Full text: Unser Kaiser.

128 Unser Kaiser. 
Herrn Jesus Christus.“ Dann liest er aus dem vor ihm 
liegenden Buche die für den Tag bestimmte Andacht mit 
dem zugehörigen Gebet. Den Schluß bildet das Vater— 
unser, zu dem sich alle Anwesenden von ihren Plätzen er— 
heben. 
Nichts bindet Menschen so fest zusammen wie gemeinsamer 
Glaube und gemeinsames Gebet. Das kann man auch in 
Doorn sehen. Aus dieser Wurzel wächst die Königstreue, 
die alle vom ersten bis zum letzten beseelt. Zwar einen amt— 
lich angestellten Hofmarschall wie früher im Kaeiserschloß 
gibt es in Doorn nicht mehr. Und doch fehlt es dem Kaiser 
nicht an Getreuen, die ihm diese Dienste leisten. Eine Anzahl 
königstreuer Männer, Generale, Admirale, ehemalige hohe 
Staatsbeamte, Leibärzte, haben sich unter einander verab- 
redet, ihren Kaiser nicht zu verlassen und in bestimmter 
Reihenfolge je zwei Monate nach Doorn zu kommen. Frei- 
willig verläßt jeder Haus und Hof, Weib und Kind, und 
geht für zwei Monate zum Kaiser ins Ausland. Der frei- 
willige Dienst ehrt diese Männer mehr als die glänzendsten 
Titel und Orden früherer Zeiten. Da ist Exzellenz von Berg, 
Admiral von Rebeur-Paschwitz, General Graf Finckenstein, 
Graf Moltke, General Gontard, Freiherr von Sell und 
mancher andere, alle unterstützt von dem treuen Hofrat Kogge, 
der mit seiner Gattin die Verbannung seines Herrn teilt. 
Alle tun ihren Dienst mit derselben Ergebenheit, Ehrfurcht 
und Hingabe, wie wenn der Kaiser noch auf der Höhe seines 
Glanzes und seiner Macht stünde. Deutschland soll sie nicht 
vergessen, diese Männer, deren Tun ein Heldenlied deutscher 
Treue ist.