Object: Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

Wilhelm. 
Kuldigungen aller Stände des deutschen 
olks bewährte. Um so größer war der 
Schmerz,der alle deutschen Herzen durch- 
itterte, als ein Leipzige Klempnergeselle, 
x Hödel, 11. Mai 1878, glücklicher- 
weise ohne Erfolg, auf ihn scho, ja als 
2. Juni Nobiling den Kaiser unter den 
Linden in Berlin erheblich an Kopf und 
Armen verwundete. W. übertrug dem 
Kronprinzen die Regentschaft und fand in 
den Bädern von Teplitz und Gastein Ge- 
nesung, so daß er schon 5. Dez. 1878 un- 
ter dem Jubel des Volks seinen feierlichen 
Einzug in Berlin halten und die Regie- 
rung wieder übernehmen konnte. nur 
Erinnerung an des Kaisers Errettung 
wurde aus Sammlungen in ganz Deutsch- 
land die -Wilhelmsspende- begündee. 
Am 11. Juni 1879 feierte der 82jährige 
Monarch das Fest seiner goldnen Hochzeit 
mitder Kaiserin Augusta (s.d.), Tochter des 
Großherzogs Karl Friedrich von Sachsen- 
Weimar, in seltener Rüstigkeit. Vgl. W. 
Müller, Kaiser W. 1797—1877(1877); 
(5# rl- —- hn) Gedenkbuch Kaiser Wilhelms 
(1 
3) W. I., König von Württem- 
berg, Sohn des nachmaligen Königs 
Fe rich I. von Württemberg und der 
rinzessin Auguste Karoline von Braun- 
schweig Wolfendütae. geb. 27. Sept. 1781 
zu Lüben in Schlesien, trat 1800 in die 
österreichische Armee und zeichnete sich 
schon in der Schlacht von Hohenlinden 
P Feldzug Napoleons gegen Ruß- 
812 befehligte er das württember-= 
gische Hilfskorps, mußte aber, gefährlich 
erkrankt, in Wilna zurückbleiben. Als 
nach der Schlacht bei Leipzig sich sein Va- 
ter den Verbündeten anschloß, übernahm 
der Kronprinz W. die Führung des 7. 
Armeekorps, bei dem sich auch württem- 
bergische Truppen befanden, focht 1814 
mit Auszeichnung bei La Rothière, wurde 
aber 18. Febr. bei Montereau zurückge- 
Lchagen- Nach dem Tod seines Vaters, 
30.Okt. 1816, übernahmeer die Regierung 
und gab 1819 dem Land eine Verfassung. 
Er sorgte besonders für das Schulwesen 
und die Landwirtschaft und regierte bis 
zur Revolution in stetem Einvernehmen 
mit seinem Volk. 1849 erkannte er die 
aus. 
land 
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von der deutschen Nationalversammlung 
beschlossenen Grundrechte an, willigte aber 
nur mit Widerstreben in die Annahme der 
Reichsverfassung ein, weil ihm ein Kaiser- 
tum der Hohenzollern zuwider war. Noch 
mehr trat der Gegensatz gegen Preußen 
1850 hervor, als er sch mit Entschieden- 
heit gegen das preußische Unionsprojekt 
aussprach. Um so eifriger schloß er sich an 
Osterreich an und hätte 1859 eine Unter- 
stützung desselben im italienischen Feldzug 
durch den Deutschen Bund gern gesehen. 
Auf dem Fürstenkongreß zu Frankfurt 
1863 ließ er seine Zustimmung zu den 
österreichischen Bundesreformplänen er- 
klären, aber ebensowenig wie Osterreich 
trat er in der schleswig-holsteinischen Frage 
für den Herzag von Augustenburg ein. 
Er starb 25. Juni 1864 auf dem Schloß 
Rosenstein. Er war dreimal vermählt, 
zuerst mit der Prinzessin Karoline Au- 
guste von Bayern, von welcher er sich 
1814 trennte, dann mit der Großfürstin 
Katharina Paulowna, Witwe des Prin- 
zen Peter von Helstein-Oldenburg, zuletzt 
mit Pauline, der Tochter des Herzogs 
Ludwig von Württemberg, der Mutter 
seines achfolgers Karl. Vgl. Nick, W. I. 
und seine Regierung (1864.. 
4) W. August Ludwig Maximi- 
lian Friedrich, Herzog von Braun- 
schweig, zweiter Sohn des Herzogs 
Friedrich Wilhelm und der badischen Prin- 
zessin Marie, geb. 25. April 1806, wurde 
mit seinem ältern Bruder, Karl, in Eng- 
land und seit 1814 in Braunschweig un- 
ter der Vormundschaft Georgs IV. von 
England erzogen. Er studierte in Göttin- 
en, trat in die preußische Armee und er- 
Hiel 1826 von seinem Bruder das Für- 
stentum Ols in Schlesien. Nach der Ver- 
treibung des Herzogs Karl aus Braun- 
schweig übernahm W. 28. Sept. 1830 
vorläufig die Regierung und wurde in- 
folge eines Beschlusses des Gesamthauses 
Braunschweig 20. April 1831 Herzog. Er 
regierte meist im Einvernehmen mit den 
Ständen, wollte sich 1866 im preußisch- 
österreichischen Krieg anfangs neutral ver- 
belten, chloß sich jedoch nach der Schlacht 
ei Königgrätz Preußen an. Alsdann trat 
er in den Norddeutschen Bund und später