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von Ihrem Verein war man berechtigt, Vorzügliches zu erwarten. Sie
haben diese Erwartungen aber noch übertroffen, und wenn ich eine
Zensur auszuteilen hätte, so würden Sie la bekommen. Das ist wenigstens
die Ansicht meiner Frau, auf die ich in musikalischen Dingen
gern requiriere. Von Musik verstehe ich selbst nicht viel. Wo das
musikalische Gebiet beginnt, hört bei mir das eigene Urteil auf. Wenn
ein Minister eine Sache nicht kennt, dann holt er sich einen Geheimen
Hofrat. Mein Geheimer Hofrat ist in musikalischen Dingen meine Frau,
und ich habe das größte Vertrauen zu ihr. Sie war von Ihrem Ge—
sange ganz entzückt.
Was ich aber, meine Herren, sehr wohl verstehe und zu würdigen
weiß, das ist die freundliche Gesinnung, die Sie zu mir geführt hat,
und womit ich ganz einverstanden bin, ist, daß Sie nach Norderney
gekommen sind; denn ich bin schon ganz Norderneyer geworden; ich
freue mich über jeden Gast, der auf der Insel landet; aber über die
Rheinländer und über die Kölner freuen wir uns ganz besonders.
Denn mit dem Rhein und mit der Stadt Köln ist es etwas ganz Besonderes.
Der Rhein, dessen Reize Sie so schön besungen haben, der Rhein
ist uns allen sehr ans Herz gewachsen, und die Stadt Köln haben wir
alle gern. Sie haben den Kölner Dom, das herrlichste Gotteshaus im
deutschen Lande und in der ganzen Welt, und Ihren schönen Karneval,
den hat keine andere Stadt, und Sie haben die Flora und das „Kölnische
Wasser“ und die Kölnischen Jungen. Aber Sie haben auch ein
mächtiges, emporstrebendes Gemeinwesen in Köln, der Metropole am
Niederrhein. Die Kölner Bürgerschaft zeichnet sich vor allem aus durch
echt deutsche Gesinnung. Das war schon vor 30 Jahren der Fall, als
ich in Bonn weilte, nahe bei Köln, und daß das heute noch so ist, das
haben die Worte bewiesen, die Sie an mich gerichtet haben.
Meine Herren, das deutsche Lied hat eine bedeutsame Rolle gespielt
in der Geschichte der deutschen Einigung. Es ist ein einigendes Bindeglied,
ein Bindemittel gewesen zwischen den deutschen Stämmen, und
als uns vor hundert Jahren die Fremden alles genommen hatten, das
deutsche Lied mußten sie uns lassen, und das hat dazu beigetragen, Haß,
Zwietracht, Mißgunst und Neid niederzuringen. Halten Sie fest am
dentschen Lied, seine Aufgabe ist noch nicht erschöpft, noch nicht erfüllt.
Und so hoffe ich, daß es Ihnen wohlgefallen möge hier in Norderney
und daß sie gern wiederkommen an das Gestade der Nordsee. Sie