Die Oefterreithisch-Angarische Moenarchie. (Sept. 29. Olt. 2.) 173
Bahn breche, den eigennützigen, sich nur die Taschen spickenden Liberalen
gegenüber.“
29. September. (Böhmen: Antideutsche Resolution.) In
einer jungtschechischen Versammlung zu Raudnitz werden Resolutionen
gegen das Bündnis mit Deutschland angenommen und das
Bedauern ausgesprochen, daß nicht ein österreichisch-russisches Bündnis
bestehe, welches den Bedürfnissen des Reiches und den Wünschen
der Völker viel besser entsprechen würde.
2. Oktober. (Die Pforte und Bulgarien.) Das offiziöse
„Wiener Fremdenblatt“ erörtert in einem bemerkenswerten Artikel
die Stellung der Pforte zu einer Regelung der staatsrechtlichen
Verhältnisse Bulgariens.
Derselbe knüpft an die übereinstimmenden Meldungen beachtenswerter
Organe an, daß die Pfortee den Wunsch Bulgariens, irgendwie aus seiner
ungeklärten staatsrechtlichen Situation herauszutreten, vom Standpunkte der
eigenen Interessen aus in Betracht gezogen und nicht unberechtigt gefunden
habe, und bemerkt dazu: Man werde den Meldungen jedenfalls mehr als
eine vorübergehende Beachtung schenken, weil sie ein richtiges Erfassen der
Lage seitens der Pforte bekundeten. Das Streben der Pforte nach Entwirrung
der staatsrechtlichen Verhältnisse Bulgariens entspreche nicht nur ihrem
eigenen Sicherheitsbedürfnis, sondern zweifellos zugleich auch dem gleichen
Bedürfnis ganz Europas, das unabläßig bemüht sei, einerseits die Friedensgarantien
zu stärken, andererseits jedes Moment zu beseitigen, welches den
Frieden gefährden könnte. Wäre es jedoch wahr, daß die Pforte, wie dieselben
Meldungen berichteten, infolge verschiedener aufgetauchter Bedenken
der Anregung ihrer eigenen Staatsmänner nicht weiter solgen wolle, dann
würde sie freilich in einen Widerspruch geraten, den sie selbst am besten empfinden
müsse. In dem Maße, als in Bulgarien der allgemeine Wunsch
nach Befreiung von den staatsrechtlichen Wirren erstarke, nähere sich die
Pforte der Alternative, entweder diese Sanierung auf gesetzlichem Wege zu
ermöglichen oder aber vor eine Eventualität gestellt zu werden, die ihrem
eigenen Interesse und den Wünschen Europas durchaus nicht entsprechen
könnte. Sei die Pforte von der Ueberzeugung durchdrungen, in einem beruhigten,
hinsichtlich seiner Existenzfrage befriedigten Bulgarien die Garantie
für die Ruhe des Orients und ihre eigene Sicherheit zu finden, so würde
Europa schwerlich die Gründe für den von der suzeränen Macht zur Erreichung
dieses Zieles unternommenen Schritt verkennen. Wenn einmal die
Pforte der Gedeihlichkeit der bulgarischen Verhältnisse und der Fürstenwürde
des Prinzen Ferdinand ihre Anerkennung nicht versage, so werde das Vollgewicht
dieser Thatsachen auch die Entschließungen der anderen Mächte entscheidend
beeinflussen, welche ebenso wie Oesterreich-Ungarn keinerlei Gründe
dafür haben könnten, einer Aktion ihre Billigung zu verweigern, deren Durchführung
die dazu berechtigte Pforte behufs endlicher Gesundung der Zustände
auf der Balkanhalbinsel zu beginnen entschlossen wäre. Der Artikel schließt:
Immerhin erblicken wir schon in der bei der Pforte zum Durchbruch gelangenden
Erkenninis über den allein richtigen Standpunkt, den sie in der
bulgarischen Frage einnehmen kann, und in der vollen Einsicht über ihre
eigenen Rechte und Pflichten einen Fortschritt. Sollte derselbe sich zu weiteren,
thatsächlichen und den genügend eingelebten Berhältnissen entgegenkommenden
Entschließungen der Pforte entwickeln, so darf wohl gehofft wer-