Metadata : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

längst  zugedachten  Zerrüttungefeldzug  geworden  waren.  Und  der  setzte  nun
jählings  und  wuchtig  ein.  Zum  Krieg  der  Heeresberichte  gesellte  slch  der  Kricg
der  Broschüren  und  Pamphlete.  Auf  hundert  dunklen  und  schmutzigen  Wegen
wurden  Flugblätter  und  Schriften  in  die  belagerte  Festung  cingeschmuggelt,
bestimmt,  die  Auflösung  der  deutschen  Seelenkraft  zu  fördern  und  zu  vollenden.
Und  —  ewige  Schande!  —  es  fanden  sich  Männer  deutschen  Blutee,  die  sich
zu  Judasdiensten  bergaben.  Ihre  Schmachschriften  fanden  in  Deutschland  Leser
und  Verbreiter  in  Fülle.  Aus  Flugzeugen  und  Ballone  regneten  auf  unsere
Schützengräben  ganze  Pakete  von  Berleumdungeschriften  nieder,  die  dem
deutschen  Soldaten  den  Wahn  einflößen  sollten,  er  sei  ein  betrogenes  Opfer
kalserlicher  Welteroberungsträume,  junkerllcher  Unterdrückungs-  und  kopita--liftischer
  Ausdehnungs-  und  Ausbeutungegelüste  ...  Und  auch  diesem  Feldzuge
  wider  dle  deutsche  Seele  standen  die  Organe  der  politischen  und  militärischen
Behörden  hllflos  gegenüber.  Wunderschöne  Muscen  abgefangener  feindlicher
Propagandamlttel  wurden  angelegt,  aber  eine  Gegenwirkung  wurde  nicht
unternommen.  Wir  hatten  ja  den  „Vaterländischen  Unterricht"  .

In  den  langen,  bangen  Winternächten  der  Schützengräben  begegneten
einander  dle  feindlichen  Bamphlete  mit  den  Werbe-  und  Hetzschriften  der  radikalen
  Partelen  der  Heimat,  und  beide  waren  auf  elnen  verblüffend  übereinstimmenden
  Ton  gestimmt.  An  den  triefenden  Pfosten  der  Unterstände  klebten
Zettel  wie  der  diabolische  Vers:

„Glelche  Löhnung,  gleiches  Essen  —
längst  schon  wär  der  Krieg  vergessen.“

Und  in  die  gemarterten  Gehirne  der  Soldaten  fraß  slch  das  Lugwort  vom
„Kapitalistenkrieg“.

10.

Die  mächtige  Eiche  kränkelte  —  aber  noch  immer  war  sle  stark,  furchtbar

All  dlese  trüben  Fluten  der  Zerrüttung  und  des  Aledergangs  hatten  den
vollen  Strom  der  deutschen  Kraft  getrübt  —ihn  bls  in  seine  Tlefen  zu  versumpfen
und  zu  verglften  hatten  sie  noch  nicht  vermocht.  Hoch  über  aller  Anfechtung
im  einzelnen  ragte  noch  immer  der  deutsche  Wille  zur  Selbstbehauptung,  trotzte
dee  deutschen  Dolkes  beldlsche  Tat.

Noch  immer  gab  und  opferte  dieses  Volk  seinem  Genius  aus  der  Uberfülle
seiner  kriegerischen  und  menschlichen  Tüchtigkeit.  Wohl  mehrten  sich  die  Scharen
der  Drückeberger  in  der  Heimat,  der  ODeserteure  in  den  neutralen  Nachbarländern.
  Aber  in  der  Truppe  selber  stellte  sich  nach  der  Erschlaffung  des  Aushartens
  in  den  Rlesenschlachten,  wenn  nur  wenige  Tage  der  Nast  vergönnt
waren,  das  Gefühl  der  Zusammengebörigkeit,  der  Pflicht  zu  eisernem  Widerstand
  immer  wieder  her.  Ein  paar  Wochen  Erbolung  und  straffen  Übene  der
vom  Wandel  der  Kriegemittel  erzwungenen  neuen  Formen  genügten,  um  die
Batalllone,  die  Batterien  wieder  zur  schneidlgen  Waffe  zu  härten.  Oie  lag  fest
in  der  Hand  der  Führer,  von  denen  weitaue  die  melsten  ihren  Mannschaften
alo  Vorbilder  jeder  Soldatentugend  voranleuchteten.  Vergebens  beschmutzt

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