Full text : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

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des  Winters  geschaffen  werde  und  deshalb  nicht  zu  entbehren  sei,
ist  nicht  stichhaltig.  Wenn  nämlich  die  Mägde  im  Winter  dazu
verwandt  werden,  aus  dem  Röstflachs  einen  tadellosen  Schwingflachs
  herzustellen,  so  haben  sie  Arbeit  genug  und  der  finanzielle
Erfolg  wird  immer  ein  besserer  sein,  ebenso  können  durch  diese
Arbeit  die  Knechte  und  die  ständigen  Tagelöhner  im  Winter
lohnend  beschäftigt  werden.

Gut  gezogener  und  geschwungener  Flachs  hat  ja  tatsächlich
auch  mehr  Wert  als  das  grobe  Gespinst,  das  sich  auf  dem  Spinnrade
  daraus  herstellen  läßt.  Selbst  der  Einwand,  daß  die  Leinwand
  als  Handgespinst  viel  haltbarer  wäre,  ist  nicht  ganz  berechtigt,
  denn  wenn  man  Maschinenleinwand  aus  ebenso  niedrigen
Nummern  anfertigt,  wie  sie  das  Handgespinst  darstellt,  so  ist  eine
derartige  Leinwand  zum  mindesten  von  derselben  Haltbarkeit,  wie
die  aus  Handgespinst  hergestellte.

Mittel  und  Wege.  Soll  der  deutsche  Flachsbau  nicht  verschwinden,
  so  müssen  wir  Flachs  für  Fabriken  anbauen.  Die  Pro
duktion  von  Fabrikflachs  hat  zunächst  eine  hohe  vosfswirtschaftliche
Bedeutung.  Es  verbrauchen  nämlich  gegenwöärtig  die  mechanischen
Spinnereien  in  Deutschland  jährlich  ca.  780  Ztr.  Schwingflachs,
  von  denen  aber  die  heimische  ##bbirtschaft  nur  90  000  Ztr.
liefert.  Aus  dem  Auslande  müssen  also  690  000  Ztr.  eingeführt
werden,  an  denen  Rußland  allein  mit  650  000  Ztr.  beteiligt  ist:
den  Rest  liefern  Belgien,  Holland  und  Oesterreich.

Daß  beim  Anbau  von  Fabrikflachs  immerhin  noch  etwas  zu  verdienen
  ist,  zeigt  folgende  Aufstellung.  1  Nr.  normal,  d.  ó°#  karche  g.
ernteter  Rohflachs  ergibt  70—80  fund  N  östflachs,  von  denen
Verarbeitung  nach  belgischer  Methode  im  Mittel  16  Pfund  e

erg  gewonnen  werden:  bei  einer  Mittelernte  von  20  Ztr.
hse  erhält  man  also  pro  Morgen  820  Pfund  Schwingflachs  und

60  Pfund  Werg.  1  Pfund  guten  Schwingflachs,  kann  man  zu  50
1!  Pfund  Werg  zu  5  Pf.  anrechnen.  Die  Dlturist  en  betragen  im  Mittel
80  Mk.  pro  Morgen,  wobei  eine  Ackerpacht  vo  r  12  Mk.  pro  Morgen  ein-Hrechnet
  ist.  Die  gesamten  Vrrarbeikunggkoen  —  25  rrn  n  u

ngen  —  betragen  für  den  Zentner  Strohflachs  k.,  je  na
8  der  Arbeitslöhne.  Man  erhält  also  als  Ertrag  vom  Morgen
solgendes:
Unkosten.
Kulturkosten  im  Mittel..  4600  M.
Aufbereitungskosten:  60  „
Zusammen  140  M.
Ertrag.
33  Pfund  Sthwingflache  à  50  ê°½  .....  168  M.
erg  ..  .....  .
½„  Suen  à  10  fl.  1%
8  „  Spreu  à  2  2.  6

Zu  usami#en  204  M.
Davon  ab  die  Unkosten  140
Reinertrag  64  M.