Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6a. (6a)

232 Bismarcks Unterredung mit Benedetti 31. Januar. 
ihren Bundesgenossen ulnd] uns vor allen die Anlehnung zu bieten, welche zu gewähren 
die Regirung durch die Kräfte einer hoch entwickelten Nation von 25 Millionen, welche 
von großen historischen Crinnerungen gehoben werden, befähigt ifsts. 
Wir glauben in der bisberigen Haltung des Ministeriums Menabrea das Bestreben 
m erkennen, in dieser Richtung sich zu bewegen und sich von den Einflüssen extremer Par- 
teien frei zu machen. Dies Bestreben verfolgen wir mit unseren aufrichtigsten Wünschen; 
und ich ersuche Ew. pp., es sich zur Aufgabe zu machen, in diesem Sinne und in der Weise, 
welche durch unsere freundschaftlichen Beziehungen und durch die Shnen wiederholt erteilte 
Instruktion über die Absichten Seiner Majestät des Königs bedingt wird, auf die Königlich 
Stalienische Regierung einzuwirken“. 
Aus dem Leben Th. v. Vernhordis, VIII, 181 f. 
*1040. Erlaß an den Geschäftsträger in Paris 
Grafen zu Solms-Sonnenwalde. 
[Konzept von der Hand des Vortragenden Vats Abeken.] 
Nachdem die französische Regierung, wesentlich auf Grund der Benedettischen Bericht- 
erfkattung, lange hindurch in der verkehrten Auffaslung befangen gewesen war, daß Preußens 
Haltung in der römischen Frage sich direkt gegen Srankreich kehre, gab sie seit etwa Mitte 
Dezember 1867, wieder beeinflußt durch die plötzlich die Conart wechselnde Berichterstattung 
ihres Botschaofters (ogl. Ar. 990, Anm. 2; 1003), irregeleitet auch durch die sehr fragwürdige 
Berichterstattung des Generalkonsuls in Frankfurt Rothan (ogl. Tr. 1008, Anm. 1), der Illusion 
NRaum, dah Bismarck drauf und dran sei, von der orientalischen Srage aus eine Schwenkung 
mgunsten Frankreichs und Österreichs vormnehmen. Die beginnende Selbsttäuschung der fron- 
jösischen Regierung kündigte sich schon in den Außerungen Napoleons III. über die Gleich- 
artigkeit der französischen und preußischen Interessen an, die in der Unterredung mit Goltz vom 
31. Dejember (ogl. Nr. 1011, Vorbemerkung) sielen; sie kam auch in einer Unterredung zum 
Ausdruck, die Moustier gleich darauf mit dem vor einer Reise nach Berlin stehenden, der An- 
näherung an Frankreich von Haus aus geneigten Grasen v. d. Goltz hatte. Die übertriebene 
Vewertung, die Aloustier den Auserungen des Botschafters beilegte, tritt in leinem Erlah an 
Venedetti vom 6. Januar (Les Crigines Diplomatiques, XX, 182 ss.) sehr deutlich heraus. 
Seinerseits hatte Benedetti unmittelbar vorher, am 5. (a. a. O., p. 131 ss.) eine umfängliche, 
gewissermaßen seine ganze Berichterstottung seit 1866 rekapitulierende Denkschrift über das 
franjösisch-preußische Verhöltnis eingereicht, die, von der gan; richtigen Erkenntnis ausgehend, 
daß das Ziel der Bismarckschen olitik auf die Cinigung Deutschlands unter preuhischer Agide 
gerichtet sei, in erstaunlicher Klarheit und Volgerichtigkeit die Alternative: Unterstützung des 
preuhisch-deutschen Einheitsstrebens oder entschlossenste Vorbereitung des Krieges mit Preuhen 
kellte. „Die deutsche Einbeit,“ so hieh es in der Denkschrift, „wird demnächst zur Vollendung 
gelangen. Sollen wir sie akzeptieren? In diesem Falle jollten wir nicht verbergen, daß wir die 
Einigung wohlwollend aufnehmen, sollten wir Preußen zum Vorgeben ermutigen; dann wird es 
sich von Ruhland abwenden, und der industrielle und kommerkielle Sustand Europas wird sich 
von seinem Tiefstande erholen. Im entgegengesetzten Salle müssen wir unablässig den Krieg 
vorbereiten und uns im voraus Mechenschaft darüber ablegen, welchen Beistand uns Österreich 
leisten kann.“ Unglücklicherweise lehnte Moustier in leiner Antwort vom 26. Januar (a. a. O., 
262 ss.) ab, auf die bedeutungsvolle Idee Denedektis, durch eine moralische Unterstützung Dreußens 
in der deutschen Frage dieses gam für Frankreich zu gewinnen, einzugeben. „Nous ne croyons 
° Der Schluß des Satzes von den Worten an: „sondern auch . ..“ eigenhändiger Zusatz Bismarcks. 
Anm 4. ielt Graf Ujedom die telegrapbische Weisung, zunächst von dem Erlaß nach keiner 
Seite bin *rodWW*7 zrbeelt eil Mesihl darüber ju sprechen. Am 7. erfolgte die weitere Weilung= „Sie 
können von dem Erlaß Ar. 26 über die italienischen Zustände jetzt Gebrauch machen.“ Zur Erklärung dieser 
nochträglichen Weifungen ogl. Ar. 1043.