234 Österreich und die revolutionären Tendenzen in Württemberg.
*1041. Telegramm an den Gesandten in Detersburg
Heinrich VII. Drinzen Reuß.
[Cigenhändiges Konzept.]
n einem Drivatbriefe an v. Thile vom 1. Jebruar war Prinz Reuß wieder auf die an-
Lgeuss Annäherung Bismarcks an GSrankreich und Österreich mu Iprechen gekommen, die in
etersburg aufs äupherste beunruhige.
Berlin, den 4. Sebruar 1868.
H. v. Thile hat mir Shren Brief vom 1. gezeigt. Widersprechen Sie jedem Gerüchte
über Annäherung Preußens an GFrankreich ulnd] Oeftreich mit voller Bestimmtbeit als ganz
aus der Luft gegriffen.
* 1042. Erlaß an den Gesandten in Wien Freiherrn von Werther.
[Kongzept von der Hand des Vortragenden AN-ats Bucher.)]
Vertraulich. Berlin, den d. Sebruar 1808.
Gewisse Erscheinungen in Württemberg werden der Aufmerksamkeit der Kaiserlichen
MNegierung so wenig wie der unfrigen entgangen sein. Mit der zahlreichen und gut organi-
sierten demokratischen Partei des Landes geben dort momentan zusammen die Anhänger
des kleinstaatlichen Wesens und des Hergebrachten und die Ultramontanen, jene in ver-
blendender Leidenschaftlichkeit, diese aus irriger Berechnung, beide unbelehrt durch die alte
Crfahrung, daß schließlich die Deemokratie über die Bundesgenossen hinweg auf ihr Siel
losgeht. Die letztere hat dadurch in Württemberg Einfluß auf Schichten des Volkes
gewonnen, welche für gewöhnlich auf seiten der bestehenden Gewalten zu finden sind. Die
Abgeordneten sind in erbeblicher Jahl von der Agitation beberrscht, und die Regierung hat
Aühe, die daraus entstehenden parlamentarischen Schwierigkeiten durch das Mittel der
Vachgiebigkeit m überwinden, das allein sie bisher angewendet hat. Wir können uns der
Besorgnis nicht verschließen, daß diese Behandlungsweise, während sie in untergeordneten
Fällen zum Swecke führt, die Quelle der Schwierigkeiten nähren, und daß, wenn Verhält-
nisse eintreten follten, in denen die Aachgiebigkeit ihre Grenze findet, die Regierung die
Kraft, zu anderen Mitteln zu greifen, nicht mehr besitzen und das Heft aus der Hand ver-
lieren werde. Die Annahme, daß derartige Verhältnisse eintreten könnten, dürfte nicht zu
weit gesucht sein. Die denkenden Köpfe der demokratischen Dartei haben überall die
unklare Vorstellung einer Verbindung von Demokratie und Monarchie abgestreist und
zwischen den beiden als unverträglich erkannten Prinzipien gewählt. In Württemberg
scheint diese Scheidung, und bis in die Massen hinein, bestimmt und befördert zu sein durch
die Vachbarschaft der Schweiz und den lebhaften Verkehr mit den nach Nordamerika
Ausgewanderten. Die neuerdings in der Schweiz aus Anlaß des Sriedenskongresses ge-
gründete Zeitung, welche unter der durchsichtigen Sormel „Die Vereinigten Staaten von
Europa“ die Zerstörung der Monarchien verfolgt, hat seit Aeujahr in Stuttgart ein Gilial
erbalten an der aus der Bamberger Demokratenver] lung bervorgegangenen „Demo-
kratischen Korrespondenz“. Wenn auch diese Bestrebungen in Württemberg aus eigener
Kraft ihr Siel nicht erreichen und, je deutlicher dieses hervortritt, je mehr sich ihre gegen-