Srankreichs Wunsch nach freundschaftlichem Meinungsaustausch. 233
nas nécessaire d'aller dans la voie des satisfactions morales à donner au Cabinet de
Berlin sur le terrain allemand plus loin aue nous ne l'avons fait jusquiicl.“ Allerdings
schreckte Moustier auch vor der anderen Alternative Benedettis, der entschlossenen Vorbereitung
des Krieges gegen Preußen, noch zmrück. — Wie Bismarch gang richtig durchschaute (ogl.
Ar. #s), war Srankreich mit seinen Kriegsvorbereitungen längst nicht fertig; allo stellte
Moustier das Bedürfnis nach Erbaltung des europäischen Sriedens als den im Augenblick
(dans ce moment) herrschenden Gesichtspunkt bin, dem sich alles unterordnen müsse. Indem
er Benedetti demgemäh vorsichtigste Jurückhaltung in der deutschen Frage empfohl, beauftragte
er ihn, Bismarck einen „Schange d’idées journalier et amical“ über alle Sragen vor-
mschlagen, wo gemeinsame Interessen Frankreich und Preußen ein Einverständnis erleichtern
mühten, also mnächst in der römischen Grage, dann aber vor allem auch in den orientalischen
Angelegenbeiten. Die Art, in der sich Benedetti dieses Auftrages am 31. Januar gegen den
lehr zurückhaltenden Bismarcke entledigte, gebt aus seinem Berichte vom 4. Gebruar
e. a. O., p. 316 ss.) bervor.
Vertraulich. Berlin, den 3. Sebruar 1868.
Herr Benedetti hat in seiner neulichen Unterredung mit mir den Wunsch geäußert,
es möchten häufiger als bisher Mitteilungen unsererseits an die Kaiserliche Regierung
gemacht werden, wenn auch Gegenstände von politischer Wichtigkeit nicht vorlägen; selbst
wenn die Mitteilungen nicht gerade von bedeutendem Inhalt wären, würde doch ein
häufigerer Gedankenaustausch nützlich sein.
Ew. pp. werden in der Unterhaltung mit dem Kaiserlichen Herrn Minister Gelegenheit
finden, auch diesen Punkt zu berühren und ihm dabei m sagen, wie erwünscht auch uns
ein vertrauensvoller Gedankenaustausch ist, und wie wir denselben nicht allein niemals
vermieden, sondern oft gesucht haben — jugleich aber auch bervorzubeben, wie zu diesem
Austausch aber doch eine Gegenseitigkeit gehört, welche wir wenigstens auf seiten des
Kaiserlich Sranzösischen Bertreters vollständig vermissen. Ew. pp. werden sich ous mehr-
fachen Erlassen von mir in der letzten Seit erinnern, wie Herr Benedetti wiederbolt
Depeschen, welche der Königliche Botschafter und der Marquis de Moustier selbst als mir
bekannt voraussetzte, nicht mitgeteilt bat. Herr Benedetti ist der zurückhaltendste Diplo-
mat, mit dem ich je zu tun gehabt habe. Jeder andre sagt mehr ulnd] fragt weniger:. Und
wenn die Unterhaltungen der preußischen Repräsentanten in Paris mit denjenigen Herrn
Benedettis mit mir verglichen werden, so wird ohne Sweifel das Urteil über die Offenheit
und den Umfang des Sichaussprechens zugunsten der ersteren ausfallen. Wir haben aus
unseren politischen Auffassungen niemals ein Geheimnis gemacht und gern jeden Anlaß
zum Gedankenaustausch und zur Verständigung ergriffens, auch wenn er durch überraschende
Fragen des Herrn Benedetti gegeben wurde. Die Politik des französischen Kabinetts üt
sowohl in den gegenwärtig schwebenden Gragen, wie im allgemeinen eine aktivere als die
unfrige und wird ihm daher solche Anlässe zu Mitteilungen häufiger darbieten.
Ich habe hiermit keinen Vorwurf, sondern nur unsere Genugtuung über den Wunsch
des Kaiserlichen Kabinetts und unsere volle Bereitwilligkeit aussprechen wollen, einem
solchen Gedankenaustausch, wie wir ihn den freundschaftlichen und nahen Beziehungen der
beiden Regierungen vollkommen entsprechend erachten, entgegenzukommen.
Der Satz eigenbändiger Zusatz Bismarcks.
* Der Vesht des Satzes eigenbändiger Zusatz Bismarcks.