312 Jereinigte Staalen ren Nord-Inerika. (Mai Anf.—Juli 19.)
Anf. Mai. (Senat.) Die demokratischeu Senatoren beantragen
zahlreiche Amendements zur Tarifvorlage.
Mai. Der Bergarbeiterausstand nimmt einen immer mehr
revolutionären Charakter an.
Juni. Juli. Großer Strike in Chicago und Kolifornien.
Die Arbeiter der Pullmannschen Eisenwerke fordern höheren Lohn
und legen die Arbeit nieder, als er ihnen mit Rücksicht auf die schlechte
Geschäftslage verweigert wird. Ferner legen die Eisenbahnarbeiter die Arbeit
nieder und verhindern die Absendung der Eisenbahnwagen. Es kommt
zu heftigen Tumulten, einige Tage herrscht in Chicago förmliche Anarchie.
Cleveland verhängt den Belagerungszustand über Chicago (9. Juli) und
verstärkt die Polizei und Truppen. Nach mehreren Zusammenstößen erklärt
der Strikeführer Debs das Ende des Ausstandes (13. Juli) und die Ruhe
wird allmählich wieder hergestellt.
Auch in Kalifornien kommt es zu allgemeinem Ausstande und Ausschreitungen,
die erst nach der Verhängung des Belagerungszustandes über
Sacramento (14. Juli) unterdrückt werden.
3. Juli. (Senat.) Tarifreform.
Der Senat genehmigt mit 39 gegen 34 Stimmen die Tarifvorlage,
nachdem er durch zahlreiche Amendements die Tarifsätze namentlich für
Eisen, Wolle und Zucker erhöht und so die Fassung des Repräsentantenhauses
erheblich verändert hat.
4.—7. Juli. (Kanada.) Interkolonialer Kongreß in Ottawa.
Die Versammlung — bestehend aus Vertretern der selbständigen
englischen Kolonien — befürwortet ein Zollsystem zwischen dem Mutterlande
und den Kolonien, das den einzelnen Teilen des Reichs günstigere Bedingungen
als den fremden Nationen gewähren soll.
19. Juli. (Washington.) Brief Clevelands an Wilson
über den Zolltarif.
Wilson verliest im Repräsentantenhause einen Brief des Präfidenten
vom 2. Juli, in dem dieser sich durchaus für die freie Einfuhr von Rohstoffen
ausspricht. Ueber die Besteuerung des Zuckers sagt er: „Entsprechend
unserer Parteiplatform und in Uebereinstimmung mit unserm Parteiprogramm
ist Zucker ein zulässiger und gerechtfertigter Besteuerungsartikel.
Unglückseligerweise jedoch haben einige Zwischenfälle verschiedene Stadien
der jetzt der Konferenz zu unterbreitenden Gesetzgebungsarbeit begleitet, die
in diesem Zusammenhang die natürliche demokratische Entrüstung gegen die
Methoden und Manöver der Trusts und Interessentenvereinigungen erregt
haben. Doch scheint es mir, daß wir uns möglicherweise hinreichend über
Vorurteile hinwegsetzen könnten, um einer kühlen Erwägung der Gesichtspunkte
fähig zu sein, welche bei der Abfassung eines Tarifgesetzes unsere
Behandlung des Zuckers als eines besteuerbaren Artikels leiten könnten.
Wir sollten allerdings keine Zärtlichkeit für Trusts hegen und ich bin entschieden
dagegen, daß ihnen unter der Gestalt eines Tarifsatzes eine Gelegenheit
zur Förderung ihrer eigentümlichen Methoden Wl werde, aber
ich rate, wir sollten uns nicht von unsern demokratischen Grundsätzen und
unsrer Politik, die zur Besteuerung des Zuckers führt, durch eine übertriebene
Furcht abbringen lassen, wir könnten durch die Bethätigung dieser
Grundsätze und Politik mittelbar die Vereinigung der Zuckerraffinerie-Interessen
übermäßig ermutigen. Ich weiß, daß dies unter den gegenwärtigen