Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Im  Herdst  1914  vor  Iwangorod  und  Warschau  hatten  die  beiden  noch  die
selbstbewußte  Größe  besessen,  einen  verunglückten  Schritt  entschlossen  wieder
rückwärte  zu  tun.  Nun  mußte  der  strateglsch  wertlose,  kaktisch  denkdar  ungünstige
Geländegewinn  der  Offensive  mit  allen  Mitteln  gehalten  werden.

Diesem  Zweck  diente  ein  Vorstoß  der  7.  Armee,  der  am  6.  April,  zwel  Tage
nach  dem  offiziellen  Ende  der  „Großen  Schlacht“,  südlich  von  La  Fère  und  Chaunp
angesetzt  und  glücklich  durchgeführt  wurde,  um  die  disber  tief  elnspringende
Ecke  zwischen  den  alten  Linlen  der  7.  und  der  neuen  Südflanke  der  18.  Armee
auszudeulen.  Das  Unternehmen  gelang  und  brachte  tatsächlich  eine  erhebliche  Derbesserung.
  Und  schon  begannen  die  Vordereitungen  zum  zwelten  großen  Offenfirunternehmen
  —  das  der  englischen  Armee  den  nächsten  harten  Stoß  versetzen
solite.  Es  war  jener  Angriff,  den  vor  Beginn  der  Fruhjahrskanipfe  die  Heeresgruppe
  Kronprinz  Rupprecht  als  Hauptstoß  vorgeschlagen  patte:  der  Durchbruch
durch  den  von  den  50  000  Mann  der  portugiesischen  Armee  gebaltenen
Frontadschnitt  in  der  Lpsebene  zwischen  Béthune  und  Armentieres.
Die  Minderwertigkeit  der  Portuglesen  war  erkaunt.  Die  Engländer
batten  aus  jenem  Abschnitt  viele  Reserven  weggezogen.  Zudem  war
das  Wetter  trocken  geworden,  die  flandrischen  Ebenen  passierbar.  Wenn  der
Angriff  gelang,  so  lag  der  Weg  über  Hazebrouck  nach  Calais  offen,  und  die  englisch
beigisch-französische  Front  nördlich  Armentieres  die  zur  Seeküste  war  aufgerollt.
Die  strategischen  Ziele  dieses  Angriffs  waren  also  zwar  nicht  üderwaltigend  bedeutungevoll,
  doch  der  Verlust  von  Calais  wäre  für  die  Engländer  immerhin
empfindilch  gewesen.

Aber:  für  seine  Ausführung  konnten  jetzt  nur  mehr  35  deutsche  Dioisionen
berangezogen  werden,  und  zwar  nur  solche,  welche  nach  Ludendorffs  Urtell
anlcht  in  dem  Sinne  Angriffsdivisionen  waren,  wie  die  am  21.  Marz  elngesetzten".

Ein  Vordereltungsunternehmen  für  diesen  zweiten  Offensiostoß  war  schon
selt  dem  28.  März  im  Gang.  Es  zieite  auf  die  Höhen  zwischen  Arras  und  Leue,
deren  Besitz  für  das  Gellngen  des  fiandrischen  Angriffe  von  großem  Wert  gewesen
  sein  würde.  Ader  dles  Unternehmen  mißlang  —  anschelnend  weil  die
Artillerievorbereitung,  trotz  hohen  Einsatzes,  doch  noch  nicht  ausreichend  gewesen
war  —  wie  die  Entente  es  Dutzende  von  Malen  hatte  erfahren  müssen.

Es  mußte  auch  so  gehen.  Der  flandrische  Angriff  wurde  von  artllleristischen
Autoritäten  sorgfäitig  vorbereitet.  Auch  sein  erstes  Ziel  war  eine  Höbenstellung:
blejenige,  die  sich  auf  dem  Nordufer  der  Lys  von  Cassel  aus  in  östlicher  Richtung
binzieht  und  westlich  des  vielumkämpften  Messines  und  des  ehemallgen  „Wytschaetebogens“
  (ogl.  S.  107)  ihre  höchste  Erbebung  und  zugleich  ihren  östlichen
Ausldufer  in  dem  Kemmelberge  besitzt.  Im  Herdst  1914  hatte  sie  nicht  festgehalten
  werden  können.  Gelang  es,  diesen  ganzen  Höbenzug  zu  erkämpfen,
dann  war  tatsächlich  der  Bpernbogen  und  damit  dle  ganze  Nordflanke  der  feindlichen
  Stellung  bis  zum  Meer  unhaltdar,  Dünkirchen  und  Calale  mindestene
ernstlich  bedrobt.

Schon  am  9.  Aprii  konnte  der  Kampf  entfesselt  werden.  Der  Vormittag
des  ersten  Tages  drachte  ein  hoffnungsvolles  Ergednie:  die  portuglesischen
Oivisionen,  die  das  Zentrum  des  angegriffenen  Adschnitts  bielten,  wurden  zertrümmert,
  und  am  Adend  standen  bier  die  Angreifer  dereits  an  der  Lys.

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