längst zugedachten Zerrüttungefeldzug geworden waren. Und der setzte nun
jählings und wuchtig ein. Zum Krieg der Heeresberichte gesellte slch der Kricg
der Broschüren und Pamphlete. Auf hundert dunklen und schmutzigen Wegen
wurden Flugblätter und Schriften in die belagerte Festung cingeschmuggelt,
bestimmt, die Auflösung der deutschen Seelenkraft zu fördern und zu vollenden.
Und — ewige Schande! — es fanden sich Männer deutschen Blutee, die sich
zu Judasdiensten bergaben. Ihre Schmachschriften fanden in Deutschland Leser
und Verbreiter in Fülle. Aus Flugzeugen und Ballone regneten auf unsere
Schützengräben ganze Pakete von Berleumdungeschriften nieder, die dem
deutschen Soldaten den Wahn einflößen sollten, er sei ein betrogenes Opfer
kalserlicher Welteroberungsträume, junkerllcher Unterdrückungs- und kopita--liftischer
Ausdehnungs- und Ausbeutungegelüste ... Und auch diesem Feldzuge
wider dle deutsche Seele standen die Organe der politischen und militärischen
Behörden hllflos gegenüber. Wunderschöne Muscen abgefangener feindlicher
Propagandamlttel wurden angelegt, aber eine Gegenwirkung wurde nicht
unternommen. Wir hatten ja den „Vaterländischen Unterricht" .
In den langen, bangen Winternächten der Schützengräben begegneten
einander dle feindlichen Bamphlete mit den Werbe- und Hetzschriften der radikalen
Partelen der Heimat, und beide waren auf elnen verblüffend übereinstimmenden
Ton gestimmt. An den triefenden Pfosten der Unterstände klebten
Zettel wie der diabolische Vers:
„Glelche Löhnung, gleiches Essen —
längst schon wär der Krieg vergessen.“
Und in die gemarterten Gehirne der Soldaten fraß slch das Lugwort vom
„Kapitalistenkrieg“.
10.
Die mächtige Eiche kränkelte — aber noch immer war sle stark, furchtbar
All dlese trüben Fluten der Zerrüttung und des Aledergangs hatten den
vollen Strom der deutschen Kraft getrübt —ihn bls in seine Tlefen zu versumpfen
und zu verglften hatten sie noch nicht vermocht. Hoch über aller Anfechtung
im einzelnen ragte noch immer der deutsche Wille zur Selbstbehauptung, trotzte
dee deutschen Dolkes beldlsche Tat.
Noch immer gab und opferte dieses Volk seinem Genius aus der Uberfülle
seiner kriegerischen und menschlichen Tüchtigkeit. Wohl mehrten sich die Scharen
der Drückeberger in der Heimat, der ODeserteure in den neutralen Nachbarländern.
Aber in der Truppe selber stellte sich nach der Erschlaffung des Aushartens
in den Rlesenschlachten, wenn nur wenige Tage der Nast vergönnt
waren, das Gefühl der Zusammengebörigkeit, der Pflicht zu eisernem Widerstand
immer wieder her. Ein paar Wochen Erbolung und straffen Übene der
vom Wandel der Kriegemittel erzwungenen neuen Formen genügten, um die
Batalllone, die Batterien wieder zur schneidlgen Waffe zu härten. Oie lag fest
in der Hand der Führer, von denen weitaue die melsten ihren Mannschaften
alo Vorbilder jeder Soldatentugend voranleuchteten. Vergebens beschmutzt
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