54 11. Verschiedene Fragen auswärtiger Politik.
die Hauptpunkte ist aber eine Einigung erzielt worden, und es steht zu
erwarten, daß auch die noch schwebenden kleinen Meinungsverschiedenheiten
in Kürze beigelegt sein werden. Ich hoffe, daß, wenn mein Etat im
Plenum beraten werden wird, ich in der Lage sein werde, den Vertrag
mit dem Syndikate zur Kenntnis des Reichstags zu bringen.
Das Syndikat wird eine Aktiengesellschaft nach deutschem Recht
bilden. Der Sitz der Gesellschaft wird in Tsintau sein, also unter
deutscher Gerichtsbarkeit. Das Kapital, welches aufgebracht werden soll,
dürfte 50 Millionen übersteigen. Entsprechend unserem Abkommen mit
China ist auch eine Aktien-Beteiligung chinesischer Untertanen vorgesehen.
Ich bin bei den Verhandlungen davon ausgegangen, daß dem Syndikate
im großen und ganzen möglichste Bewegungsfreiheit zu lassen sei, habe
hierbei jedoch bestimmte Grenzen gezogen und bestimmte Gesichtspunkte
aufgestellt.
Zunächst haben wir ein Interesse daran, daß die geplante Eisenbahnverbindung
möglichst rasch hergestellt werde, schon wegen der Kohlenversorgung
von Kiantschon. Bei dem Betriebe der Eisenbahnen muß das
allgemeine Verkehrsinteresse gewahrt werden. Wenn die Eisenbahnen
ausreichende Erträgnisse abwerfen, wird das Reich am Gewinne partizipieren.
Es ist dies nur recht und billig, da einmal die Konzessionen in
Schantung dem Reiche gemacht worden sind, andererseits nicht vergessen
werden darf, daß die Hafen= und Kai-Anlagen, welche das Reich
in Kiantschon bant, die wirtschaftliche Voraussetzung für das Eisenbahnunternehmen
bilden. Für die Zukunft ist die Möglichkeit einer Erwerbung
der Eisenbahnen durch das Reich vorgesehen.
Diese Eisenbahn, welche Schantung durchqueren und Kiantschon mit
dem Hoangho verbinden soll, wird sich an die große Linie anschließen.
die von deutschen und englischen Kapitalisten projektiert ist, um Tientsin
mit dem unteren Laufe des Jangtsekiang zu verbinden. Die Eisenbahn
soll den Jangtsekiang gegenüber der Stadt Tschinkiang erreichen, an der
Stelle, wo der alte chinesische Kaiserkanal in den Blauen Fluß einmündet.
Die Regulierung der Vergebung der Bergbaurechte ist noch in der
Schwebe. Diese Frage ist insofern nicht eine brennende, als eine Erschließung
der Bodenschätze nicht vor Herstellung der Eisenbahnverbindung
möglich sein wird. Auch ich neige zu der Ansicht, daß der zukünftige
Wert von Schantung für uns zum großen Teil abhängen wird von der
Oualität der dortigen Kohle. Die bisherigen Nachrichten über die
Schantung-Kohle lanten günstig. Als vorsichtiger Mann will ich aber
nicht verschweigen, daß wir noch größere Quantitäten Kohle eingehend