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unwissend. Man haite es zu sehr mit Aeußerlichkeiten in Anspruch
genommen, nur die Sinnlichkeit gewähren lassen und den Geist
darüber vernachlässigt. Ein tieferes, feineres, insbesondere sittliches
Urtheil ging den damaligen Oesterreichern ab. Die eifrigen
Anhänger des Kaisers waren großentheils nur sehr mittelmäßige
Köpfe und dienten ihm schlecht, indem sie seinem trefflichen Willen
durch keinerlei sittlichen Ernst, durch keinerlei organisatorisches
Talent nachhalfen. Und welche Literatur überschwemmte damals
Oesterreich! Man kann nichts Gemeineres, Geistloseres und Frivoleres
lesen. Der gefeiertste Dichter Oesterreichs war Blumauer,
eine ganz gemeine Seele voll unzüchtiger Gedanken und Worte.
Der große Koch, der ganz Oesterreich die neue Geistesnahrung
zubereitete, war Trattner, welcher sich durch den Nachdruck der
seichtesten und frivolsten Produkte, die in andern Ländern gedruckt
waren, Millionen und den Adelsrang erschwindelte. Beim besten
Willen vermochte Kaiser Joseph mit seiner Aufklärung und Preßfreiheit
keinen neuen edlern Geist in Oesterreich einzubürgern,
sondern nur zu enthüllen, wie tief der Geist in Oesterreich
unter dem langen Degermanisirungssystem der Jesuitenschulen
gesunken war.
Wenn Joseph II als Kind seiner Zeit keine Ahnung davon
hatte, daß der kirchlichen Corruption, wie sie durch Neukatholicismus,
Renaissance und Jesuitismus oder mit andern Worten
durch den Romanismus herrschend und endlich unerträglich geworden
war, nich einzig nur die moderne, religionsfeindliche Aufklärung,
sondern auch der ältere Katholicismus des germanischen,
gothischen, vortridentinischen Mittelalters gegenüber stand, wenn
ihm überhaupt alles Kirchenwesen fremd und zuwider war, so
daß ihm auch eine Reformation, wie die lutherische, dem ihm verhaßten
Romanismus entgegenzusetzen nicht einfiel, so hätte er
doch die deutsche Nationalität in's Auge fassen, sich als ein Kaiser
der Deutschen fühlen und Rom nicht blos die moderne Aller-