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II. Der starke Rückgang der Bevölkerungsvermehrung.
Furchtbares inken der Geburten.
Wir gehen jetzt dazu über, das Wachstum des deutschen
Volkes im Laufe der letzten Jahrzehnte zu betrachten.
Da werden wir finden, daß leider die Angst
vor Übervölkerung nicht bei der nationalökonomischen
Wissenschaft stehengeblieben ist. Hier ist sie bereits im
Absterben begriffen. Aber sie sitzt um so fester im ganzen
Volke.
Wir hatten die höchste Geburtenziffer in Deutschland
Mitte der siebziger Jahre. 1875 und 1876 betrug
unsere Geburtenziffer auf je 1000 Menschen 42,3 bis
42,6. Von da an geht sie ständig zurück. Sie sank in
den achtziger Jahren von 39,1 auf 37,7, in den neunziger
Jahren auf 37,0. Hier war der Rückgang noch sehr
mäßig. Aber dann geht es lawinenartig. Seit 1900
haben wir folgende Ziffern: 36,8, 36,9, 36,2, 34,9, 35,2,
34,0, 34,1, 33,2, 33,0, 33,2. Am meisten erschrickt der Statistiker
über die Zahlen im letzten Jahrzehnt. Von 1910
an haben wir folgendes Bild: 1910: 30,7, 1911: 29,5,
1912: 29,1, 1913: 28,8, 1914: 27,6. Während des Krieges
war der Rückgang natürlich noch unheimlicher. Aber das
läßt sich verstehen. Hier waren die Verhältnisse anormal.
Aber schon vor dem Kriege hatten wir Verhältnisse
in der Geburtenstatistik, daß man hätte glauben können,
es wäre Krieg. Machen wir das noch durch einige
Zahlen deutlich: Im Jahrzehnt von 1871 bis 1880 entfrelen
auf 1000 Einwohner jährlich durchschnittlich 40,7
Geburten. In den ersten zehn Jahren des 20. Jahrhunderts
sank diese Ziffer im Durchschnitt auf 33,9, so
daß auf 1000 Einwohner jährlich 6,8 weniger geboren
wurden. Bei Zugrundelegung der am 1. Dezember 1905
ermittelten Bevölkerung des Deutschen Reiches von
60 641 489 Einwohnern ergibt sich demnach für die Zeit