Full text : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

110  Bayern  unter  Otto  I,  dem  Erlauchten.

Am  18.  Juni  1248  erlosch  mit  Otto  II  von  Andechs  das
Geschlecht  der  Herzöge  von  Meran.  Die  Besitzungen  dieses  Geschlechtes
  in  Bayern:  Wolfrathshausen,  Andechs  und
Dießen  kamen  an  Otto  den  Erlauchten;  die  Grafschaften
Neuburg  a.  Inn  und  Schärding,  welche  Friedrich  der
Streitbare  (1230)  als  Mitgift  seiner  Gemahlin  Agnes,  einer
gebornen  Gräfin  von  Andechs-Meran,  erhalten  und  nach
deren  Verstoßung  (1243)  nicht  herausgegeben  hatte,  trennte  Kaiser
  Friedrich  nach  dem  Tode  Friedrichs  des  Streitbaren
(1246)  von  Oesterreich,  ließ  sie  aber  nicht  an  die  päpstlich  gesinnten
  Herzöge  von  Andechs-Meran  zurüdkfallen  sondern
verlieh  sie  (Juni  1248)  ebenfalls  dem  Herzoge  Otto  dem  Erlauchten.
  Die  Güter  der  Andechser  in  Franken  fielen  theils
an  das  Bisthum  Bamberg,  theils  an  die  Schwäger  Otto's  U
von  Andechs,  nämlich  an  die  Grafen  von  Orlamünde,  Truhendingen
  und  Hohenzollern,  welch'  letztere  aus  ihrem  Antheil
die  Fürstenthümer  Ansbach  und  Kulmbach-Bayreuth  bildeten.
  Die  Besitzungen  der  Andechs-Meraner  im  Ober=  und
Unterinn=  und  im  Puster  thal  und  in  der  Grafschaft  Thauer
erlangte  Graf  Albert  von  Tyrol,  der  den  Namen  seiner
kleinen  Grafschaft  Tyrol  auf  den  neu  erworbenen  Besitz  übertrug.
  Dieser  Albert  starb  schon  1245,  und  Tyrol  erbte  sein
Schwiegersohn,  Graf  Mainhard  III  von  Görz,  der  sich  mit
seinem  Schwager,  dem  Grafen  Gebhard  VI  von  Hirschberg,
dem  zweiten  Schwiegersohn  Alberts,  gütlich  abgefunden  hatte.

Im  Jahre  1249  starb  der  Pfalzgraf  Rapoto  III  von  Ortenburg,
  worauf  Herzog  Otto  der  Erlauchte  die  bayerische
(nicht  die  rheinische)  Pfalzgrafenwürde  ganz  eingehen  ließ.

Otto  II,  der  Erlauchte,  hielt  treu  an  Kaiser  Friedrich
  II  fest  bis  zu  dessen  Ende  (1250),  obschon  zwei  Gegenkönige
  gewählt  worden  waren,  zuerst  (1246)  Heinrich  Raspe
(d.  i.  der  Rauhe)  von  Thüringen,  und  nach  dessen  Tode
(1257)  Graf  Wilhelm  II  von  Holland,  die  beide  von  dem
Exzbischofe  von  Salzburg  und  von  den  Bischöfen  von  Passau
und  Regensburg  gegen  Friedrich  II  unterstützt  wurden.

Gegen  den  Schluß  seines  Lebens  ward  Otto  der  Erlauchte
  noch  in  einen  Krieg  (1250—1253)  mit  Böhmen  verwickelt,
  weil  dieses  Landes  Könige  Wenzeslaus  III  (1230—
1253)  und  Premislaus  Ottokar  II  (1253—1278)  darauf  ausgingen,
  Friedrich,  dem  unmündigen  Sohne  des  (1250)  verlebten
Markgrafen  Hermann  VI  von  Baden  (seit  1248  auch  Herzog