Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXIV. Jahrgang, 1913. (24)

Lehrziel.

Lateinische
Sprache.  Vorbemerkung.


Vertheilung
des  Unterrichtsstoffs.


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##  11.  Kenntniß  der  deutschen  Grammatik;  correcter,  gewandter  und  geschmackvoller
Gebrauch  der  Muttersprache  in  Wort  und  Schrift.  Kenntniß  der  deutschen  Litteraturgeschichte
  und  der  wichtigsten  Erzeugnisse  der  classischen  Litteratur.

12.  Der  Unterricht  in  der  lateinischen  Sprache  ist  auch  für  die  Realgymnasien
als  der  wesentliche  Träger  der  sprachlich  formalen  Bildung  und  als  die  Grundlage  für
den  gesammten  übrigen  sprachlichen  Unterricht  anzusehen.  Demgemäß  ist  vor  Allem  die
grammatische  Seite  zu  betonen  und  Sicherheit  in  der  Formenlehre  und  in  den  Hauptregeln
  der  Syntax  anzustreben.  Der  Unterricht  soll  aber  auch  in  die  römische  Litteratur
einführen.  Es  ist  daher  in  den  mittleren  und  besonders  in  den  oberen  Klassen  der  Lectüre
der  ihr  gebührende  Raum  zu  gewähren,  und  die  Erklärung  hat  sich  nicht  nur  auf  das
Grammatische  zu  beschränken,  sondern  stets  auch  das  Verständniß  des  Gelesenen  zu  vermitteln.


Um  dem  Eingehen  in  grammatische  Einzelheiten  vorzubeugen,  die  erst  auf  einer
höheren  Unterrichtsstufe  oder  überhaupt  nicht  systematisch,  sondern  gelegentlich  der  Lectüre
zu  besprechen  sind,  haben  die  betheiligten  Lehrer  das  dem  Bedürfniß  jeder  einzelnen  Klasse
entsprechende  grammatische  Pensum  in  gemeinsamer  Berathung  auszuwählen,  in  den  eingeführten
  Lehrbüchern  zu  bezeichnen  und  dadurch  eine  Art  von  Klassengrammatiken  zu
schaffen.

Zur  Ergänzung  des  Unterrichts  ist,  namentlich  in  den  oberen  Klassen,  die  Privatlectüre
  thunlichst  zu  fördern.  Dem  Schüler  der  Prima  steht  die  Wahl  der  privatim  zu
lesenden  Schriftsteller  frei  und  unterliegt  nur  der  Controle  des  Lehrers.  Für  die  Schüler
der  übrigen  Klassen  ist  der  privatim  zu  lesende  Schriftsteller  vom  Lehrer  vorzuschreiben.

13.  Sexta:

8  Stunden  wöchentlich.

Die  regelmäßigen  Declinationen,  Genusregeln,  Comparation  der  Adjectiva,  Cardinalund
  Ordinalzahlwörter,  das  Nothwendigste  von  den  Fürwörtern,  die  regelmäßigen  Conjugationen
  ausschließlich  der  Deponentia.  Einübung  von  Vocabeln.  Uebungen  im  Uebersetzen
  mit  besonderer  Rücksicht  auf  das  Construiren  der  Sätze.

Wöchentlich  eine  schriftliche  Uebung:  Seriptum  oder  Extemporale.

Quinta:
8  Stunden  wöchentlich.

Wiederholung  und  Ergänzung  der  regelmäßigen  Formenlehre.  Unregelmäßige
Declinationen  und  unregelmäßige  Verba.  Die  gebräuchlicheren  Präpositionen  und  Conjunctionen.


Memoriren  von  Vocabeln.  Fortsetzung  der  Uebungen  im  Construiren  und  Uebersetzen.

Scripta  oder  Extemporalia  wöchentlich  abwechselnd.