Metadata : Staatsrecht, Völkerrecht und Politik. Dritter Band. (3)

212  Die  Universitäten.

essen  und  Eitelkeiten  stammen.  Endlich  aber  hat  eine  solche  Vereinigung
in  dem  wohl  gewöhnlichen  Falle,  dass  eine  der  Bibliotheken  von  ibrem
bisherigen  Sitze  wegverlegt  werden  müsste,  in  der  That  auch  wirkliche  und
nicht  unbedeutende  sachliche  Nachtbeile.  Eine  Büchersammlung  ist  immer,
selbst  wenn  sie  unvollständig  ist,  ein  Ausgangspunkt  für  geistige  Thätigkeit
und  für  Gesittigang;  sie  gewährt  für  einen  grösseren  Kreis  die  Mittel,  also
auch  die  I.ust,  zu  höherer  Bildung;  in  ihrer  Nähe  siedelt  sich  eine  grössere
buchhändlerische  Thätigkeit  an,  welche  dann  ihrerseits  wieder  zu  Manchem
Veranlassung  gibt.  Man  schafft  also  ein  neues  Uebel,  indem  man  ein  altes
heilt.  Es  möchte  daher  schwer  sein,  ein  für  allemal  hier  zu  fordern.
Manches  wird  von  Örtlichen  Verhältnissen  abhängen;  auch  wohl  von  den
zwar  nur  einmaligen  allein  unter  Umständen  sehr  bedeutenden  Kosten  der
Verlegung;  endlich  von  anderweitigen  Planen,  welche  man  etwa  mit  der
einen  oder  der  andern  Stadt  u.  8.  w.  hat.  Kurz,  das  Mittel  ist  an  und
für  sich  ein  ausführbarcs  und  auch  ein  mehr  oder  weniger  genügendes;  es
mag  also  immerhin  in  einzelnen  Fällen  das  wirklich  räthliche  sein.  Aber
man  darf  sich  nicht  täuschen;  häufig,  wohl  in  der  Regel,  werden  sich  unübersteigliche,
  gleichgültig  itzt  ob  vernünftige  oder  unvernünftige,  Hindernisse
  entgegenstellen,  und  es  wird  somit  dasselbe  keineswegs  oft  zu  Gunsten
einer  Universität  zur  Anwendung  kommen.

Noch  weniger  dürfte  sich  das,  allerdings  auch  schon  in  einzelnen  Fällen
zur  Unterstützung  wissenschaftlicher  Anstalten  in  Anwendung  gebrachte,
Mittel  einer  Verleihung  von  Verlagsmonopolen  empfehlen.  —  Zunächst
leuchtet  ein,  dass  nur  wenige  Druckschriften  einen  so  bedeutenden  und
nachhaltigen  reinen  Gewinn  abwerfen,  dass  sie  für  den  vorliegenden  Zweck
irgend  in  Betrachtung  kommen  könnten.  Nur  etwa  Schulbücher,  Bibeln
und  Katechismen,  endlich  Kalender  möchten  möglicherweise  dazu  dienen.
Ob  nun  aber  ein  ausschliessliches  Recht  zu  deren  Druck  gegeben  werden
könnte,  ist  eine  wohl  naclı  dein  Rechte  der  meisten  Staaten  zu  verneinende
Frage.  —  Sodann  möchte  das  Bedürfniss  des  Publikums  bei  einem  Monopole
solcher  allgemein  gebrauchter  und  am  besten  wolıl  in  verschiedener  Form
und  Art  zu  veröffentlichender  Bücher  schwerlich  seine  Befriedigung  finden.
—  Endlich  wäre  ein  ausgedehntes  buchhändlerisches  Geschäft  eine  schr
üble  Nebenaufgabe  für  eine  Bibliothekverwaltung,  schliesslich,  in  dem  zunächst
  hier  ins  Auge  zu  fassenden  Falle,  für  die  Universitätsbehörde,  und
würde  olıne  allen  Zweifel  auf  die  olınedem  nicht  leichte  gute  Besetzung
der  Vorstandsstelle  einen  störenden  Einfluss  ausüben.  Es  ist  also  wohl
überflüssig,  diese  Möglichkeit  einer  Erhöhung  der  Einnahme  weiter  zu
besprechen.

Noch  weniger  anwendbar,  jeden  Falles  für  die  meisten  Bibliotheken
schr  unausgiebig,  wäre  eine  gesetzliche  Bestimmung,  nach  welcher  jeder  in-