Full text : Preußische Geschichte. Vierter Band. (4)

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werden  können.  Es  empfiehlt  sich  daher,  da  die  dem  Chemiker  zur  Untersuchung  übergebenen  Syrupe
beträchtliche  Mengen  Invertzucker  enthalten  können,  dessen  Drehungsvermögen  wir  nicht  kennen,  im
allgemeinen  von  der  optischen  Methode  der  Zuckerbestimmung  gänzlich  abzusehen  und  die  gewichtsanalytische
  anzuwenden,  für  welche  weiter  unten  unter  I  eine  neue,  rasch  auszuführende  Modifikation
angegeben  ist.  "„

Eine  Ausnahme  tritt  ein  bei  Anwesenheit  von  Stärkezucker  oder  Raffinose.  Da  wir  die
Menge  des  vorhandenen  Stärkezuckers  nicht  genau  bestimmen  können  und  da  ferner  das  Reduktionsvermögen
  des  Stärkezuckers,  welches  bei  der  Handelswaare  entsprechend  einem  Gehalt  von  ungefähr
40  bis  60  Zucker  schwankt,  unter  denjenigen  Bedingungen,  unter  welchen  die  Inversion  der  Zuckersyrupe
  behufs  Ausführung  der  gewichtsanalytischen  Zuckerbestimmung  vorgenommen  wird,  fast  unverändert
  bleibt,  so  ist  in  Fällen,  wo  solcher  vorhanden  ist,  die  gewichtsanalytische  Methode  zur
Feststellung  des  gesammten  Gehalts  an  Rübenzucker  beziehungsweise  des  Quotienten  nicht  mehr
anwendbar.  Sie  würde  im  Gegentheil  zu  großen  Irrthümern  führen,  und  es  würden  Syrupe  von
über  70  Quotient,  nach  dieser  Methode  untersucht,  nach  Zusatz  einer  gewissen  Menge  Stärkezucker
als  solche  von  unter  70  Quotient  erscheinen.  In  solchen  Fällen,  wo  Stärkezucker  zugegen  ist,  wird
dann  aber  der  deprimirende  Einfluß  der  Linksdrehung  des  Invertzuckers  auf  die  Polarisation  des
Zuckers  gar  nicht  mehr  in  Betracht  kommen  können,  weil  der  Stärkezucker  ein  ungleich  höheres
Rechtsdrehungsvermögen  besitzt  als  die  anderen  vorhandenen  Zuckerarten.  Um  Täuschungen  zu
verhüten,  welche  sonst  durch  Vermischen  von  Syrupen  über  70  Quotient  mit  Stärkezucker  leicht
möglich  sein  würden,  ist  deshalb  in  allen  Fällen,  wo  Stärkezucker  zugegen  ist,  der  Gesammtzuckergehalt
  aus  der  Polarisation  und  dem  direkt  zu  bestimmenden  Invertzucker  zu  berechnen.
maher  beschrieben  ist  die  Methode  unter  II.  Für  den  Fall  endlich,  daß  Raffinose  zugegen  ist,
mu  wieder  anders  verfahren  werden;  die  nähere  Beschreibung  der  Methode  findet  sich  unter  III
angegeben.

I.  Es  braucht  auf  die  Anwesenheit  von  Stärkezucker  überhaupt  keine  Rücksicht  genommen
  werden.

Untersuchungen  von  Syrupen,  welche  notorisch  frei  von  Stärkezuckersyrup  sind,  werden  vielfach
  vorkommen,  da  die  meisten  Fabriken  nicht  selbst  Stärkezuckersyrup  zumischen,  sondern  diese
Mischung  erst  von  zweiter  oder  dritter  Hand  vorgenommen  zu  werden  pflegt.

Die  Gesammtzuckerbestimmung  kann  hier  in  einer  einzigen  Operation  ausgeführt  werden.

Man  wägt  das  halbe  Normalgewicht  (13,024  8)  Syrup  ab,  löst  in  einem  Hundertkölbchen
  in  75  cem  Wasser,  setzt  5  ccm  Salzsäure  (von  38,  Prozent  HClgehalt)  hinzu  und  erwärmt
auf  67  bis  70°  C.  im  Wasserbade.  Sobald  der  Inhalt  des  Kolbens  diesen  Grad  erreicht  hat,
wird  die  Temperatur  noch  5  Minuten  auf  67  bis  700  unter  häufigem  Umschütteln  gehalten.  Da
das  Anwärmen  2½  bis  5  Minuten  in  Anspruch  nehmen  kann,  so  wird  die  Ausführung  dieser
Operation  im  ganzen  7½  bis  10  Minuten  in  Anspruch  nehmen.  Man  füllt  zur  Marke  auf,  verdünnt
  darauf  50  cem  von  den  100  cem  zum  Liter,  nimmt  davon  25  com  (entsprechend  0,1628  Substanz)
  in  eine  Kochflasche  und  setzt  dazu,  um  die  vorhandene  freie  Säure  zu  neutralisiren,  25  cem
einer  Lösung  von  kohlensaurem  Natron,  welche  durch  Lösen  von  1,7  8  wasserfreien  Salzes
zum  Liter  bereitet  und  vorräthig  gehalten  wird.  Darauf  versetzt  man  mit  50  cem  der  allgemein
gebräuchlichen  Soxhletschen  Lösung,  erhitzt  in  derselben  Weise  wie  bei  der  Invertzuckerbestimmung
zum  Sieden  und  hält  die  Flüssigkeit  3  Minuten  im  Kochen.  Da  hier  sämmtlicher  Zucker  invertirt
ist,  Rohrzucker  somit  das  Resultat  der  Reduktion  bei  längerem  Erhitzen  nicht  beeinflussen  kann,  so
braucht  man  bezüglich  des  Innehaltens  der  Zeit  des  Erwärmens  nicht  so  ängstlich  zu  sein,  als  bei
der  Invertzuckerbestimmung.  2  auch  3  Minuten  längeres  Erwärmen  beeinflußt  das  Resultat,  wie
aus  Soxhlets  Versuchen  hervorgeht,  nicht  merklich.  Nach  beendetem  Erhitzen  verdünnt  man  die
Flüssigkeit  in  der  Kochflasche  mit  dem  gleichen  Volumen  luftfreien  Wassers  und  verfährt  im  übrigen
genau  wie  bei  der  Invertzuckerbestimmung.  Zur  Berechnung  des  Resultats  können  selbstverständlich
die  in  der  Literatur  vorhandenen  Tabellen  nicht  dienen,  weil  dieselben  nicht  für  Invertzucker,  sondern
nur  für  Glukose  oder  auch  Gemenge  von  Invertzucker  mit  Saccharose  gelten.  Es  ist  deshalb  die
folgende  Tabelle  für  Invertzucker  bei  3  Minuten  Kochdauer  aufgestellt  worden,  welche  gestattet,  aus
der  gefundenen  Kupfermenge  sogleich  die  entsprechende  Menge  an  Saccharose  zu  berechnen.  Der
Umrechnung  des  Invertzuckers  in  Rohrzucker  ist  man  demnach  bei  Benutzung  derselben  überhoben.