.
Quentin einen großen Sieg erringen konnten. Die
Engländer wurden geschlagen und verloren sieben
Feldgeschütze, eine schwere Batterie und viele Tausende
von Gefangenen.
Der Vormarsch zur Marnei.
So war bis zum 28. August, dem neunten Tage
nach Beendigung des Aufmarsches, das deutsche Wes
heer unter fortgesetzt siegreichen Kämpfen in Frankreich
eingedrungen, und der Feind befand sich auf
der ganzen Front von Cambrai bis zu den Südvogesen
in vollem Rückzuge. Mit dem Sieg bei
St. Quentin hatte der rechte Flügel dieser ungeheuren
Schlachtlinie eine Schwenkung aus der wesllichen in
die südwestliche Richtung eingeleitet und setzte sie in
der nächsten Zeit erfolgreich fort, wobei die Armee
des deutschen Kronprinzen den festen Drehpunkt bildete,
während die weitesten Märsche der Armee
v. Kluck zufielen. Als diese am 29. August in der Gegend
von Combles eingetroffen war, wurde sie von der
ei Amiens neu aufgestellten Armee Maunoury in
der rechten Flanke angegriffen; dieser Angriff wurde
abgewiesen und erreichte keine Verzögerung des Vormarsches.
Obgleich die Engländer in der Zwischenzeit
weit hinter St. Quentin zurückgewichen waren, machten
die Franzosen noch den Verstch, sich in der Gegend
dieses Stützpunktes zu halten, zu welchem Zweck sie
an dieser Stelle vier Armeekorps und drei Reservedivisionen
gusammengezagen hatten. Am 31. August
gelang es indessen der Bülowschen Armee, an der
Oise diese Kräfte vollständig zu schlagen, während zur
selben Zeit die Armee H#sen bis Rethel über die
Aisne vordrang, und auch der Herzog von Württemberg
im Vormarsch auf die Aisne begriffen war. Die
Armee des deutschen Kronprinzen überschritt zu dieser
eit die Maas unter schwersten Kämpfen zwischen
Stenay und Dun.
Unter dem Druck der auf der ganzen Linie siegreichen
deutschen Truppen waren in der Zwischenzeit
nun auch die von den Franzosen zum Schutz wichtiger
Bahnlinien angelegten Sperrforts und Befestigungswerke
mit der einzigen Ausnahme von Maubeuge
gefallen. Das Fort Les-Ayvelles mußte sich
schon am 25. August ergeben. Am 31. fiel Givet.
Die kleine Feste Hirson wurde vom Feinde gesprengt,
Condé konnte ohne Kampf besetzt werden, und wenig
später kamen auch die als zweite Verteidigungs-1
Vgl. die Karte B-Bd. 1, S. 172.3.
I. Kriegsgeschichte
linie angelegten Festungen Laon und La Fere in
deutsche Läne: Aus der großen Industriestadt und
Festung eille wurde um diese Zeit die 50000 Mann
starke Besatzung zur notwendig gewordenen Verstärkung
der Feldtruppen herausgezogen.
In weiterer Verfolgung der in den letzten Tagen
des August erfochtenen Siege führten die fünf deutschen
Armeen des rechten Flügels ihre Schwenkung
planmäßig in der Weise fort, daß der rechte Flügel
gegen Paris, die anschließende Front gegen die Marne
erichtet war; am 1. September standen sie in einer
inie, die sich von dem nur 65 km von Paris entfernten
Compiègne, nördlich an Reims vorbei bis
in die Gegend von Verdun erstreckte. Der Vormarsch
wurde gegen die Marne und den Ornain unter heftigen
Kämpfen mit feindlichen Nachhuten fortgesetzt.
Mitder Absicht, einen Angriff auf die Festung Reims
vorzubereiten, trafen am 3. Sept. Teile der Armee
Hausen ein u. besetzten die vom Feinde jedoch mittlerweile
geräumte Stadt. Die Klucksche Kavalleriestreifte
bis Paris, der ganze rechte Flügel des deutschen Westheeres
hatte die Aisne Überschritten und befand sich
auf dem Vormarsch gegen die Marne.
Paris war bedroht; eilig trafen die Franzosen Vorbereitungen,
ihre Hauptstadt zu verteidigen und zu
verproviantieren. Die Regierung verlegte in der Nachr
zum 3. September ihren Sitz nach Bordeaux.
Den deutschen Waffen war unterdessen, unterstützt
durch österreichische Motorbatterien, wiederum ein
schöner Ersolgz beschieden. Am 7. September mußte
die im Rücken der Feldarmee liegengebliebene Festung
Maubeuges kapitulieren. Mit seinen Forts sperrte
Maubeuge den Eisenbahnverkehr zwischen Namur und
St. Quentin, weshalb die baldige Eroberung des
Platzes von großer Bedeutung war- Bereits am 27.
August war Maubeuge von General v. Zwehl eineschlossen
worden. Am Abend des 6. September
hatten die deutschen schweren Geschütze die Forts und
auch die Zwischenstellungen des Feindes derartig erschüttert,
daß die Infanterie den nördlichen Abschnitt
in Besitz nehmen konnte. Mit der Aufgabe, die südöstlichen
Werke, hauptsächlich Fort Cerfontaine, niederzuhalten
und an der Hilfeleistung gegen den Hauptangriff
zu hindern, waren unterdessen die österreichischen
Motorbatterien beauftragt gewesen; fie hatten
aber darüber hinaus am 4. September bereits Cerfontaine
mit dem Zwischenwerk de Rocq und am 6. das
Werk Ferriere vernichtet, so daß auch an dieser Front
jeder Widerstand gebrochen war. Am 8. September
wurde die Festung bedingungslos übergeben; 40000
Mann nebstvier Generalen gerieten in Gefangenschaft.
General Joffre, der sein Houptauartier in Bar sur
Aube aufgeschlagen hatte, entschloß sich, zur Entscheidungsschlacht
anzutreten, als die deutsche 1. Armee
an Paris vorbei nach Süden abschwenkte, ohne zu
ahnen, daß in ihrer Flanke die soeben neuformierte
6. franz. Armee sich mit Gallienis Besatzungstruppen
von Paris vereinte. Zwischen den Eckpfeilern Paris
und Verdun wollte sie in riesenhafter Umklammerung
den Feind fassen und schlagen. Maunourys 6. Armee
sollte vereint mit Gallieni in Klucks offne Flanke stoßen.
French, der seine Engländer bis über die Seine zurückgenommen
hatte, wurde r-* Klucks rechten, die
5. Armee, jetzt unter Franchet d'Espereys Führung gestellt,
* essen linken u. Bülows rechten Flügek angesetzt.
Das Zentrum bildete die neuformierte 9. Armee
1 Vgl. den Kriegsbericht Bd. 1, S. 186 ff.